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WM 2014
11.06.2014

Brasilianische Schwierigkeiten für die Nationalmannschaft

In diesem Stadion bestreitet Deutschland sein erstes Gruppenspiel gegen Portugal. Zu mittäglicher Stunde werden dort Temperaturen über 30 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen. Diese extremen Bedingungen könnten sich auf die gesamte Spielweise bei der WM auswirken.
Foto: Simonstacpoole

Hitze und Luftfeuchtigkeit werden den Spielen ihren Stempel aufdrücken und könnten Auswirkung auf die Taktik haben. Dabei hatten die Deutschen sogar noch Glück.

Wenigstens Manaus bleibt den Deutschen erspart. In der Stadt am Amazonas klettert die Temperatur tagsüber auf 31 Grad – bei 85 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die beiden jungen Männer aus Heidenheim, die am Dienstag mit der Fähre zum deutschen Quartier nach Santo André übergesetzt sind, waren bereits in der Dschungelstadt und haben von ihr geschwärmt. Fußballspielen aber, so die beiden Amateurkicker, sei dort die Hölle.

Kroaten, Kamerunern, Honduranern, Schweizern, Engländern, Italienern, Amerikanern und Portugiesen wird sie nicht erspart bleiben. Sie alle müssen in die Arena da Amazonia. Drei der vier Partien beginnen um 19 Uhr brasilianischer Zeit, dann, wenn die Luft zu 100 Prozent mit Feuchtigkeit gesättigt ist.

Das erste Spiel der DFB-Elf findet bei 30°C in der Mittagszeit statt

Die Deutschen haben es besser, ein wenig jedenfalls. Sie bestreiten ihr Auftaktspiel gegen Portugal am Montag in Salvador, wo für die Mittagszeit 30 Grad vorausgesagt sind, die sich bei etwa 80 Prozent Luftfeuchtigkeit allerdings nach deutlich mehr anfühlen.

Es ist dann 13 Uhr im Land – und jeder vernünftige Mensch würde regungslos im Schatten verharren. Wer in Brasilien Weltmeister werden möchte, muss genau diesem Antrieb widerstehen. Also versucht auch die deutsche Mannschaft, sich den Bedingungen anzupassen. Sie simuliert den Ernstfall, trainiert mittags, dann, wenn auch gespielt wird.

Nationalmannschaft trainiert Mittags um sich auf Wetter einzustellen

Allein die Anstoßzeit ist für die meisten Spieler gewöhnungsbedürftig. Die England-Fraktion mit den Arsenal-Legionären Özil, Mertesacker und Podolski sowie Chelseas Schürle kennt solche Mittagspartien aus der Premiere League. Das Londoner Wetter dagegen bereitet bekanntlich nur in puncto Luftfeuchtigkeit auf Brasilien vor.

Aufgabe des Bundestrainers ist es, die Spielweise auf das Klima abzustellen. „Man wird nicht über 90 Minuten auf Teufel komm raus Pressing spielen können“, dämpft Philipp Lahm allzu große Erwartungen auf Tempofußball.

Spielidee andern um erfolgreich zu sein

Urs Siegenthaler, Joachim Löws Chefscout, prophezeit sogar reichlich Defensiv-Fußball. Er hat in der Vorbereitung auf die WM noch einmal alle Halbfinals und Endspiele der Turniere bis in die 70er Jahre zurück begutachtet. Seine Erkenntnis: „Die Europäer wollten sich in Südamerika immer verwirklichen. Die Engländer wollten so spielen wie in England, die Italiener wie in Italien. Das gilt umgekehrt auch für Argentinien, für Brasilien, wenn sie in Europa spielen.“ Wer aber auf einem anderen Kontinent erfolgreich sein möchte, empfiehlt der 63-jährige Schweizer, muss seine ursprüngliche Spielidee verändern.

In Brasilien, so Siegenthaler, könnten die Spielformationen deshalb anders ausschauen als gewohnt. Beispiel Brasilien: „Hinten eine Vierer-Abwehr, vorne vier Stürmer und zwei Mann im Mittelfeld – so ähnlich wie früher im Feldhandball. Das könnte eventuell die Spielweise dieses Turniers werden.“

Schürrle: Kein Vorteil für die Südamerikaner

Vorteil Südamerika also? André Schürrle glaubt das nicht. Zumindest hält er den Vorteil, den die Südamerikaner auf ihrem Heimatkontinent angeblich haben, für überschätzt. Schürrle: „Viele spielen doch seit Jahren in Europa.“

Die Statistik allerdings spricht klar für die Südamerikaner: Noch nie haben sie als Gastgeber den WM-Titel an eine Mannschaft eines anderen Kontinentes verloren.

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