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Warum sich Fans auf die Bundesliga freuen können

Kommentar Von Tilmann Mehl
24.08.2018

Dem WM-Kater und abgewanderten Stars zum Trotz: Deutschlands Eliteliga ist immer noch attraktiv. Und vielleicht steht am Ende sogar eine große Überraschung.

Es ist noch nicht lange her, da war die Bundesliga die beste Liga der Welt. Die Liga des Weltmeisters. Die Liga, die 2013 beide Finalisten der Champions League stellte. Nun ist sie wieder gestartet, die Bundesliga. Sie ist nicht mehr die beste der Welt. Sie ist aber immer noch außergewöhnlich attraktiv.

Die größten Stars spielen in Spanien, England und dank Cristiano Ronaldo neuerdings in Italien. Den spektakulärsten Fußball bieten Mannschaften aus Manchester, Barcelona und Madrid. Und trotzdem gibt es zahlreiche Gründe, sich hierzulande auf die Saison zu freuen. Es ist nicht zwingend das Höchstmaß individueller Klasse, die ein Spiel zum Spektakel werden lassen. Es können auch raffinierte taktische Pläne, eine fantastische Atmosphäre und spannender Wettkampf sein. Das alles kann die Bundesliga in die Waagschale werfen.

Die Bundesligisten müssen wieder nahbarer werden

Das frühe WM-Aus der Nationalmannschaft bietet noch dazu die Vorlage, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Zurecht wurde dem Team vorgehalten, sich zu weit von der Basis entfernt zu haben. Unglücklicher Marketingsprech und waghalsige Slogans („Best never rest“, #zsmnn) waren mit Sicherheit nicht allein verantwortlich für die lauen Auftritte der Löw-Mannschaft.

Wenn aber nur der Anschein erweckt wird, Vermarktung und Leistungsbereitschaft gehen nicht im Gleichschritt, reagieren Fans und Medien allergisch. Zu erwarten ist daher, dass auch die Bundesligisten darauf achten, wieder nahbarer zu werden. Dass auf die Bedürfnisse der Fans zwar nicht blindlings eingegangen wird, sie aber zumindest ernst genommen werden. Besonders bitter ist daher, dass gerade Fan-Vertreter den Dialog mit der Deutschen Fußball Liga abgebrochen haben. Mit ihnen wieder ins Gespräch zu kommen, das muss eines der wichtigsten Ziele sein.

Die Anhänger wiederum dürfen die Zustände auch nicht schlechter reden als sie sind. Der Stadionbesuch ist bezahlbar. Anders als in den anderen europäischen Top-Ligen gibt es noch die Möglichkeit, den Spielern beim Training wenigstens ab und an nahe zu kommen.

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Dass unverstellte Nähe für beide Seiten Vorteile hat, zeigte die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin. Fans haben ein feines Gespür dafür, wenn Sportler nicht mit wiedergekäuten Floskeln vor sie treten, sondern das gleichsam schwierigste wie einfachste machen: einfach authentisch sein. Damit gewinnt man keine Titel, wohl aber Zuneigung und Anerkennung.

Individuelle Klasse muss gefördert und gefordert werden

Gleichwohl geht es natürlich in erster Linie nicht um einen sympathischen Auftritt, sondern um Siege. Diesmal allerdings sind leise Zweifel angebracht, ob wieder der FC Bayern am meisten davon einfährt. Die Münchner haben natürlich den besten Kader. In ihrem Schatten hat sich allerdings eine Phalanx gebildet, die zumindest in einzelnen Spielen gefährlich werden kann.

Am ehesten ist es Borussia Dortmund zuzutrauen, den Serienmeister ernsthaft herauszufordern. Lucien Favre ärgerte schon als Trainer von Borussia Mönchengladbach immer wieder die Münchner. Auch Ralf Rangnick in Leipzig verfügt über die Raffinesse, den Münchnern im direkten Duell als gleichwertiger Duellant gegenüberzustehen.

Der Auftritt der deutschen Mannschaft während der WM hat aber auch gezeigt, dass mit Taktik allein kein Spiel gewonnen wird. Entscheidender Faktor sind immer noch die Akteure auf dem Rasen. Dem Einzelnen wird wieder mehr Verantwortung zuteil. Das verspricht mehr individuelle Aktionen.

Nur wenn die gefordert und gefördert werden, kann aus der attraktiven Bundesliga auch wieder eine der besten Ligen der Welt werden. Die Chance dafür ist da.

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