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FC Ingolstadt

07.05.2015

„Die Geschwindigkeit ist kaum zu erklären“

Führungsteam: Michael Henke (rechts) arbeitete viele Jahre als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld. Parallelen zieht er zur Zusammenarbeit mit Ralph Hasenhüttl (links) beim FC Ingolstadt.
Bild: Roland Geier

Co-Trainer Michael Henke spricht über die rasante Entwicklung beim FC Ingolstadt. Warum er einen Aufstieg mit den Schanzern höher bewertet als seine vielen deutschen Meistertitel mit Ottmar Hitzfeld und dem FC Bayern

 Michael Henke hat einige Titel gewonnen. Als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld holte er etwa zweimal die Champions League. Mit einem Sieg am Sonntag (13.30 Uhr) beim VfL Bochum wäre für den FC Ingolstadt der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga perfekt. Als es das letzte Mal für den FCI nach Bochum ging, war man Tabellenletzter und hatte sich gerade von Marco Kurz getrennt. Henke führte das Team als Interimstrainer zu einem 1:0-Sieg. Die NR hat sich mit ihm unter anderem darüber unterhalten.

Michael Henke, FCI-Vorstandsvorsitzender Peter Jackwerth hat gesagt, er wird Ihnen für immer dankbar sein, dass Sie in der vergangenen Saison als Tabellenletzter in größter Not als Interimstrainer mit 1:0 beim VfL Bochum gewonnen haben. Wie war damals die Situation beim FCI?

Henke: Das war eine heiße, dramatische Phase. Der Klub war wegen der sportlichen Situation als Tabellenletzter ziemlich in Aufruhr. Die Partie in Bochum wurde damals praktisch zum Finale ausgerufen, um die Wende doch noch schaffen zu können. Auch Peter Jackwerth hat sich damals stark eingebracht. Meine Hauptaufgabe lag gar nicht mal in der Trainingsarbeit. Es wurden viele Gespräche mit den Spielern geführt. Die Anspannung war permanent zu spüren.

Am Sonntag geht es wieder nach Bochum, diesmal unter völlig anderen Voraussetzungen. Mit einem Sieg wäre der Aufstieg perfekt. Kann man irgendwie erklären, was in diesen knapp eineinhalb Jahren geschehen ist?

Henke: Im Fußball passieren oft unerklärliche Dinge, obwohl es in unserem Fall schon Gründe für die Entwicklung gibt. Aber die Geschwindigkeit ist kaum zu erklären. Wenn man so weit unten steht wie wir in der Hinrunde der vergangenen Saison, dann kann es eigentlich nur aufwärts gehen. In der Regel hat man aber immer mal wieder Brüche drin, die wir nicht hatten.

Warum gab es die nicht?

Henke: Weil im Verein viele richtige Entscheidungen getroffen wurden. Eine war mit Sicherheit die Verpflichtung von Ralph Hasenhüttl als Trainer. Zudem passt es bei uns im Team. Von den Geschäftsführern Harald Gärtner und Franz Spitzauer über Sportdirektor Thomas Linke bis zu Ralph und mir. Dazu wurden gute Transfers getätigt. Wir haben die richtigen Spieler geholt, hatten dabei natürlich auch Glück. Auch die Motivationslage war gut. Wenn man durch ein Tal der Tränen gegangen ist, ist es ein Hochgefühl, eine Serie zu starten und sich oben festzusetzen. Ich sage immer zu den Spielern: Denkt daran, wo ihr hergekommen seid.

Was zeichnet Ralph Hasenhüttl und die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden aus?

Henke: Ralph hat in Ingolstadt direkt mit seiner offenen Art überzeugt. Er hat sich erkundigt, sich alles angehört und angeschaut und war von Anfang an ein Teamplayer. Er hat aufgezeigt, wirklich jeden zu brauchen. Von den Spielern bis zum Betreuerstab. Wir beide ergänzen uns in der täglichen Arbeit sehr gut. Wir ticken ähnlich, mit welchen Prinzipien man mit einer Mannschaft arbeiten muss. Daher war schnell klar, dass wir gut zusammenpassen.

Sie haben in Ihrer Trainerkarriere sehr viel erreicht, waren zweimal Champions-League-Sieger und haben etliche deutsche Meistertitel gefeiert. Wo würden Sie in dieser Reihe einen Aufstieg mit dem FC Ingolstadt einordnen?

Henke: Ein Aufstieg mit dem FC Ingolstadt wäre sehr weit oben anzusiedeln. Jeder Meistertitel ist klasse, aber zum dritten oder vierten Mal mit dem FC Bayern München deutscher Meister zu werden, bei allem Respekt, ist fast schon etwas normales. Natürlich muss man dafür hart arbeiten über eine ganze Saison, aber es ist nichts Historisches. Wenn aber mit Ingolstadt der Aufstieg gelingt, ist das etwas Historisches und auch für mich persönlich ganz hoch einzuordnen.

Ihre Titel haben Sie alle als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld geholt. Mit ihm haben Sie 15 Jahre zusammengearbeitet...

Henke: Ich kannte Ottmar nicht, als er nach Dortmund kam. Richtig kennengelernt haben wir uns auf einer Autofahrt vom Flughafen Düsseldorf nach Dortmund. Uns war schnell klar, dass es von den Ansichten und Einstellungen her passt. Ottmar war sehr stark, was Entscheidungen angeht. Er wusste, dass er der Chef war und die Entscheidungen treffen muss. Aber er war immer teamfähig und hat die Leute mitgenommen. Von der Zusammenarbeit mit ihm und der mit Ralph Hasenhüttl sind Parallelen zu sehen.

Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Henke: Ja. Wir sehen uns zwar nicht mehr oft, telefonieren und schreiben uns aber regelmäßig.

Sind sie der perfekte Co-Trainer oder ärgern Sie sich, nur kurz als Chef gearbeitet zu haben?

Henke: Ob ich der perfekte Co-Trainer bin, will ich nicht beurteilen. Das überlasse ich anderen. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass ich als Cheftrainer arbeiten könnte. Meine Zeit beim 1. FC Kaiserslautern war relativ kurz, anschließend hat sich nichts mehr ergeben. Von der täglichen Arbeit mit der Mannschaft sind die Unterschiede zwischen beiden Positionen gar nicht mal so groß, man braucht ähnliche Qualifikationen. Entscheidend ist: Jeder muss in seinem Job versuchen, sich zu verwirklichen und zufrieden zu sein. Ich war immer glücklich auf all meinen Stationen.

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