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Porträt
18.01.2021

So kämpfte sich Handball-Torwart Andreas Wolff aus seinem sportlichen Tief

DHB-Keeper Andreas Wolff wird zum Auftakt der Handball-WM noch geschont.
Foto: Marius Becker, dpa

Andreas Wolff war Europameister und ein Mann mit großer Zukunft im Handball. Dann saß er plötzlich nur noch auf der Bank – und versuchte sein Glück in Polen.

Der Manuel Neuer des Handballs ist er noch nicht – einen Platz unter den Besten der Welt aber hat Andreas Wolff sich spätestens mit seinen Paraden bei der Europameisterschaft vor fünf Jahren erkämpft. Im Finale gegen Spanien hielt er damals unglaubliche 48 Prozent der Bälle, sicherte dem krassen Außenseiter Deutschland den Titel und wurde zum stärksten Torhüter des Turniers gewählt. Eine große Sportlerkarriere, so schien es, hatte da gerade begonnen.

Plötzlich war Andreas Wolff der "Bart des Jahres"

Heute weiß Andreas Wolff, dass er danach vieles falsch gemacht hat. Den plötzlichen Rummel um ihn, der ihm unter anderem den schrägen Titel „Bart des Jahres“ einbrachte, genoss er in vollen Zügen, er strotzte nur so vor Selbstbewusstsein und entschied sich auch sportlich für die ganz große Lösung – den Wechsel aus der Handballprovinz in Wetzlar zum Serienmeister THW Kiel, dem Bayern München des Handballs. Am Dänen Niklas Landin aber kam er dort nicht vorbei, er versauerte auf der Bank und plagte sich plötzlich mit Selbstzweifeln, dem vielleicht gefährlichsten Gift im Spitzensport. „Ich fing an, mich selber kaputtzureden“, erzählte Wolff, als er wieder weg war. „Bin ich langsamer als früher? Ist mein Stellungsspiel schlechter geworden?“

Deutschlands Uwe Gensheimer jubelt nach einem Tor.
16 Bilder
Das ist der deutsche Kader für die Handball-WM in Ägypten
Foto: Marius Becker/dpa

Heute spielt der 29-Jährige reaktionsschnell wie eh und je wieder in der Provinz: im polnischen Kjelce, zwei Autostunden südlich von Warschau. Der Verein ist Stammgast in der Champions League, weil ein niederländischer Geschäftsmann dort einen Kader mit internationaler Reputation zusammengekauft hat, und Wolff steht da, wo er immer stehen wollte: als unangefochtene Nummer eins im Tor. Dass Bundestrainer Alfred Gislason ihm zum Auftakt der Weltmeisterschaft am Freitag gegen den Handball-Exoten Uruguay eine kleine Pause verordnet hat, kann er verschmerzen. Im deutschen Team ist die Hackordnung für das Turnier in der ägyptischen Blase klar: Wolff ist die Nummer 1a, Joachim Bitter die 1b und Silvio Heinevetter die 1c.

Mit seinen früheren Mitspielern geht Andreas Wolff hart ins Gericht

Am Binnenklima im deutschen Handball allerdings muss 1a noch arbeiten. Mit seiner Attacke auf die daheimgebliebenen Nationalspieler hat sich der alte Wolff wieder gezeigt, sensibel auf der einen Seite, aber auch bis zur Uneinsichtigkeit undiplomatisch. Dass seine früheren Kieler Mannschaftskameraden Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold ihre Familien in der Corona-Zeit nicht alleine lassen wollen und ihre WM-Teilnahme abgesagt hatten, konnte oder wollte er nicht verstehen. „Ich bin kein Familienvater“, räumt er zwar ein. „Da kann ich mich nicht hineinversetzen, aber Familienväter aus anderen Ländern nehmen auch teil.“

Nun allerdings zählt nur noch das Sportliche. Sollte es das deutsche Team ins Halbfinale schaffen, könnte Andreas Wolff dort auf einen alten Bekannten treffen – seinen alten Rivalen Landin, den Manuel Neuer des Handballs.

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