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Sport-Star: René Weller: Das war der deutsche Boxer – Weltmeister, Playboy, Reality-Star

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René Weller: Das war der deutsche Boxer – Weltmeister, Playboy, Reality-Star

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    Ein Leben für mehr als nur das Boxen: René Weller ist im Alter von 69 Jahren gestorben.
    Ein Leben für mehr als nur das Boxen: René Weller ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Foto: Andreas Altwein, dpa (Symbolbild)

    René Weller hat den letzten Kampf seines Lebens verloren. Am Dienstagabend (22. August 2023) starb der einstige Box-Weltmeister im Alter von 69 Jahren, nachdem er jahrelang an Demenz gelitten hatte.

    Auf dem gemeinsamen Instagram-Account schrieb seine Ehefrau Maria: "Hand in Hand und in meinen Armen bist du heute um 17:50 Uhr zuhause in Frieden von mir gegangen. (…) Niemand kann dich ersetzen, denn so wie du kann niemand mehr sein!"

    René Weller tot: "Sehe nackt besser aus als angezogen"

    Einzigartig war er auch für den deutschen Boxsport der 1980er Jahre. Denn lange bevor Henry Maske, Sven Ottke oder Dariusz Michalczewski die Hallen füllten und ein Millionenpublikum vor den Fernseher lockten, verhalf Weller dem Boxen nach längerer Flaute zu ersten größeren Schlagzeilen.

    Neben dem Sport gehörte für den gebürtigen Pforzheimer auch die Show dazu, so ließ sich "der schöne René" immer wieder mit Frauen ablichten und zeigte selbst bei Fotoshootings viel Haut. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll er passenderweise einmal gesagt haben: "Ich bin der einzige Deutsche, der nackt besser aussieht als angezogen."

    Weller war bekannt für seine extravaganten Outfits. Denn auch angezogen wollte der gelernte Goldschmied und Heizungsmonteur ein Hingucker sein.

    Warum er auch abseits des Ringes für Furore sorgen wollte, erklärte er im Spiegel mit der Frage nach Aufmerksamkeit: "Ich musste auffallen, um populär zu werden. Wer interessierte sich in Deutschland schon für einen ganz normalen Leichtgewichtsboxer?"

    René Weller gestorben: Bei Olympia 1976 im Achtelfinale gescheitert

    Als Amateur absolvierter er laut Boxsport 355 Kämpfe, von denen er 338 gewann. Bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal trat Weller im Federgewicht an, schied jedoch nach seinem Sieg über den Franzosen Serge Thomas im Achtelfinale gegen den Rumänen Gheorghe Ciochina aus.

    1981 wechselte er ins Profilager, um nur zwei Jahre später einen ersten Titel zu feiern. Am 7. Oktober 1983 besiegte Weller in Frankfurt den US-Amerikaner James Ortega in der ersten Runde durch technischen K.o. und holte sich den WM-Gürtel des international jedoch weniger bedeutsamen Verbandes World Athletic Association im Superfedergewicht.

    Nachdem er wenige Monate zuvor noch daran gescheitert war, dem Italiener Lucio Cusma auf Sizilien den Europameistertitel der European Boxing Union (EBU) im Leichtgewicht abzunehmen – der Kampf endete unentschieden –, siegte Weller im zweiten Aufeinandertreffen in Frankfurt einstimmig nach Punkten. Fünfmal verteidigte er den Gürtel erfolgreich, ehe er sich am 10. Januar 1986 dem bis dahin ungeschlagenen Gert Bo Jacobsen in dessen dänischer Heimat beugen musste.

    Es blieb die einzige Niederlage des Badeners mit der seinerzeit angesagten Vokuhila-Frisur. 1993 trat Weller schließlich nach 55 Profi-Kämpfen ab. Seine Bilanz: 52 Siege (davon 24 durch K.o.), zwei Unentschieden, eine Niederlage.

    René Weller stirbt infolge einer Demenzerkrankung: Nach Box-Karriere in Haft

    Eine Figur der Öffentlichkeit war der von den Lesern von Boxsport fünfmal zum Boxer des Jahres gekürte Lebemann aber weiterhin. Denn Weller, der mit einer früheren Lebensgefährtin zwei Kinder hatte, suchte auch das Rampenlicht.

    Allerdings bekam er das auch auf unerwünschte Weise. So wurden ihm laut dem Spiegel im Jahr 1999 sieben Jahre Haft aufgebrummt – wegen Kokainhandels, Hehlerei und unerlaubten Waffenbesitzes. Da half auch die Beteuerung nichts, reingelegt worden zu sein und mit Drogen nie etwas zu tun gehabt zu haben. 

    Immerhin kam Weller wegen guter Führung bereits nach viereinhalb Jahren wieder auf freien Fuß und trieb seine zweite Karriere als Unterhaltungskünstler voran. Er trat in Reality-Shows wie "Die Alm" und "Big Brother" auf – letztere musste er jedoch wegen eines Eklats verlassen –, versuchte sich als Sänger und war Teil einer Action-Show mit Aktionskünstler Marko König und Fakir Benji le Fakir.

    Im November 2013 heiratete er die Journalistin Maria Dörk, mit der Weller bereits viele Jahre zusammen war. 2014 dann folgte die niederschmetternde Diagnose Demenz. Dennoch blieb der einstige Box-Profi so präsent wie möglich. Gemeinsam nahm das Paar 2016 an der Reality-Show "Das Sommerhaus der Stars" teil. Außerdem kehrte er noch zweimal für seine titelgebende Rolle des "Macho Man" vor die Kamera zurück: Wegen des Erfolgs des Kultfilms aus dem Jahr 1985 wurden 2017 und 2021 weitere Teile umgesetzt.

    René Weller ist tot: "Drei Leben, um das zu erleben, was ich erlebt habe"

    Der ebenfalls an den Filmen beteiligte und vor allem als Promi-Bodyguard bekannt gewordene Peter Althof begleitete Weller laut dem Spiegel auch zum schon erwähnten Kampf auf Sizilien. Er war einer der zwei Leibwächter, die dem Herausforderer nicht von der Seite wichen. Denn es soll konkrete Morddrohungen der örtlichen Mafia gegeben haben, wie der Spiegel in einem Porträt anlässlich Wellers 65. Geburtstag schrieb.

    Kein Wunder also, dass Weller dem Sport-Informations-Dienst (sid) einmal sagte: "Andere müssten drei Leben haben, um das zu erleben, was ich erlebt habe." Diese 69 Jahre hatten wahrlich eine Menge zu bieten. Ganz im Sinne des Protagnisten.

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