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Platte Nasen und kurze Beine: Wenn Hunde für Ideale leiden

Foto: Victoria Bonn-Meuser (dpa)

Der hinkende Schäferhund mit abfallendem Rücken, ein Golden Retriever mit gestörtem Verhalten oder der Mops, der wegen seiner platten Nase kaum atmen kann: Folgen der Überzüchtung?

Oft geht es bei bestimmten - beliebten - Hunderassen um äußerliche Ideale. Doch dafür müssen die Tiere immer wieder unter gesundheitlichen Problemen leiden.

Mancher Schäferhund hat statt seines einst kastenförmigen, aber starken Körpers einen abfallenden Rücken. Dadurch kann es zur Fehlentwicklung des Hüftgelenks kommen. Kurze Beine und ein langer Rücken machen den Dackel für die "Dackellähme" anfällig. Einige Golden Retriever, Border Collie und Beagle tendieren zu Epilepsie und Verhaltensstörungen. Mops, Französische und Englische Bulldogge leiden oft durch ihre extrem platten Schnauzen unter Atemnot. Für die Halter bedeutet all das oft auch enorme Tierarztkosten.

Zuchtproblem

Probleme, mit denen auch Stefanie Wittings und ihre Englische Bulldogge Angus zu kämpfen hatten. "Beim Kauf wirkte unser Welpe Angus kerngesund", sagt Witting. "Doch bei geringster Anstrengung hechelte er stark und war nicht belastbar." Der Tierarzt habe festgestellt, dass Angus' Schleimhäute angeschwollen waren und er keine Luft bekam. Außerdem zeigte Angus Verhaltensauffälligkeiten. Besuche einer Welpenschule und einer Tierpsychologin halfen nicht. "Nach sieben Monaten haben wir das Handtuch geworfen", erzählt Witting. "Zum Glück hat die Züchterin Angus zurückgenommen." Verhaltensauffälligkeiten können bei Hunden verschiedenste Ursachen haben, von falscher Sozialisierung bis hin zu Erziehungsirrtümern - aber auch genetisch bedingte Krankheiten spielen mitunter eine Rolle. "Durch Zuchtfehler gibt es kaum eine Rasse, die frei von Erbkrankheiten ist", sagt der Biologe und Rassezucht-Kritiker Christoph Jung. Seiner Meinung nach legt vor allem die professionelle Schauhundezucht den Grundstein für die Qualzucht.

Genpool wird kleiner

"Über Generationen wird die Zuchtauswahl nach Äußerlichkeiten und nicht nach Leistung und Wesen getroffen, und so werden Rassemerkmale übertypisiert", erklärt Jung. "Denn je öfter ein Hund bei einem Wettbewerb siegt oder gut bewertet wird, desto häufiger wird er zur Zucht eingesetzt. Für den Züchter bedeutet dies viel Geld." Heißt: Wenn ein prämierter Deckrüde viele Hündinnen deckt, kommt es irgendwann zu einer hohen Inzuchtrate, und umso stärker verarmt der Genpool.

Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) sieht das anders: "Unser Ansatz sind keine Superlative, die Überzüchtungen weichen von den Rassestandards ab." Aber es gebe schwarze Schafe unter Züchtern und Hobbyzüchtern. "Es ist unmöglich, alle zu kontrollieren." Für ihn sind nicht die Ausstellungen und Wettbewerbe das Problem. Das Meinungsbild werde geprägt von den Medien, "die einem Millionenpublikum Modehündchen präsentieren und das Verlangen wecken, so ein Tierchen zu besitzen."

Züchter prüfen

Wer einen solchen Rassehund aus seriöser Zucht möchte, muss genau aufpassen. "Der VDH vergibt die Zuchthoheit nur an Züchter, deren Tiere die Zuchtbestimmungen erfüllen und die rassespezifischen Anlagetests bestehen", sagt Kopernik. Beim Haustierregister Tasso e. V. wurden 2012 - das Jahr, in dem Familie Witting Welpe Angus erwarb - 1426 Englische Bulldoggen registriert, davon stammten nur acht Welpen von VDH-Züchtern. "Wenn Menschen etwas wollen, bleibt die Vernunft oft auf der Strecke", meint Kopernik. "Sie kaufen zu Billigpreisen über das Internet oder von verbrecherischen Hundevermehrern, die die Tiere unter schlimmsten Bedingungen züchten und kreuz und quer verpaaren." Diese Geschäftemacherei müsse unterbunden werden. Wer einen Welpen kauft, sollte genau prüfen, ob das Tier nachweislich mindestens acht Wochen alt ist. Der VDH empfiehlt außerdem, sich zu fragen: Wirkt der Hund gesund, gut genährt, lebhaft und interessiert? Ist der Welpe gechipt, entwurmt, geimpft und registriert? Auch auf einen Kaufvertrag, Impfpass und Heimtierausweis sollten Käufer bestehen. Im Ausweis sollten unter anderem Name und Adresse des Züchters stehen.

Ein gutes Zeichen ist, wenn man auch die Elterntiere und Geschwister sehen kann - und diese in guter Verfassung sind. Ein guter Züchter informiert sich selbst auch über den Interessenten und warum dieser den Hund haben möchte. Wichtig ist, nicht spontan oder aus Mitleid zu kaufen - oder auch bei dubiosen Händlern, die mitunter günstige Angebote machen. Viele Experten raten auch dazu, erst mal im Tierheim zu schauen, ob dort ein passender Hund ein neues Zuhause sucht. (dpa)

Tasso e.V.

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