Klägliches Miauen ist zu hören. Doch woher kommen die Töne, wo ist das Tier? Eine aufwendige Suche ergibt: Die Katze steckt im Kamin fest. Ein Fall für die Tiernotretter der Feuerwehr Augsburg.
Die sind dann auch schnell da, die Rettung gestaltet sich jedoch etwas komplizierter. „Wir mussten die Katze damals erst einmal von oben orten, wo und auf welcher Höhe sie im Kamin steckt“, erzählt Anselm Brieger, Pressesprecher der Feuerwehr. Als ungefähr klar war, wo sie sich befindet, mussten die Retter in der Küche die Wand aufschlagen, um sie zu befreien.
In einem ähnlich gelagerten Fall war eine Katze in einen Fernwärmeschacht gefallen – hier war eine Kernbohrung zur Rettung nötig. Katzen sind häufig ein Fall für die Feuerwehr – allein schon der Klassiker: Die Katze sitzt auf dem Baum und kommt alleine nicht mehr runter. Diese Einsätze kommen häufig vor. Seltener ist dann, wenn eine Katze nach einem Brandeinsatz mit Sauerstoff versorgt oder ein Hund sogar reanimiert werden muss.
Doch es sind nicht nur Haustiere, welche die Feuerwehr Augsburg, bestehend aus Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, retten muss. Sehr häufig werden die Einsatzkräfte von Passanten oder Anwohnenden bei Wildtieren zu Hilfe gerufen.
Beispiel Kahnfahrt Augsburg: Auf dem teilweise zugefrorenen Gewässer sitzt ein blutender Schwan. Kopf und Gefieder am Hals sind bereits rot von Blut. Im Schnabel sind eine Angelschnur und ein Blinker sichtbar.
Weil der Schwan vom Gewässerrand nicht erreichbar ist, werden Wasserretter der Berufsfeuerwehr Augsburg mit Schlauchboot und großem Kescher angefordert. Doch die Retter tun sich schwer – der Schwan fliegt immer wieder in entfernte Bereiche der Kahnfahrt.
Endlich erwischen ihn die Hilfskräfte in einem betonierten Überlauf mit dem Kescher. Noch vor Ort konnte zwar der Angelhaken im Schnabel entfernt werden, den Blinker mit Angelschnur hatte er jedoch verschluckt.
Also ging es samt Schwan in die Tierklinik. Dort konnte man beides entfernen. Die Feuerwehr holte den „nicht sonderlich begeisterten“ Schwan abends dort ab und setzte ihn wieder bei der Kahnfahrt aus. „Ohne ein Wort des Dankes, aber mit lautem Gefauche und Flügelschlag verabschiedete er sich in die Freiheit“, berichtet Brieger amüsiert.
Sehr häufig ziehen die Retter auch Tiere wie Rehe oder Wildschweine, aber auch Hunde, aus den Kanälen Augsburgs.
Es gab aber auch schon mal einen Papagei einzufangen, der sich ins Büro des früheren Augsburger Oberbürgermeisters Paul Wengert verflogen hatte. Oder einen Spatz, der „wohl im Fitnessstudio seine Wadel trainieren wollte“, schmunzelt Brieger.
Ansonsten sind es häufig verletzte oder verirrte Stadttauben, die eingefangen und versorgt werden oder auch mal Reptilien. „In solchen Fällen arbeiten wir oft mit dem Verein Wasserstern in Augsburg zusammen“, so Brieger.
Alles in allem haben die Kräfte der Feuerwehr Augsburg allein im vergangenen Jahr 957 Einsätze in Verbindung mit Tieren gefahren. Darunter waren 223 Fundtiere, 33 Einsätze mit Insekten – zum Beispiel einen Bienenschwarm mitten in der Augsburger Innenstadt von einem Ampelmast entfernen – und 701 Tierrettungen oder Bergungen.
Hauptsächlich sind die Tiernotretter dabei im Stadtgebiet Augsburg unterwegs. Manchmal werden sie aber auch zu Überlandhilfen ins Umland gerufen, um vor Ort zu unterstützen, zum Beispiel mit einem großen Flaschenzug.
„Ansonsten sind die Einsatzkräfte auf dem Land sehr oft routinierter im Umgang mit Großvieh und fangen dieses in der Regel ohne die Augsburger Feuerwehr ein“, so Brieger.
Es gibt auch kein bestimmtes Team für die Tiernotrettung, denn alle Feuerwehrler sind im Umgang mit Tieren geschult. Auf Einsatz geht’s mit einem sogenannten KLAF, einen Kleinalarmfahrzeug. Meist einem Mercedes Sprinter, der für eine Vielzahl verschiedenster Einsätze ausgerüstet und konzipiert ist. So befinden sich verschiedene Utensilien wie Transportkisten, Kescher, Insektenschutzanzüge, Bienenkisten oder Bissschutzhandschuhe an Bord.
In der Regel sind die Einsätze der Feuerwehr Augsburg bei verletzten Tieren kostenlos. In anderen Fällen und weil Notrufe unter der 112 gerade in der Großstadt zunehmen, bittet die Feuerwehr Meldende, erst zu prüfen, ob ein Tier wirklich Hilfe benötigt.
„Tauben können sich schon auch mal längere Zeit in einer Tiefgaragenabfahrt aufhalten“, nennt Brieger ein Beispiel, das sehr häufig nicht der Hilfe der Feuerwehr bedarf. Auch die eine oder andere Katze schafft es oft selbst vom Baum herunter – spätestens, wenn das Rettungsteam sie von dort herunterholen möchte.