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Feuerhölle am Mittelmeer - drei neue Brandherde pro Stunde

Ein Feuerwehrmann kämpft gegen einen Waldbrand auf der Insel Euböa, etwa 160 Kilometer nördlich von Athen. In Teilen Südeuropas und in Griechenland kämpfen die Menschen weiter gegen heftige Waldbrände und extreme Hitze.
3 Bilder
Ein Feuerwehrmann kämpft gegen einen Waldbrand auf der Insel Euböa, etwa 160 Kilometer nördlich von Athen. In Teilen Südeuropas und in Griechenland kämpfen die Menschen weiter gegen heftige Waldbrände und extreme Hitze.
Foto: Thodoris Nikolaou/AP/dpa

In der Türkei und im Süden Europas wüten Hitze und Brände, ein Ende der angespannten Lage ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: In den nächsten Tagen könnten starke Winde die Situation noch verschlimmern.

Verzweifelt kämpfen Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Militär und freiwillige Helfer im Süden Europas und in der Türkei gegen das Feuer. In Griechenland entfachten binnen 24 Stunden 92 Waldbrände über das ganze Land verteilt.

In der Türkei meldete das Forstamt am Donnerstag 180 Brände, von denen 12 noch nicht unter Kontrolle seien. Demnach brechen pro Stunde gut drei neue Brände aus, oft in abgelegenen Regionen, immer wieder aber auch in der Nähe von Siedlungen und Menschen, die Hals über Kopf vor den Flammen fliehen müssen.

Unterstützung durch das Militär

Gerade erst hatte die griechische Feuerwehr am Donnerstag einen gewaltigen Waldbrand unter Kontrolle gebracht, der das antike Olympia auf der Halbinsel Peloponnes bedrohte, da ging es an anderer Stelle schon weiter. Auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa, die stark bewaldet ist, entfachten am Donnerstag zahlreiche neue Brandherde. Kirchenglocken läuteten Alarm, Dörfer wurden evakuiert, Anwohner versuchten, mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, damit die Flammen sich nicht weiter fortbewegen können.

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte bei einer Inspektion am Brandherd Olympia an, verstärkt Militär einzusetzen. Die Soldaten sollen die Situation aus der Luft mit Drohnen verfolgen und neue Brandherde zeitig entdecken. Zudem sollen sie die Feuerwehr mit Baggern und anderem schweren Gerät unterstützen und mit Tankwagen Wasser zu den Brandherden transportieren.

In der Türkei verbrennen 100.000 Hektar Land

Auch in der Türkei wüteten die Brände in den Touristenregionen am Mittelmeer weiter. Seit Tagen bekommen die Rettungskräfte Großbrände in den Provinzen Antalya und Mugla nicht unter Kontrolle. Allein in Mugla wurden knapp 12.000 Häuser und mehr als 36.000 Menschen evakuiert, wie Sprecher lokaler Behörden sagten. 2000 Häuser wurden offiziellen Angaben zufolge bisher beschädigt.

Das Feuer hat bereits weite Landstriche verkohlt. Expertenschätzungen nach sind mindestens 100.000 Hektar Wald und Felder den Flammen zum Opfer gefallen, acht Menschen kamen ums Leben. Landwirte klagten in türkischen Medien, Haus, Land und Vieh verloren zu haben. Touristen wurden teilweise auf dem Wasserweg aus Ferienorten evakuiert.

Derweil ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft wegen einer Kampagne in sozialen Medien. Unter dem Hashtag #HelpTurkey hatten User im Kampf gegen das Feuer um internationale Hilfe gebeten. Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik an der Ausstattung der Einsatzkräfte laut. Ermittelt werde nun unter anderem wegen "Erzeugung von Sorge, Angst und Panik" in der Bevölkerung und Anstiftung des Volkes zu Hass und Feindschaft, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Erdogan muss sich Vorwürfen aussetzen

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwochabend in einem Interview erneut Vorwürfe zurückgewiesen und der Opposition vorgeworfen, "Lügen-Terror" zu verbreiten. Erdogan sagte, inzwischen seien 20 Löschflugzeuge und 51 Helikopter im Einsatz. Unterstützung kommt nach offiziellen Angaben aus Kroatien, Spanien, der Ukraine, Russland, dem Iran und Aserbaidschan.

In Italien kämpften die Einsatzkräfte am Donnerstag ebenfalls weiter gegen die Flammen. Unter anderem Sizilien und Kalabrien waren betroffen. Mehrere Löschflugzeuge seien in den Provinzen Messina und Palermo im Einsatz, teilte die Feuerwehr auf Twitter mit. Rund 70 Prozent der Feuer seien auf Fehlverhalten von Menschen zurückzuführen, sagte Umweltminister Roberto Cingolani am Donnerstag. Hinzu kämen die Folgen des Klimawandels. Der Zivilschutz auf Sizilien sagte für Donnerstag wieder die höchste Brandrisikostufe für den Norden und Osten voraus.

In Bulgarien wurde am Donnerstag die zweithöchste Alarmstufe Orange für 24 der 28 Regionen ausgerufen - auch in der Hauptstadt Sofia mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Die beiden Großbrände im Süden des Balkanlandes konnten zunächst unter Kontrolle gebracht werden, wie bulgarische Medien am Donnerstag berichteten. Allerdings kamen dabei zwei Forstarbeiter ums Leben, ein weiterer erlitt schwere Verbrennungen.

© dpa-infocom, dpa:210805-99-728971/3 (dpa)

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