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  4. Whistler Blackcomb: Skifahren & Snowboarden im größten Skigebiet Nordamerikas

Whistler Blackcomb
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Skifahren & Snowboarden im größten Skigebiet Nordamerikas

27 Liftanlagen erschließen in Whistler Blackcomb mehr als 200 präparierte Pisten und viel frei befahrbares Gelände.
Foto: Bernhard Krieger/tmn
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Whistler Blackcomb ist ein Paradies zum Skifahren und Snowboarden. Von einer verrückten Idee über ein Hippie-Nest bis zum größten Skigebiet Nordamerikas...

Rhythmisch und elegant taucht ein Skifahrer immer wieder aus dem makellosen Weiß auf, um stets gleich wieder bis zur Hüfte in einer staubenden Schneewolke zu verschwinden. Von weitem sieht es fast aus wie Tanzen. Im tiefen Pulverschnee des „7th Heaven“-Areals von Whistler Blackcomb muss sich dieser Skifahrer gerade frei und schwerelos fühlen. Eben wie im „Siebten Himmel“, wie der Name des Hangs es verspricht.

Die Coast Mountains im Westen Kanadas

Wenn es in den westkanadischen Coast Mountains mal wieder kräftig geschneit hat, ist dieses Gebiet auf dem Blackcomb Mountain für Skifahrer und Snowboarderinnen ein Paradies auf Erden. Ein fast unendlich großes Gebiet Blackcomb ist die eine, Whistler Mountain die andere Hälfte des größten Skigebiets Nordamerikas. 27 Lifte erschließen zwei große Skiberge mit mehreren Halfpipes und Snowparks sowie mehr als 200 markierten Abfahrten. Wichtiger als die Vielzahl an Pisten aber sind die imposanten Schneefallmengen von durchschnittlich fast zwölf Metern pro Jahr und das schier unendlich große Gebiet.

Anders als in den Alpen, wo man die oft schmalen Abfahrten nicht verlassen soll, darf man in Whistler – wie in den nordamerikanischen Resorts generell – innerhalb des gesicherten Skigebiets überall abfahren. Hier auf einer Fläche von 33 Quadratkilometern. „You can ski, what you can see – so lautet unser Motto“, sagt Angela von der Whistler Ski Patrol. Innerhalb der mit einer Leine markierten Skigebietsgrenze darf man in jeden Hang, jeden Wald und jede Schlucht hineinfahren. Wenn man sieht, wo es langgeht – und wenn man im unpräparierten Gelände klarkommt.

Freeriden in Whistler Blackcomb

Doch „Freeriden“ ist in Whistler mehr als das definitionsgemäße „freie Fahren im Gelände“. Es ist eine Lebenseinstellung. Eric „Hoji“ Hjorleifson zählt zu jenen, die den „Freerider-Lifestyle“ verinnerlicht haben und in Whistler ihren Traum leben. Der Kanadier ist ein bekannter Freeski-Profi. Viele Skifilme, in denen er dabei ist und sein Können zeigt, wurden in Whistler gedreht, das mit tief verschneiten Wäldern, spektakulären Steilhängen und bizarren Gipfeln eine ideale Kulisse abgibt. „Man könnte also sagen, dass ich wegen des Jobs nach Whistler gekommen bin“, sagt Hjorleifson.

So ging es auch Beat Steiner. Er ist aus der Schweiz ausgewandert und stand viele Jahre auf der anderen Seite der Kamera. Jahrelang drehte Steiner in und um Whistler in den Coast Mountains, die sich von dem rund eineinhalb Autostunden südlich liegenden Vancouver bis nach Alaska ziehen. Wie Hjorleifson ist Steiner nie wieder aus Whistler weggezogen. Beide sind immer wieder fasziniert, wie sich Whistler vom Hippie-Nest zum größten Skigebiet Nordamerikas entwickeln konnte.

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Olympia in Whistler Mountain

„Alles hat damit angefangen, dass ein paar Skiverrückte ihren Olympia-Traum verwirklichen wollten“, erzählt Steiner. Eine Gruppe rund um den gebürtigen Norweger Franz Wilhelmsen hat sich 1960 in den Kopf gesetzt, nördlich von Vancouver die Olympischen Winterspiele auszurichten. Obwohl es dort gar kein Skiresort gab.

Auf ihrer Suche nach einem geeigneten Berg fanden sie den London Mountain in Alta Lake. Dort schlugen sie Schneisen in die Wälder und bauten erste Lifte. Mit der Eröffnung des Skigebiets 1966 nannten sie Alta Lake in Whistler und den London Mountain in Whistler Mountain um. Der Grundstein war gelegt. Der Olympia-Traum aber platzte. 1968 scheiterte Whistler mit seiner übereilten Kandidatur für die Winterspiele 1976.

Heliskiing-Anbieter fliegen Wintersportler in abgelegenes, garantiert unverspurtes Terrain – haben aber auch ihren Preis.
Foto: Guy Fattel/Bela Coola Helisports/tmn

Statt Athleten aus der ganzen Welt strömten sogenannte „Ski Bums“ nach Whistler, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielten, um jeden Tag Skifahren gehen zu können. Durch sie wurde Whistler Ende der 1960er Jahre zur Ski-Hippie-Hochburg. Whistler entwickelte sich zum Epizentrum der neuen Ski-Freestyle-Bewegung. Die „Hot Dogs“ genannten jungen Wilden verweigerten sich dem traditionellen Rennsport und stürzten sich lieber Buckelpisten hinunter, sprangen über Schanzen und tanzten mit Skiern an den Füßen Ski-Ballett. „Das war eine wilde Zeit“, sagt Darryl Bowie. Der frühere Weltklasse-Freestyler und spätere Präsident des kanadischen Freestyle-Verbands lebt bis heute in Whistler. Als Coach einer Skischule vermittelt er Tipps und Tricks für das teils anspruchsvolle Gelände.

„Dass Whistler zu einem Weltklasse-Resort wurde, ist nicht zuletzt Al Raine und Nancy Greene zu verdanken“, sagt Skilehrer Bowie. Greene ist die erfolgreichste Skirennläuferin des Landes, 1968 wurde sie Olympiasiegerin und Gesamtweltcupsiegerin. Sie entwickelte 1978 gemeinsam mit ihrem Mann Al Raine das Whistler Village mit Hotels, Geschäften und Restaurants. So entstand ein Städtchen am Fuße des Skigebiets und der in Kanada nur höchst selten zu findende „Ski-in/Ski-out“-Luxus mit Unterkünften direkt an Pisten und Liften.

Neues Skigebiet auf dem Blackcomb Mountain

  • Neben dem Whistler Village war es die Eröffnung des zweiten Skigebiets auf dem Blackcomb Mountain im Jahr 1980, das Whistler in eine andere Liga katapultierte. Beide Skigebiete lieferten sich einen unerbittlichen Wettbewerb.„Wir hatten nicht so viel Gelände, nicht so viele Lifte und keine 15 Jahre Geschichte“, erinnert sich Blackcomb-Manager Hugh Smythe. „Also mussten wir uns was einfallen lassen.“ So ließ er in Liftschlangen kostenlos Kaffee servieren und fegte eigenhändig nachmittags den Schnee von den Autos der Gäste.
  • Diese Service-Kultur hat sich Whistler bis heute erhalten, die Rivalität dagegen ist längst vergessen. Mit der Fusion der beiden Skigebiete 1998 wuchs alles zusammen. Das galt umso mehr, als 2003 beim inzwischen dritten Anlauf der Traum von Olympia doch noch wahr wurde: Zusammen mit Vancouver erhielt Whistler den Zuschlag und richtete die Winterspiele 2010 aus.
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