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„Seid neugierig - ein Leben lang“

Neugierde befeuert Reiselust: Obwohl Vhs-Leiter Dieter Rösch „nicht an jedem Ort der Welt gewesen sein muss“, zieht es ihn immer wieder in die skandinavischen Länder.
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Neugierde befeuert Reiselust: Obwohl Vhs-Leiter Dieter Rösch „nicht an jedem Ort der Welt gewesen sein muss“, zieht es ihn immer wieder in die skandinavischen Länder.
Bild: Foto: Sabine Spiegler

Wer sich (weiter)bildet, ist klar im Vorteil. Vhs-Leiter Dieter Rösch ersinnt gerne Ideen, die Schule machen.

von Sabine Spiegler

Dieter Rösch liebt den Sport, er bevorzugt, wenn es auf Reisen geht, die Länder des Nordens, und schätzt eine Runde mit wenigen Köpfen, wenn Ideen zur Tat reifen sollen. Und er liebt seinen Beruf. Seit 1989 Geschäftsführer der Volkshochschule im Landkreis Neu-Ulm, füllt er deren Anspruch als „Bildungseinrichtung für alle“ mit Programm. Sprachen, Kochen, Sport, Kultur – über 760 Angebote aus fünf Fachereichen bieten im aktuellen Semesterfahrplan wieder viele Möglichkeiten zum Mitmachen. Der Vhs-Leiter ist überzeugt: Es lohnt sich, auf dem Laufenenden zu bleiben.

Herr Rösch, zum Führungsjob bei der damals noch jungen Vhs im Landkreis sind Sie, wie Sie einmal sagten, „wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen…

Ende der 80er Jahre war nicht meine erste Begegnung mit der Volkshochschule. Schon während meiner Lehramtstätigkeit im Allgäu war ich „vhs-affin“. Bei der Vhs Oberallgäu habe ich meine Erfahrung aus dem Sportstudium und staatlich geprüfter Langlauf- und Skilehrer bei Gesundheitskursen mit eingebracht. Bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 1987 in Oberstdorf war ich hauptamtlicher Sportmanager, in gleicher Funktion ein Jahr später bei der WM im Free- Style in Hindelang. Da brachte eine kleine Stellenanzeige „Geschäftsführer gesucht“, die mir meine Frau in die Hand drückte, die berufliche Wende. Dass ich eine Reihe teils promovierter Mitbewerber aus dem Feld geschlagen habe, war unerwartetes Glück. Der Volkshochschulverein wollte keinen Pädagogen, sondern einen Manager.

Herr Rösch, Sie bezeichnen sich selbst gerne als „Volkshochschulmensch“. Was leistet Volksbildung in diesem Format?

Wie kaum eine andere Bildungseinrichtung gibt die Volkshochschule Input und Impulse, immer wieder den eigenen Horizont zu erweitern. In meinem beruflichen wie privaten Leben halte ich es ebenso. Man muss einfach immer wieder Neues ausprobieren, hinterfragen, Visionen haben. Es zahlt sich aus, mit dem Lernen nie aufzuhören. Bildung muss ein lebenslanges Gefühl der Neugierde erwecken. Das Angebot unserer Volkshochschule ist, unabhängig von Alter, Herkunft oder Beruf, für Jeden offen, vielfältig in alle Richtungen und integrativ.

Woher holen Sie sich die Anregungen?

Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen und Angebote. Die Vhs ist da sehr experimentierfreudig und auch flexibel. Aus den Reihen der Mitgliedskommunen kommen viele Anregungen, natürlich auch von Dozenten. Es mag wohl in meiner Natur als Geograph liegen, dass ich meine Umgebung ständig nach Themen „scanne“, Nachrichten oder naturwissenschaftliche Zeitungen nach Interessantem durchforste und versuche, darin Themen zu erkennen, die im Fokus der Leute stehen. Wir müssen aber auch nicht auf jeden Zug aufspringen.

Sind Sie mit dem Konzept, das Sie seitdem maßgeblich mitgestaltet haben, noch zufrieden?

Das Tragwerk unserer Bildungseinrichtung im Landkreis Neu-Ulm ist einmalig. Auch nach mehr als dreißig Jahren ist die Satzung zukunftsorientiert, insbesondere das Finanzierungsmodell, in dem alle Kommunen prozentual Beiträge zahlen. Kommerzielle Bildungsveranstaltungen, qualifizierte Angebote aus dem klassischen Bildungsbereich und soziales Engagement bilden hier eine gelungene Synthese und damit ein Konzept, mit dem ich uns nach wie vor für die Zukunft gut aufgestellt sehe.

Stichwort Internet. YouTube, Blogs und Facebook. Kann da eine Volksschule mit Präsenz-Kursen und Studienfahrten überhaupt noch mithalten?

Es stimmt schon, an den neuen Medien kommt heute niemand mehr vorbei. Auch bei der Vhs wird die Einbindung von Apps und Social Media zunehmend zum Thema. Dennoch: Bei allen Fortschritten durch die neuen Medien, ist die persönliche Begegnung in den Kursen unser wichtigster Faktor. Dazu zähle ich natürlich auch den interkulturellen Austausch. Bei uns lernt man etwas Neues, gemeinsam mit anderen.

Spagat zwischen Kommerz und Bildungsauftrag Spagat zwischen Kommerz und Bildungsauftrag

Dieter Rösch, 1955 in Sontheim im Allgäu geboren und aufgewachsen, studiert Sport und Geographie. Am Gymnasium im Oberstdorf unterricht er fünf Jahre. Der Ruf ins Organisationskomitee der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf 1987 bringt die berufliche Wende. Neue Loipenführungen, Verkehrsplanung oder auch der Aufbau eines Medienzentrums – als hauptamtlicher Sportmanager bewegt Rösch viel Neues und ist auch heute stolz darauf „dass die Strecken, die ich damals vermesse habe, noch gelaufen werden“. Insgesamt drei Weltcups organisiert er, bis ihm 1988 die Stellenanzeige des Vhs-Geschäftsführers „dazwischen“ kommt. Und die Zeit ist reif für einen Macher, wie Rösch einer ist: 1984 schließen sich Kommunen des Landkreises und der Kreis selbst zu einer landkreisweiten Volkshochschule zusammen, deren Organisation und Programm mit dem neuen Geschäftsführer Rösch weiter geführt wird. Heute ist die Vhs im Landkreis Neu-Ulm die viertgrößte in Schwaben.

Weitere Infos unter www.vhs-neu-ulm.de

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