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Was man bei steigender Inflation tun kann

3 Bilder
Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während Kreditnehmer von einer Geldentwertung profitieren, fürchten Sparer eine steigende Inflation. Erschwerend hinzu kommt, dass die Zinsen auf dem Kapitalmarkt historisch niedrig sind. Was können Sparer also tun?

Die Inflationsrate in Deutschland ist wieder gesunken - den niedrigeren Energiepreisen sei Dank. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Jahresteuerungsrate im Mai bei 1,5 Prozent - nach 2,0 Prozent im April.

Sparer und Anleger können trotzdem noch nicht aufatmen. Der Grund: Die Inflation schmälert ihre Erträge. "Das gab es früher auch schon", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Nur da hat die Menschen eine hohe Inflationsrate nicht so gestört." Denn heute kommt erschwerend hinzu: Die Zinsen sind historisch niedrig.

Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen bringt das Dilemma auf den Punkt: "Eine 100-prozentige Sicherheit der Geldanlagen bedeutet derzeit leider auch einen realen Kapitalverlust." Aus Trotz gar nicht zu sparen, ist aber keine Lösung. "Wer gar nichts beiseite legt, hat am Ende ja auch gar nichts", sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Er rechnet vor, dass aus monatlich 100 Euro nach zwölf Monaten 1200 Euro werden. "Beträgt die Inflation 2 Prozent, bleiben einem dann immerhin noch 1176 Euro."

Anleger sollten den Zeitpunkt nutzen und ihre eigene Strategie auf den Prüfstand stellen. "Sparer, die ihre Chance auf Rendite steigern wollen, müssen zwangsweise ein bisschen risikofreudiger werden", erläutert Oelmann.

Das bedeutet aber nicht, dass sie leichtsinnig nur nach der Rendite schielen sollen, um die Inflation auszugleichen. "Es müssen immer alle Risiken, die mit einer Geldanlagen verbunden sind, zusammen betrachtet werden", sagt Oelmann.

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Welche Strategie passt, hängt von der Laufzeit, den Sparzielen und der Risikobereitschaft ab. "Wer sein Geld kurzfristig anlegen möchte, kommt - trotz der niedrigen Zinsen - kaum am Tagesgeld oder an kurzfristigen Festgeldern vorbei. Denn andere Sparformen sind entweder mit mehr Risiken verbunden, oder die notwendige Flexibilität ist nicht gegeben", erklärt Oelmann.

Ein Wechsel der Bank kann sich schon bei einer geringen Zinsdifferenz von 0,7 Prozent lohnen. "Wer etwa 10 000 Euro anlegt, hat am Ende eines Jahres dann 70 Euro mehr", rechnet Herbst vor.

Aussicht auf mehr Zinsen gibt es bei Tagesgeldangeboten ausländischer Banken. Der Vorteil von Tagesgeld: "Anders als bei Festgeldangeboten können Sparer hier ihr Geld kurzfristig innerhalb eines Tages zurückholen", erklärt Herbst. "Wir werden in absehbarer Zeit kein Tagesgeld mit einer Verzinsung von vier bis fünf Prozent erhalten." Die Staatsverschuldungen seien zu hoch, viele Länder hätten deshalb kein Interesse an einem Zinsanstieg.

Wer langfristig sparen will - etwa für die Altersvorsorge - oder mehr Geld zur Verfügung hat, das er über Jahre liegen lassen kann, dem empfiehlt Herbst: "Über Wertpapiersparpläne in Aktien oder Fonds investieren." Um die Risiken zu reduzieren, rät Oelmann, in Aktien- beziehungsweise Rentenfonds oder in Indexfonds anzulegen. So können Anleger beispielsweise laut Kurz auf den Aktienindex MSCI World mit Exchange Trades Funds (ETF) setzen. Diese Fonds bilden den Aktienindex passiv ab. Eine Direktanlage in einzelne Aktien oder Anleihen ist laut Oelmann hingegen nur etwas für erfahrene Anleger.

Insgesamt empfiehlt sie, das Geld nicht zu lange fest anzulegen: "Sonst kann nicht mehr reagiert werden, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen sollten." Das ist gar nicht so unrealistisch: Die EZB hat ihr Ziel wohl bald erreicht - mittelfristig strebt sie eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. "Dann wird sie den Anleihenkauf zurückfahren und anschließend den Leitzins stufenweise erhöhen", sagt Herbst. Die Kreditinstitute werden dann die Zinsen ebenfalls nach oben anpassen, sagt Oelmann.

Bis es zu Änderungen in der Geldpolitik kommt, profitieren immerhin Kreditnehmer von den niedrigen Zinsen. Es kann sich also lohnen, zu investieren - etwa in eine Immobilien - statt zu sparen. Der Kauf ist aber nur empfehlenswert, wenn die Finanzierung solide ist: "Man sollten mindestens 20, besser 30 Prozent Eigenkapital mitbringen", sagt Oelmann. Außerdem setzt man die Tilgungsrate idealerweise möglichst hoch an und berücksichtigt, "dass die Kreditzinsen irgendwann wieder steigen werden und eine spätere Anschlussfinanzierung wesentlich teurer sein kann".

Auch hier lohnt es, Angebote zu vergleichen, denn die Immobilienpreise seien in einigen Gegenden durch die große Nachfrage stark gestiegen, sagt Kurz. Alle drei Experten warnen: Man sollte sich nicht durch die niedrigen Zinsen dazu verführen lassen, sich stärker zu verschulden, als man es sich leisten kann.

Literatur:

Sina Groß: "Geldanlage für Faule, Stiftung Warentest 2017, 5. Auflage, 175 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-86851-396-7.

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