Newsticker
WHO stuft neue Corona-Variante als "besorgniserregend" ein
  1. Startseite
  2. Touren
  3. Radtouren
  4. Radtour durch Illertissen zum Kloster Brandenburg: Eine Oase mit Spätlese

Illertissen / Regglisweiler

Radtour durch Illertissen zum Kloster Brandenburg: Eine Oase mit Spätlese

Die Staudengärtnerei östlich von Illertissen ist einen Abstecher auf der Radtour zum Kloster Brandenburg wert.
6 Bilder
Die Staudengärtnerei östlich von Illertissen ist einen Abstecher auf der Radtour zum Kloster Brandenburg wert.
Foto: Ronald Hinzpeter

Auf dieser Radtour durch Illertissen und Regglisweiler sind Sie auf Radwegen unterwegs im Grenzland von Bayern und Baden-Württemberg. Ziel ist das Kloster Brandenburg.

Da stutzt mein Begleiter ein wenig: „Heinemann – wie?“ „Ja, das ist Heinemanns Rote Spätlese.“ Er nimmt etwas ungläubig die prallen Johannisbeeren in die Hand und kostet. „Die heißen so“, erkläre ich. „Ach so!“ Und dann lacht er laut und schallend, denn auch er heißt so: Heinemann, Vorname Ingolf. Von seinen roten Namensvettern hat er bisher allerdings noch nichts gewusst. Wir streifen durch die Beerenhecken des Weißenhorner Kreismustergartens, zupfen hier, pflücken da, diskutieren, ob Heinemanns Rote Spätlese besser schmeckt als die Rovada oder eine der anderen Beerensorten.

Start in Illertissen: Auf der Radtour sehen Sie blühende Oasen

Hier darf probiert werden – von den Beeren oder den mehr als 100 Obstsorten. Und wenn jemand sich mal ein Salatblatt aus dem Hochbeet in den Mund steckt, sagt auch niemand was. Schließlich will diese 9000 Quadratmeter große Anlage eine Art Garten der Möglichkeiten sein und Hobbygärtner inspirieren. Der Kreismustergarten ist eine blühende Oase – und Oasen sind das Ziel unserer Tour.

Nach dem Start in Illertissen sind wir erst mal über die Iller ins württembergische Regglisweiler zum Kloster Brandenburg hochgestrampelt, einem modernen Tagungszentrum, in dem aber auch 39 Nonnen leben. Sie haben einen schönen Garten angelegt und bieten Räume zum Innehalten an. „Wir haben einen Hausgeistlichen. Die Radfahrer können hier also auch beichten, meditieren oder einfach nur mittags zum Essen kommen“, sagt Hannelore Stroppel, Leiterin des Hauses. Oder sie kaufen im Klosterladen selbst gemachte Marmelade oder Kuchen im Glas, hergestellt von den „Immakulata-Schwestern vom seraphischen Apostolat“. Empfehlenswert: Schwester Ediths Zitronenkuchen.

Der ließe sich wunderbar verspeisen im Herrenweihergarten, dem grünen Herz von Regglisweiler. Er wird von den Bürgerinnen und Bürgern des Ortes gepflegt, ist klein, fein, ruhig und besitzt eine Kneipp-Tretanlage. Es geht recht entspannt weiter nach Illerrieden und von dort über die Iller zurück ins Bayerische.

Die Radwege zum Kloster Brandenburg bieten wunderbare Natur

Kurz vor der Flussüberquerung lohnt sich ein winziger Schwenk zur Seite nach links: Im Illerauwald schimmert ein Biotop durch die Bäume, das nicht einfach nur irgendein Altwasser ist. Drei ältere Herren haben es vor Jahren vom Müll befreit und liebevoll einen kleinen Kunstgarten angelegt mit Material, das sie in der Nähe fanden: Steine, bizarre Wurzeln, Federn – eine Oase für die Fantasie.

Das lässt sich natürlich noch um ein Vielfaches steigern: Die Illertisser Jungviehweide mit der Staudengärtnerei und den „improvisierten Gärten“ nebendran ist nach dem Kreismustergarten Weißenhorn das Ziel und gleichzeitiger Höhepunkt unserer Garten- und Kräuter-Tour. Mit Sicherheit wäre Dieter Gaissmayer mit seiner Gärtnerei etwas weniger erfolgreich, wenn er und sein Team sie nicht so liebevoll mit allerlei Krimskrams zu einer Art Recycling-Zaubergarten umgestaltet hätten. Da wird das rostige Fahrrad auf einer Holzbrücke ebenso zum Landschafts-Kunstwerk wie das alte Bettgestell, in dem steinerne Fische „herumschwimmen“.

Die Fahrradtour endet mit Entspannung

Ein wunderbarer Platz in den improvisierten Gärten, die von unterschiedlichen „Paten“ sehr spielerisch angelegt wurden, ist der quadratische Birkenhain. In der Mitte steht ein alter Gartenstuhl zum Ausruhen oder Meditieren. Natürlich beenden Ingolf Heinemann und ich die Tour standesgemäß mit etwas Rotem: einer Apfel-Johannisbeerschorle. Ob der Saft allerdings aus „Heinemanns Roter Spätlese“ stammt, werden wir wohl nie erfahren.