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Kammeltal, Günztal und Salzweiher

Radtour durch Kammeltal, Günztal und Salzweiher: Zwischen Barock und Braukunst

Die Radtour führt durch das Kammel- und Günztal. Auf den Radwegen gibt es Salzweiher zu sehen.
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Die Radtour führt durch das Kammel- und Günztal. Auf den Radwegen gibt es Salzweiher zu sehen.
Foto: Berthold Veh

Auf den Radwegen durch Kammel- und Günztal treffen Sie auf ein besonderes Stück Wildnis bei den Salzweihern. Die Radtour lohnt sich!

Das hört sich ermunternd an. „Gute Beine“ wünschen mir meine beiden Radl-Freunde, als ich am Bahnhof in Kötz auf das neue Trekking-Rad steige. Es geht zu den Barock-Perlen des Günz- und Kammeltals. Und zu den Juwelen der heimischen Braukunst – eine Art Entschädigung für die Mühen, die der ungeübte Freund des Rades auf sich nehmen muss. Es mag übertrieben klingen. Aber für mich ist das eine kleine „Tour de France“. Schon der zweite Anstieg von Kötz in Richtung Ebersbach zeigt, dass gute Beine nötig sind. „Natur pur“, so steht es an der Abzweigung Richtung Stubenweiher. So ist es. Gelbe Weizenfelder, dunkelblaue Gewitterwolken und das satte Grün der Wälder. Am Stubenweiher tummeln sich die Karpfen am Steg.

Radtour: Über Stock und Stein durch Kammel- und Günztal

Der Radweg, der mitunter eher die Bezeichnung Schotterpiste verdient hätte, führt dann weiter nach Hammer­stetten. Dort grüßt St. Nikolaus – die „kleine Wieskirche“, ein Wunderwerk des Baumeisters Joseph Dossenberger. An der Kammel geht es zum Kloster Wettenhausen. Für Gästeführerin Irmgard Erlenmayer, die ich zufällig in Unterrohr treffe, sind das Kloster und die „kleine Wies“ Perlen im schwäbischen Barockwinkel. Sie gibt einen Tipp. Der Weg von der Unterrohrer Fischerstraße in den Wald werde steil. Wie recht sie doch hat. Denn die Schmach auf der Kammel- und Günztalrunde kommt bei diesem dritten Anstieg. Ich muss abgekämpft absteigen und diesen verdammten Drahtesel wie einen Rollator nach oben schieben. Die Radl-Freunde zeigen Verständnis. Wortlos geht es weiter über den Hügel ins Günztal. Ichenhausen grüßt, die ehemalige Synagoge ist immer einen Besuch wert, das Schulmuseum ebenso. Nach dem Barock im Kammeltal kommt der Durst. Es wird Zeit für die Braukunst – im Gasthaus „Zum Goldenen Engel“ in Waldstetten. Dazu muss aber erst der vierte Anstieg bewältigt werden. Nie mehr bergauf absteigen, so lautet die Devise. Im Engel braut Johann Mayer Keltenbier. Kellnerin Sabine Zehrmann weiß zunächst nicht, „ob noch ein Kelte im Haus ist“. Aber das Schicksal meint es gut mit mir.

Wunderschöne Natur bieten die Salzweiher auf den Radwegen

Die Schlossbrauerei in Autenried wollen wir über die Waldstetter Salzweiher ansteuern – ein einzigartiges Stück Wildnis. Früher nutzte das Roggenburger Kloster die Seen, um Eis für die Kühlung des Biers zu holen. Die Stille im Stoffenrieder Forst ist wohltuend. Man fühlt sich eher wie in Finnland denn bei Waldstetten. Wenn die Oberschenkel nicht so brennen würden, wäre das Glück perfekt. Engel-Wirt Mayer hat gewarnt, man könne leicht die Orientierung verlieren. Natürlich kommt es so. Mit GPS-Technik und Karte ist der Ausgangspunkt nach einer halben Stunde aber wieder erreicht und es geht nach Autenried mit dem sehenswerten Ikonenmuseum, in dem regelmäßig Führungen angeboten werden. „Zwei Mal hupen“, steht an der verschlossenen Tür. Mit der Fahrradklingel ist das schwierig.

Der letzte Halt der Fahrradtour ist in Kötz

Wir fahren weiter. Bei mir sinkt langsam der Entspannungsfaktor, nach 40 Kilometern über Stock und Stein sehne ich Kötz herbei. Zwischen Barock und Braukunst gibt es einen letzten Höhepunkt – die Schnapsbrennerei der Familie Schenk in Emmenthal. Ich schlage die Glocke. Seniorchefin Rita Schenk und Tochter Irene führen in ihre „Werkstatt“. Obstler, Kirschlikör, Sherry gibt es dort. „Mir schmeckt Kakao mit Nuss am besten“, sagt Rita Schenk und schenkt ein Stamperl Danzinger Goldwasser ein. Nach der Plackerei brennt der Schnaps die Kehle hinunter. Es rollt sich jetzt aber bei Rückenwind leichter auf den Schotterwegen. Schließlich ist Großkötz zu sehen. Nach der Abenteuertour fühlt sich das Finale wie eine Rückkehr in die Zivilisation an.