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Wandern durch Augsburg: Zu Fuß durch die Industriegeschichte

Wandern durch Augsburg: Im Textilviertel wird Stadthistorie lebendig – sei es bei der Wanderung durch die Shedhallen der alten Kammgarn-Spinnerei oder beim Färberturm.
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Wandern durch Augsburg: Im Textilviertel wird Stadthistorie lebendig – sei es bei der Wanderung durch die Shedhallen der alten Kammgarn-Spinnerei oder beim Färberturm.
Foto: Fridtjof Atterdal

Einstige Fabriken und Arbeiterquartiere sind Zeugnisse der Augsburger Textilkultur und großer technischer Entwicklungen. Auf der Wanderung durch Augsburg spazieren Sie durch die Industriegeschichte.

Um 1910 grenzt der Glaspalast auf dem freien Feld vor der Stadt an ein technisches wie architektonisches Wunder. Während die umliegenden Bauern noch mit Muskelkraft und Pferden ihre Felder bestellen und abends ihre Höfe mit Kerzen beleuchten, erstrahlt das Werk IV der „Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg“ (SWA) mit elektrischem Licht aus bis dato nie gesehenen riesigen Fenstern – die Fassaden scheinen ganz aus Glas zu sein.

Los geht die Wandertour durch Augsburg am Glaspalast

Drinnen findet man die Krone der technischen Entwicklung. 1000 Webstühle mit 60 000 Spindeln weben in dem fünfgeschossigen Palast dampfbetrieben in atemberaubender Geschwindigkeit hochwertige Stoffe. Der Glaspalast stellt für die Augsburger Textilindustrie einen Höhepunkt dar und ist auch ein Höhepunkt unserer Wanderung vor den Toren des alten Augsburg auf den Spuren Augsburger Industriekultur.

An der Seite von Marei Kemmerling, Historikerin und Gästeführerin der Regio Augsburg, erkunden wir für rund zwei Stunden Industriedenkmäler und Wohnviertel.

Sie wandern weiter zum Hauptkrankenhaus

Am Kino „Liliom“ am Unteren Graben 1 steigen wir ein. Der Weg führt uns zunächst zum Alten Hauptkrankenhaus aus dem Jahr 1859, in dem die aufstrebende Industriestadt Augsburg ihre Siechen vor den Toren der Stadt versorgte. „Solche Orte waren für die Entwicklung einer modernen Stadt von großer Bedeutung“, weiß Kemmerling zu berichten. Die nächste Station ist der Äußere Stadtgraben an der Unteren Jakobermauer. Vorbei am Fünffingerlesturm mit seiner umstrittenen modernen Außentreppe geht es auf einem kleinen Steg über den Stadtgraben. Hier beginnt auf unserer Tour die Geschichte der Augsburger Textilindustrie. Dort, wo heute in einem modernen Klinkerbau die Bildungsstätte der Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro und Medien­erzeugnisse residiert, befand sich Anfang des 19. Jahrhunderts das zweite Werk der SWA. Im Schatten einer Kastanienallee führt unser Weg zum Jakobertorplatz und in die Johannes-Haag-Straße. Wo man heute den Betriebshof der Stadtwerke sehen kann, befand sich sechs Stockwerke hoch das erste Werk der SWA. 1840 hatte die SWA in Augsburg 1400 Beschäftigte und 51 000 Spindeln. Es war bereits ein vollwertiger Industriekomplex und löste die bis dahin vorherrschenden Manufakturen endgültig ab.

Über den Schlacht- und Viehhof geht die Wanderung über den Proviantbach

Der Weg geht durch die ehemaligen Wohnblocks der SWA zum bereits eingangs erwähnten SWA Werk IV – den Glaspalast. In diesem ist heute eine sehenswerte Kunstsammlung untergebracht, die einen Abstecher lohnt.

„Über die Hälfte der Arbeiter in den Textilfabriken kamen über weite Strecken aus dem Umland zu Fuß zur Arbeit und liefen nach Schichtende auch wieder nach Hause“, weiß die Historikerin. Das änderte sich mit Arbeiterkolonien wie dem Proviantbachquartier. Heute sind die historischen Häuser geschmackvoll renoviert.

Einen Besuch wert ist auch der Martinipark

Unter der Woche kann man meist unkompliziert durch den 24 Hektar großen Gewerbepark laufen, am Wochenende ist das Tor geschlossen und man muss einen etwas unschönen Umweg über die Nagahama-Allee in Kauf nehmen. Der Name „Park“ ist beim Martinipark zutreffend. Zwischen hohen Bäumen und Grünflächen kann man ein Stück Architekturgeschichte erfahren. Das Textil-Industriemuseum „tim“ lassen wir für einen Augenblick noch rechts liegen und gehen den Schäfflerbach entlang durch das Gelände der ehemaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei AKS, mit dem gut erhaltenen ehemaligen „Ballenhaus“. Von hier haben wir einen guten Blick auf den letzten erhaltenen „Färberturm“. Hier trockneten einst die Augsburger Färber ihre Stoffe, weiß Marei Kemmerling. Am „tim“ lädt das Restaurant „Nunó“ mit leckeren Bio-Gerichten zu einer Rast ein.

Zurück in die Stadt geht es über die Nagahama-Allee zur City-Galerie. Dieses Einkaufszentrum steht auf dem Gelände der ehemaligen Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK), die erst nach 1990 den Betrieb einstellte und komplett abgerissen wurde.