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Buttenwiesen

14.02.2019

Alte Bäume müssen auch in Buttenwiesen weichen

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3 Bilder
Auf unsicheren Beinen steht die Eiche im Friedhof Frauenstetten. Ihr Wurzelstock ist marode.
Bild: Hertha Stauch

Plus Bürgermeister und Gemeinderäte treffen schmerzhafte Entscheidungen. Doch betagte Riesen auf öffentlichen Plätzen im Ortsteil Frauenstetten bilden eine Gefahr. Es soll Ersatzpflanzungen geben

Die Natur ist in diesen Tagen, in denen die Menschen für die Bienen- und Insektenrettung vor den Rathäusern Schlange stehen, ein großes Thema. Und so standen gestern, am ersten vorfrühlingshaften Sonnentag des Jahres, in Buttenwiesen die Bäume im Mittelpunkt. Bürgermeister Hans Kaltner war mit einer ganzen Runde von Menschen unterwegs, die sich Gedanken um die alten Riesen machen, die sich seit Jahrzehnten an ihrem Platz behaupten und nun doch, von Stürmen gebeugt und von Pilzen geschwächt, infrage gestellt werden.

Die Runde, bestehend aus dem Bürgermeister, aus Bauhofleiter Rainer Höfle, aus Richard Drexler, Mitarbeiter in der Bauverwaltung, aus Gemeinderat und Naturschutz-Ortsvorsitzendem Gernot Hartwig und aus dem Frauenstettener Gemeinderat Manfred Hartl, inspiziert die alte Eiche auf dem Friedhof Frauenstetten, die dort seit geschätzten 80 Jahren wächst. Vorweg gesagt: Alle Beteiligten, darunter auch Kirchenpfleger Hans Eppinger und Paul Karmann, Vorsitzender der Kirchenverwaltung Frauenstetten, waren sich zum Schluss einig, dass die Tage der alten Eiche gezählt sein sollen und sie weichen muss. Der baumkundige Bauhofleiter Höfle gibt ihr nur noch kurze Lebensdauer: „Sie ist eine Zeitbombe und kann bei jedem kräftigen Windstoß umfallen.“

Ein Pilz zersetzt das Holz der Eiche

Das will die Gemeinde nicht riskieren. Hier auf öffentlichem Grund bildet der marode Baum eine Gefahr, war sich die Abordnung einig. Bürgermeister Kaltner selbst zeigte sich überrascht vom Zustand der Eiche: „Das war mir nicht bewusst, man schaut sich den Baum ja sonst nie so genau an.“ Rainer Höfle hat ihn untersucht. Die Eiche ist demnach vom „Wulstigen Lackporling“, einem holzzersetzenden Pilz, befallen. Symptomatisch dafür ist der dicke Wulst, der am Stamm wie ein Krebsgeschwür wächst. Der Baum wird spröde, die Rinde erleidet Schäden, der Wurzelstock zersetzt sich. Mit einem langen Stab prüft Höfle den Untergrund unter dem Stamm: „Alles tot“, stellt er fest und rät den Gemeinderäten, den Baum aus Sicherheitsgründen zu fällen. Hans Eppinger kann sich noch erinnern, wie die Eiche dort oben hinter dem Anna-Kirchlein in jungen Jahren ausgesehen hat. Sie wurde immer wieder mal geschnitten, entlastet, aber jetzt ist sie total zerzaust und krumm von Wind und Wetter. Auch Kirchenverwaltungs-Vorsitzender Paul Karmann stimmt der Fällung zu und unterbreitet den Vorschlag, aus dem Holz des Stammes eine Erinnerung an den Baum zu schaffen – eine Bank oder Skulptur, die an Ort und Stelle steht. Der Vorschlag findet Gefallen. Doch Naturschützer Gernot Hartwig geht es um mehr – er will eine Ersatzpflanzung, einen Ausgleich für den Baum, was ihm zugesagt wird.

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Bürgermeister Kaltner und Franz Hartl beraten kurz, wie die Situation auf der kleinen Grünfläche des Friedhofs einmal gestaltet werden soll. Hier könnte Platz für Urnen-stelen und Urnengräber eingerichtet werden – eine Idee, die allseits für gut empfunden wird.

Ein weiteres Baumproblem neben der Ortsdurchfahrt

Jetzt geht es zum nächsten Baumproblem, hinunter vom Frauenstettener Kirchenberg auf den ehemaligen Bahnhofsplatz. Mitten auf dem breiten Grünbereich dort, zwischen der Ortsdurchfahrt und dem Radweg, entlang dessen einmal die Bahnlinie verlief, stehen große Ahornbäume, die ebenfalls in die Jahre gekommen und verwittert sind. Auch hier ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, wie sehr die Bäume beschädigt sind. Rainer Höf-le verweist auf die Rinde, die sich großflächig vom Stamm schält: „Die Rindenplatten lösen sich ab, da ist nichts mehr zu machen,“ gibt Höfle auch diesen 60 bis 70 Jahre alten Bäumen nicht mehr viel Zeit. Höfle plädiert auch hier für das Ende der Bäume und erklärt, dass es gleichzeitig wichtig sei, eine Naturverjüngung aufzubauen. Bürgermeister Kaltner berichtet, dass die Gemeinde bei Neupflanzungen nicht untätig sei. So seien in Lauterbach erst Obstbäume mit alten Sorten gepflanzt worden.

Kaltner ist es wichtig, die Bevölkerung über den Zustand der Bäume aufzuklären. Denn kontroversen Diskussionen, wie es sie erst in Wertingen wegen der Napoleonstanne und bei Fällungen aufgrund des Eichenprozessionsspinners gegeben hatte, will er vorbeugen.

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