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Wertingen

06.12.2019

An Wertinger Weihnachtsbaum hängen 75 Sterne mit Kinderwünschen

Insgesamt 75 Sterne mit Kinderwünschen hat Julia Unger dieser Tage auf den großen Weihnachtsbaum im Wertinger Schloss gehängt.

Am  Freitag öffnet um 17 Uhr die Wertinger Schlossweihnacht. Neben dem „Wunschbaum“ steht mit der Napoleonstanne ein weiterer Baum im Mittelpunkt.

Im Foyer des Wertinger Rathauses steht er wieder, so wie seit fünf Jahren immer in der Adventszeit: ein Christbaum mit ganz besonderen Sternen. Dort sind Weihnachtswünsche von Kindern draufgeschrieben. Julia Unger, die Leiterin des Familienbüros der Sankt Gregor-Stiftung, hat die bunten Papiersterne Anfang der Woche behutsam aufgehängt, wohlwissend, welche Wirkung sie auslösen werden. Denn jeder einzelne Stern wird an Heiligabend Kinderaugen zum Leuchten bringen. Jeder Stern kann Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen auffangen. Es sind kleine Wünsche, die da stehen: ein Fußball etwa, Handschuhe, eine Puppe, Winterstiefel oder ein Spiel. Doch die betroffenen Eltern können sie sich nicht leisten. Julia Unger kennt die Schicksale, die zur Armut führen: „Wer arbeitslos wird, bei dem wird das Geld schnell knapp.“ Geht kurz vor Weihnachten auch noch die Waschmaschine kaputt, sind die Ersparnisse schnell aufgebraucht.

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Kontakt zur Wertinger Tafel aufgenommen

Julia Unger nahm vor acht Wochen Kontakt zur Wertinger Tafel auf und sprach mit Eltern, die sich hier regelmäßig mit Lebensmitteln eindecken. Sie verteilte dort Wunschzettel, aber mit klaren Vorgaben: keine elektronischen Spiele, kein Handyzubehör, keine Markenwünsche. Die Sozialpädagogin musste die Bedingungen in diesem Jahr verschärfen, wie sie sagt. „Wir sind ja kein Bestellschein und kein Katalog“, erklärt sie ihre Maßnahme. Zuletzt hatten sich Wünsche nach elektronischen Spielkonsolen und Markenkleidung gehäuft. Mit den neuen Regeln erhalte der Schenkende jetzt mehr Freiheit und Kreativität beim Erfüllen der Wünsche. Die Kosten für ein Geschenk sind auf 25 Euro beschränkt. Die Namen der bedürftigen Kinder sind anonymisiert und nur Julia Unger bekannt. Lediglich das Alter der Kinder und der jeweilige Wunsch sind der Öffentlichkeit bekannt. Damit will man nicht nur den Datenschutz erfüllen, sondern den Eltern würdevoll begegnen.

Das Prinzip des Wunschbaumes ist simpel: Jeder nummerierte Stern entspricht einem Kinderwunsch und darf abgehängt werden. Auf einem Formblatt gibt man die Sternnummer an, seinen Namen, Adresse und die Telefonnummer für eventuelle Rückfragen. Das Blatt wirft man in eine Holzbox, die neben dem Wunschbaum steht. Dann besorgt man das Geschenk in einem der ortsansässigen Geschäfte und gibt es bis spätestens 19. Dezember um elf Uhr im Bürgerbüro (Schulstraße 10, Altes Amtsgericht) ab.

An Wertinger Weihnachtsbaum hängen 75 Sterne mit Kinderwünschen

Julia Unger spürt Demut

Während Julia Unger einen Stern nach dem anderen am Wunschbaum verteilt, spürt sie Demut: „Ich bin sehr dankbar, dass ich meine drei Kinder bisher ohne Sorgen beschenken konnte. Schön, dass es die Möglichkeit gibt, zu teilen.“ Sie selbst nimmt jedes Jahr einen der Sterne mit, um Freude zu bereiten. Die Wunschsterne haben sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Ein Zeichen dafür, dass die Kinderarmut auch in Wertingen zugenommen hat. 2015 reichten noch 33 Sterne aus, in diesem Jahr sind es schon 75. Im Bürgerbüro wird es vermutlich eng werden, wenn all die Geschenke, liebevoll verpackt, bis zum 19. Dezember abgegeben worden sind.

Eng wird es auch im Schlossgraben und innerhalb des Schlosses werden. Denn in diesem Jahr stellen so viele Aussteller aus wie nie zuvor. An mehr als 60 Ständen gibt es ab dem heutigen Freitag reichlich Geschenkideen und Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen. Jeweils am 2. und 3. Adventswochenende wartet der Schlossengel am großen Christbaum und hat für jedes Kind ein kleines Geschenk dabei. Selbst geschnitzte Krippen und eine Lebenskrippe erfreuen große und kleine Besucher. Handgemachte Musik bietet erstmals die Wertinger Streicherakademie unter der Leitung von Alfons Puschej. Auch die Musikschule wertet die Schlossweihnacht mit adventlichen Klängen auf.

Holz der Wertinger Napoleonstanne

O Tannenbaum, o Tannenbaum: Die berühmte Napoleonstanne, die vor zwei Jahren gefällt werden musste, erfährt auf der Schlossweihnacht eine Reminiszenz. Aus ihrem Holz sind zahlreiche kleine Napoleonstännchen gedrechselt worden. Wer eine Erinnerung an das einstige Wahrzeichen der Stadt mit nach Hause nehmen will, kann sie erwerben. Die Einnahmen sollen der „Lebenshilfe“ zugute kommen.

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