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Schule

12.07.2018

Bauchfrei im Klassenzimmer?

Freizügig bekleidete Mädchen werden von manchen Lehrern und Mitschülern skeptisch betrachtet. Die Wertinger Schulen handhaben das Problem insgesamt liberal.
Bild: Hans Wiedl, dpa

Viele Mädchen tragen im Sommer gerne Hotpants, Miniröcke und Tops – sie zeigen viel nackte Haut. Ein Problem in den Schulen der Region Wertingen? Vier Schulleiter berichten von der Situation an ihren Einrichtungen.

Leonie zieht daheim auch mal bauchfreie Shirts an, erzählt sie. „Aber nicht in der Schule“, stellt die 14-jährige Schülerin der Wertinger Montessorischule klar. Als Lara das einmal gemacht hat, bekam sie nur den knappen Hinweis: „Mach doch die Jacke zu.“ Inzwischen macht die 15-Jährige das auch nicht mehr. Der gleichaltrige Luca sagt, er würde „auch nicht in Jogginghose zur Schule gehen“. Denn das gehöre sich nicht. Er lässt sich von Hotpants, Miniröcken und Tops bei Mädchen auch nicht ablenken oder beeindrucken, sagt er. „Jeder muss selbst wissen, was er oder sie für nötig hält, das ist seine eigene Sache und interessiert mich nicht“, ist seine Devise.

Ohne großes Regelwerk möchte Beate Lahner-Ptach die jungen Mädchen und Buben zu kritischen Persönlichkeiten erziehen. Die Schulleiterin der Montessori-Schule erzählt von einem Mädchen, das einmal sehr freizügig angezogen zum Unterricht kam und darauf angesprochen wurde: „Ihr war nicht klar, was sie damit ausstrahlt.“ Den jungen Leuten soll bewusst werden, dass sie es nicht nötig haben, mit Kleidung auf sich aufmerksam zu machen. Auch wenn sie ihre „Große Arbeit“ präsentieren, ist kein Abendkleid erwünscht. „Wichtig ist, dass sie sich wohl fühlen und noch sie selbst sind.“

Auch in der Anton-Rauch-Realschule Wertingen gibt es keine festen Regeln, die Schulleitung sieht das Kleidungsthema gelassen. Angesichts der öffentlichen Diskussionen derzeit meint der stellvertretende Schulleiter Cornelius Brandelik: „Bei uns gibt es keinen Index, auch keine Schlabber-T-Shirts zum drüberziehen.“ Im Elternbrief werde zwar immer mal wieder darauf hingewiesen, dass sich die Schüler dem Anlass entsprechend anziehen sollen. Von drastischeren Maßnahmen als einem Gespräch, bei dem ein Schüler darauf nochmals hingewiesen wurde, weiß Brandelik nichts. „Das ist immer der jeweiligen Mode unterlegen“, sagt er. Und dass die Perspektive von Jugendlichen anders sie als die von Erwachsenen, „ist klar“.

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Auch im Gymnasium Wertingen ist kein Dresscode in Sicht. Stellvertretender Schulleiter Winfried Heppner empfindet es in der Sommerzeit zwar persönlich als störend, wenn Schüler in Badeschlappen oder gar barfuß und im Fußballtrikot mit zugehöriger Sporthose in den Unterricht kommen. Dann greift Heppner ein und spricht die Schüler auch mal drauf an. Das werde aber nicht groß zur Diskussion gestellt. Dennoch steht für Heppner  fest: „Wenn eine neue Regelung getroffen wird, finde ich es gut, wenn diese auf einem Konsens beruht.“ Was bedeutet, dass Änderungen von der Schülermitverwaltung, dem Elternbeirat und der Schulleitung gemeinsam besprochen und beschlossen werden sollen, so dass alle damit leben können.

Stephan Poss, Schulleiter der Wertinger Mittelschule, sagt zu dem Thema: „Wir halten es bei der Kleiderordnung mit dem Ausspruch von Rosa Luxemburg: ‘Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit des Anderen anfängt’.“ Auch im Elternbrief sei explizit darauf hingewiesen worden: „Bitte achten Sie auf angemessenen Kleidung bei Ihrem Kind. Es sollten keine Shirts und Kleidungsstücke mit extremen, radikalen oder illegale Handlungen verharmlosenden Darstellungen beziehungsweise Texten getragen werden.“ Laut Schreiben sollte die Kleidung „passend“ sein. „Wir sind keine Kirche oder Moschee. Wir sind aber auch keine Diskothek und kein Strandbad. In der Schule geht es nicht darum, aufzufallen oder jemanden kennenzulernen, hier geht es vor allem um konzentriertes Lernen. Durch unsere Kleidung sollte niemand beleidigt, provoziert oder abgelenkt werden“, so steht es in einem Brief an die Eltern.

Passende Kleidung sei eine individuelle Ausdrucksmöglichkeit, aber auch immer ein Zeichen des gegenseitigen Respekts und des Umgangs miteinander, sagt Poss. Das Thema werde auch im Unterricht angesprochen. Bei seltenen Anlässen, so Poss, versuchen die Lehrer, mit Humor und Fingerspitzengefühl an die Einsicht der Schüler zu appellieren.

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