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Buttenwiesen

30.11.2018

Betende Hände im Donauried

Hier am Altwassersaum der Donau in nähe der Bartlstockschwaige und Ludwigschwaige soll eine von insgesamt sieben Kapellen gebaut werden.
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Hier am Altwassersaum der Donau in nähe der Bartlstockschwaige und Ludwigschwaige soll eine von insgesamt sieben Kapellen gebaut werden.
Bild: Hertha Stauch

Im Gemeindebereich von Buttenwiesen entstehen zwei von sieben Holzkapellen entlang von Radwegen, eine in Nähe der Ludwigschwaige. Der Architekt erklärte im Gemeinderat sein Konzept

Novembergrau und still ist es auf der Lichtung im Donauried. Ein von Buchen umsäumtes Altwasser dreht seine Schleifen entlang der Wiesen. Hier in Sichtweite der Bartlstockschwaige und Ludwigschwaige ist noch Stille zu finden, die Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl für ein Projekt gesucht hat, das im Landkreis an sieben besonderen Landschaftspunkten entsteht: Sieben Kapellen werden entlang von Radwegen gebaut, sie sollen Einhalt gebieten, Marksteine sein für Rast und Ruhe.

Schwaighofbauer Franz Mayer kennt jeden Quadratmeter hier am Altwassersaum der Donau. Deshalb führte er den Bezirksheimatpfleger an jene idyllische Stelle, als dieser gerade im Donauried Umschau nach einem geeigneten Standort für eine Kapelle hielt. Mayer, Besitzer der Ludwigschwaige, zeigte dem Bezirksheimatpfleger die Brechtlinde, die unweit dieser Lichtung wächst – zur Erinnerung an Berthold Brecht und seinen Bruder, der im Ersten Weltkrieg Hilfsdienste auf der Bartstockschwaige leisten musste.

Franz Mayer pflegt die Brechtlinde, die einst aus einer Gruppe von drei Bäumen bestand. „Hier“, findet Mayer, „ist ein guter Ort für eine Kapelle“. Der beauftragte Architekt Alen Jasarevic aus Mering inspizierte den Ort und befand, dass sich die Wiese ein kleines Stück hinter der Linde noch besser als Platz zur stillen Einkehr eigne.

Es soll schlicht sein, nicht prunkvoll

Und Mayer, der für die Kapelle das Grundstück zur Verfügung stellt, stimmt zu: „Die Leute müssen vom Radweg weggehen, zu Fuß hierher, das entschleunigt“. Mayer spürte instinktiv das, was auch Intention des Architekten ist. „Das muss schlicht sein, nicht prunkvoll. In der Schlichtheit ist die Schönheit verborgen“, sagt Franz Mayer, „das ist auch die Art der Schwaighöfe“.

Mayers Empfinden spiegelt sich im Konzept von Architekt Alen Jasarevic, der die Kapelle als „betende Hände“ im Donauried bauen will, wieder: „Die „Schweua“ sind Jahrhunderte alte Gehöfte in den Donauauen. Die Landschaft ist geprägt durch die Nähe zur Donau – Waldinseln in einer weiten bewirtschafteten Ebene, erschlossen über zahlreiche Feldwege. Hier erhebt sich die neue Wegkapelle gleich zweier zum Gebet gefalteter Hände hoch in den Himmel.“

Die Wahrnehmung der Landschaft verändere sich, ein neuer Orientierungspunkt bilde sich, „Landschaft und Kapelle beginnen sich zu verbinden – es entsteht etwas, was es vorher nicht gab“.

Im Innenraum will der Architekt das Licht einfangen: „Der Raum wird von einem bergenden, beschützenden und mit steilem First geformten Dach bestimmt. Der Raum gleicht einem Gefäß, in dem sich das Licht fängt.“ Die Kapelle solle kein Ort sein, der „so nebenher erfahrbar sein will, viel mehr ein Ort der Andacht, des Einkehrens, der Besinnung und des Gebets.“

Jasarevic und Fassl stellten das Konzept auch im Gemeinderat Buttenwiesen vor, der es durchweg befürwortete. Bürgermeister Hans Kaltner ist begeistert vom Standort und vom Entwurf des Architekten. Auch Kaltner kommt die Schlichtheit entgegen, die auch durch den Baustoff Holz gegeben sei.

Eine weitere Kapelle bei Oberthürheim

Zwei der Wegekapellen, die im Rahmen des Projekts entstehen sollen, werden in Buttenwiesen stehen. Eine, für die es noch keinen Entwurf gibt, soll am Rande des Donaurieds unterhalb von Oberthürheim ihren Platz finden. Dort musste die Gemeinde ein kleines Stück Grund erwerben, ehe es jetzt losgehen kann.

Weitere Kapellen werden entlang der Donautäler Radwege gebaut, unter anderem in Emersacker, Bissingen und Unterliezheim. Eine Kapelle bei Gundelfingen ist bereits fertig gestellt, die Bauten von Emersacker und Unterliezheim sollen am 15. Dezember eingeweiht werden, berichtet Bezirksheimatpfleger Fassl.

Lesen Sie weitere Berichte über das Projekt "Sieben Kapellen": Spirituelle Landmarken, Sieben Kapellen am Weg, Ein Ziel, dem noch mehrere folgen


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