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Hettlingen

29.06.2020

Damit Rehkitze nicht qualvoll verhungern müssen

Die Jäger Ulrich Reitenberger und Walter Christa (von links) sorgen sich um die Rehe und deren Kitze, die durch den verstärkten Verkehr auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Hettlingen und Laugna in Gefahr sind.
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Die Jäger Ulrich Reitenberger und Walter Christa (von links) sorgen sich um die Rehe und deren Kitze, die durch den verstärkten Verkehr auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Hettlingen und Laugna in Gefahr sind.

Plus Auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Hettlingen und Laugna mussten innerhalb einer Woche drei Rehe ihr Leben lassen. Wie die Jäger weitere Unfälle vermeiden wollen.

Betroffen steht Walter Christa am Rand der Straße zwischen Hettlingen und Laugna. Idyllisch ist dieser Platz, an dem ein breiter Feldweg einmündet und ein Bänkchen zum Verweilen neben einem Feldkreuz steht. Auf der einen Seite der Ortsverbindungsstraße steht ein Blühstreifen in voller Pracht, auf der anderen säumen Bäume und Gebüsch den Fahrweg.

Eigentlich ist auf dieser Ortsverbindung wenig Verkehr, berichtet der Jäger. Aber nicht, wenn eine Umleitung eingerichtet ist, wie damals beim Bau des Overflys, als der Kreisverkehr bei Roggden oder die Straße zwischen Roggden und Wertingen ausgebaut wurde oder eben jetzt während des Einbaus eines Kreisverkehrs am Ortsende von Geratshofen Richtung Laugna. Sein trauriges Fazit: „Innerhalb einer Woche mussten hier drei Rehe bei Verkehrsunfällen sterben.“ Zwei davon waren Rehgeißen, an deren Gesäuge zu sehen war, dass sie Kitze haben, die von Muttermilch ernährt werden. „Das hat schlimme Folgen, denn die Kitze liegen nun irgendwo und müssen qualvoll verhungern.“ Da die Mutter sie gut versteckt hat, besteht kaum eine Chance, sie zu finden, weiß der Inhaber des Jagdreviers Hettlingen. Deshalb betont der Zusamaltheimer: „Mir tun sie einfach leid.“ Auf beiden Seiten der Straße, hinter Blühstreifen und Heckenbewuchs, sind Getreidefelder. Hier äsen die Rehe, freuen sich über das reichhaltige Nahrungsangebot und springen zwischen den Feldern hin und her. Christa weiß: „Sie sind schwierig zu sehen. Wenn sie auf die Straße kommen, stehen sie direkt vor dem Auto.“

Die Getreidefelder neben der Straße bieten reichlich Futter für die Rehe, die über die Straße hin- und herlaufen.

Sterben die Muttertiere, sterben auch die Kitze

Die Polizei, die nach einem Unfall gerufen wird, oder Vorbeifahrende, die wissen, dass er seit 40 Jahren Inhaber des Jagdreviers ist, sagen ihm dann Bescheid, damit er sich um das verendete Tier kümmert. Was ihm je nach Zustand des Körpers oft sehr nahegeht. Deshalb bitten er und auch Ulrich Reitenberger, Inhaber des Jagdreviers Laugna, die Verkehrsteilnehmer, auf dieser Strecke und auch zwischen den beiden Wertinger Ortsteilen Hettlingen und Geratshofen besonders achtsam zu sein. Auch wenn noch keine Verkehrsschilder auf Wildwechsel hinweisen und die Geschwindigkeit begrenzen.

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Mit blauen Blinkern werden die Leitpfosten markiert, um auf den verstärkten Wildwechsel hinzuweisen.

Christa und Reitenberger hoffen darauf, dass sich das bald ändert. Gespräche mit den zuständigen Bürgermeistern wurden inzwischen geführt. Dann werden die Jäger auch blaue Blinker an die Leitpfosten anbringen, um die Verkehrsteilnehmer auf die verstärkte Gefahr durch Wildwechsel hinzuweisen. Christa sagt: „In den Berichten über die Wildunfälle wird immer von Sachschaden gesprochen, da steht aber auch großes Leid der Tiere dahinter.“ Der Jäger erzählt aus der Jagdpraxis. Zwar hat er auch seine Abschusszahl zu erfüllen und damit die Pflicht, eine gewisse Zahl an Rehen zu schießen. Wenn er aber versehentlich eine führende Geiß oder Bache erschießen würde, wäre das eine Straftat, die den Entzug des Jagdscheins zur Folge hätte.

Momentan sind die Rehe verstärkt unterwegs, weil sie Kitze haben, die im Mai geboren sind, die erst in vier Wochen mit Not selbst durchkommen, wissen Christa und Reitenberger. Erst in sechs Wochen wird der Magen der Kitze umgestellt sein. Aber: „Ohne den Schutz der Mutter bleiben sie immer schwach, werden überall vertrieben.“ Eine weitere Zeit, in der noch mehr als sonst auf Wildwechsel geachtet werden müsse, ist Mitte Juli. Reitenberger warnt: „Dann geht die Rehbrunft los und die Böcke treiben die Geißen.“

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