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Buttenwiesen

15.05.2020

Das Mesnerinnen-Team hält zusammen

Noch vor den Ausgangsbeschränkungen entstand dieses Bild des Unterhürheimer Mesnerinnen-Teams: von links Mechthilde Baur (64), Simperta Putz (70), Gerda Knapp (68) und Brigitte Bucher (67). Auch während der Corona-Zeiten schmücken sie regelmäßig die Unterthürheimer Kirche und sperren sie täglich auf und ab.
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Noch vor den Ausgangsbeschränkungen entstand dieses Bild des Unterhürheimer Mesnerinnen-Teams: von links Mechthilde Baur (64), Simperta Putz (70), Gerda Knapp (68) und Brigitte Bucher (67). Auch während der Corona-Zeiten schmücken sie regelmäßig die Unterthürheimer Kirche und sperren sie täglich auf und ab.

Plus Seit 34 Jahren teilen sich vier Frauen den Dienst in der Unterthürheimer Pfarrkirche „Maria Hilf“. Was manche ihnen anfangs nicht zutrauten, machen sie heute mit großer Gelassenheit. Auch derzeit pflegen sie viele Traditionen weiter.

Weiße Hortensien schmücken derzeit den Altar in der Unterthürheimer Pfarrkirche. Einen „Maialtar wie jedes Jahr“ haben vier Frauen dort hergerichtet. Auch wenn dieses Jahr vieles ganz anders läuft als sonst, wollen sie gemeinsam bestimmte Traditionen einhalten. Seit ziemlich genau 34 Jahren arbeiten Brigitte Bucher, Mechthilde Baur, Gerda Knapp und Simperta Putz zusammen – als Mesnerinnen-Team und haben damit schon viele andere inspiriert.

Los ging's mit einem jungen Pfarrer

Los ging’s, als Pfarrer Michael Woitas ins Unterthürheimer Pfarrhaus einzog. „Mit 36 Jahren war er ziemlich jung, das war dem alten Mesner wohl zu anstrengend“, vermuten die vier Frauen augenzwinkernd. Als die Pfarrhaushälterin – des Pfarrers Schwester Eveline – sie damals zum Kaffee einlud, nahmen sie die Einladung gerne an. Keine wusste vom Kommen der anderen, keine hatte eine Ahnung von den Hintergründen. Am Ende der Kaffeerunde hatten sie alle „Ja“ gesagt. Ja dazu, dass sie künftig gemeinsam den Mesnerdienst in Unterthürheim übernehmen würden. Dabei standen sie zu der Zeit alle mitten im Leben. „Wir waren junge Mütter, jede von uns hatte drei kleine Kinder“, erinnert sich die heute 68-jährige Gerda Knapp zurück. Über eines waren sie sich somit alle klar: Für eine wäre es zuviel, sich jeden Sonntag und jede Woche zu binden. So entschieden sie sich, ein Team zu bilden.

Der Mesnerjob war den meisten – zumindest aus ihrem Umfeld – bekannt. Bei Brigitte Bucher bekleideten sowohl Vater als auch Großvater das Amt. Bei Mechthilde Baur war’s der Großvater, der einst als Mesner in der Kirche diente. „Früher waren es hauptsächlich Männer“, erinnern die vier Frauen. Und so hätten viele – vor allem die älteren Männer – ihnen das Amt auch nicht zugetraut. „Sie meinten, wir würden bald untereinander zu streiten beginnen“, erzählt Gerda Knapp, „sie dachten, diese Frauenwirtschaft könne nie gut gehen.“ Doch sie ist gut gegangen. Bis heute bilden sie ein Team und sind zusammengewachsen in all den Jahren, in denen sie gemeinsam so einiges durchgestanden, Menschen getröstet, beraten und sich mit ihnen gefreut haben.

Das Mesnerinnen-Team hält zusammen

Der Anfang hatte es in sich

Dabei hatte es der Anfang durchaus in sich. Mechthilde Baur (64) beschreibt ihn als „Sprung ins kalte Wasser“. Vieles hätten sie einfach nicht gewusst. Doch alle hatten sie den Willen, es „recht“ zu machen – dem Pfarrer, den Kirchgängern und vor allem ihren eigenen Vorstellungen.

Ihr Vorgänger, Mesner Michael Kapfer, hatte den Frauen mit seinen Worten erklärt, was zu tun ist. Mechthild Baur und Brigitte Bucher fassen die Aufgaben auf ihre Weise zusammen: „Es geht darum, den Jahreskreis zu begleiten.“ Gerda Knapp legte gleich zu Beginn ein Buch an, was an den einzelnen Festtagen zu tun ist, gemeinsam ergänzten sie es nach und nach. Darin konnten sie immer wieder nachschlagen, sind es doch viele Kleinigkeiten, an die sie je nach Festtag zu denken haben. Dazu gehören Hostien, Wein und Kerzen ebenso wie die Asche am Aschermittwoch vom Osterfeuer des vergangenen Jahres, die Palmzweige zum Palmsonntag und die Krippe auf Weihnachten. Dass die passenden Messgewänder stets rein und gebügelt sind, dafür sorgt speziell Simperta Putz.

Das Erste war eine Beerdigung

Was sich heute nach großer Ordnung anfühlt, ging einst eher unorganisiert los: am Gründonnerstag vor 34 Jahren. Die erste Amtshandlung war ausgerechnet eine evangelische Beerdigung. „Da wussten wir gar nicht, was zu tun ist“, gesteht Gerda Knapp heute schmunzelnd. Gemeinsam mit Brigitte Bucher übernahm sie den Dienst.

An großen Festtagen wie in der Karwoche und an Weihnachten teilten sie sich noch mehrere Jahre die Aufgaben. Mit Unterstützung des Pfarrers bekamen sie damals auch ihre erste Beerdigung hin. „Alles hat letztendlich geklappt, doch wir waren sehr aufgeregt“, resümiert Gerda Knapp.

Vorne auf dem Präsentierteller

Es sei anders, ob man hinten in der Bank sitze oder vorne auf dem Präsentierteller. „Jeder sieht die Fehler“, sagt Brigitte Bucher. Damit können die Frauen heute gut umgehen. Für Gerda Knapp gehören Fehler einfach zum Leben: „So wie’s kommt, kommt’s.“

Lachend blicken die vier zurück auf mehrere kleine Missgeschicke. Zum Beispiel auf den Adventskranz, bei dem in der Vorabendmesse zum zweiten Advent nur eine Kerze brannte. Aufgefallen ist das Mechthilde Baur erst, als das Volk die zweite Strophe von „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ anstimmte. Spontan stand sie beim „sehet die zweite Kerze brennt“ auf und zündete die zweite Kerze kurzerhand an.

Heute gehen sie ihre Dienste gelassen an

Gelassen gehen sie mittlerweile ihre Dienste an, im Wechsel jede Woche eine andere. Wer Dienst hat, muss durchgängig parat sein. Neben den anstehenden Gottesdiensten gilt es, morgens täglich die Kirche auf- und abends wieder abzusperren, den Blumenschmuck frisch zu halten und bereit zu sein für kurzfristige Beerdigungen.

Wenn die Gottesdienste in den vergangenen Wochen auch ausgefallen sind, haben die vier Frauen ihren Dienst dennoch beibehalten. „Täglich haben wir weiterhin unsere Kirche auf- und zugesperrt“, erzählt Gerda Knapp auf telefonische Anfrage. Und sie schmückten das Gotteshaus regelmäßig mit frischen Blumen. Auf Ostern hing das festliche Antependium am Altar und die goldenen Leuchter standen obenauf. Die Mesnerinnen wollten den Menschen mit den Ritualen kontinuierlich das Gefühl von Wertschätzung vermitteln – der Wertschätzung gegenüber Gott. „Ostern ist Ostern und der Mai ist Mai.“ Der passende Schmuck gehört für Gerda Knapp einfach dazu. Am Ostersonntag brannte dann auch den ganzen Tag über eine neue Osterkerze. Die beiden Pfarrer Klaus Ammich und Mathias Kotonski hatten gemeinsam mit Gemeindereferentin Marlies Landherr einen Gottesdienst in der Pfarrkirche Buttenwiesen gefeiert und von dort aus das Osterlicht verteilt. So leuchtete dieses auch in der Unterthürheimer Kirche. „Es war ein eigenartiges und ganz besonderes Osterfest“, sinniert Gerda Knapp.

Zu zweit Rosenkranz gebetet

Immer wieder sah Gerda Knapp in den vergangenen Wochen Menschen, die andächtig in der Kirche saßen. An einem Ort, der ein Stück Heimat bedeutet, der Ruhe und Geborgenheit vermittelt. Auch selbst setzte sich die 68-Jährige mehrmals in die Kirche. Mit einer Nachbarin betete sie jüngst passend zum Mai spontan einen Rosenkranz. Jede der beiden Frauen saß für sich auf einer Seite des großen Kirchenraums. Und beide genossen den Anblick des mit weißen Hortensien geschmückten Maialtars …

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