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Altenbaindt

14.01.2021

Der Käser war eine Prominenz in Altenbaindt (Teil 3)

Wolfgang Pfaffenberger mit seiner Mutter Leni.
Bild: Pfaffenberger

Plus Wolfgang Pfaffenberger aus Wertingen und seine Kindheitserinnerungen an die Nachkriegszeit in Altenbaindt.

Es sind Kindheitserinnerungen aus schweren Zeiten. Der Wertinger Wolfgang Pfaffenberger beschreibt seine Eindrücke und Erlebnisse während der Nachkriegszeit in dem kleinen Dorf Altenbaindt. Der Autor erinnert sich an seine „Sommerfreuden“ während der sogenannten „ schlechten Zeit“. In einer Mischung aus kindlicher Erinnerung und erwachsener Erzählung nimmt Pfaffenberger, der pensionierte Studiendirektor und langjährige Lehrer am Wertinger Gymnasium den Leser mit in das dörfliche Leben. Der schmale Band „Mein Altenbaindt im Landkreis Dillingen“ Erinnerungen an meine Kindheit 1946 -1954 ist ausgeschmückt mit Originalfotografien und bunten Zeichnungen und gibt tiefe Einblicke in das dörfliche Leben der Nachkriegszeit in der Region. In drei Teilen berichtet die Wertinger Zeitung in Auszüge aus dem Band „ Mein Altenbaindt“ im Landkreis Dillingen. Hier nun der dritte und letzte Teil:

Der Käser war prominent in Altenbaindt

„An einem Ende des Straßendorfes lag der Schuhmair, am anderen Ende die Käserei – der Käser. Er war eine Prominenz im Ort. Eine Art Bürgermeister. Vor allem aber brachten sämtliche Milchbauern täglich ihre Milch in Kannen zu ihm. Man konnte dann Käse, Quark und andere Produkte kaufen – daneben gab es noch einen kleinen Kolonialwarenladen bei ihm und in der Mitte des Ortes.

Einmal begleitete ich meine Mutter durch das bäuerlich-schöne Altenbaindt. Sie zeigte mir hoch oben die große Kirche mit Mesnerhaus und Pfarrhaus, daneben den Friedhof mit Gräbern von Soldaten. Meine Mutter Leni erzählte mir, dass mein Papa – also ihr lieber Mann – immer noch in Russland im Lager leben muss. In Gefangenschaft. Die Soldaten hier aber seien im Krieg gefallen. Das Wort „gefallen“ kannte ich so nicht, es musste etwas Schlimmes sein, denn in meinem Leben hatte mir doch bisher alles „gefallen.“

Hunde, Hühner und andere Tiere rannten in Altenbaindt über die Straßen

Dann ging es bergauf ins Dorf hinein. Hunde und Hennen rannten über die Straße, auch Enten und Gänse hier und dort fuhren Fuhrwerke vorbei. Ein Brunnen mit Steinkreuz markierte eine Abzweigung. Nach kurzer Wegstrecke war schon das Dorfende erreicht und große, breite Ährenfelder lagen vor uns. „Heute sammeln wir Kamillenblüten“ sagte meine Mutter Leni zu mir „Du kannst mir dabei helfen.“ Und wirklich am Rand des Ährenfeldes stand die staudige Kamille in voller Blüte. Mutter erklärte mir die segensreichen Wirkungen dieser Pflanze.

„Wenn wir erkältet sind, kochen wir Tee daraus.“ Das Sammeln machte mir viel Freude und Mutter zeigte mir weitere Blumen wie den roten Mohn, die blaue Kornrade und den gelben Hahnenfuß, der auch Butterblume heißt. Wir steckten die Tüten in mein kleines Rucksäcklein und gingen frohgemut ins Dorf zurück. Am Brunnen bogen wir links ab und sahen rechts einen Bauernhof neben dem anderen. Die Menschen arbeiteten im Krautgarten, andere waren mit der Reparatur von Gerätschaften beschäftigt, Kinder in meinem Alter spielten im Hof oder auf der Straße.

Silberne Kannen und Milchwägen standen im Hof des Altenbaindter Käsers

Vor uns tauchte der Käser auf. Ein paar Milchwagen standen im Hof und zahlreiche silbrig glänzende Kannen vor dem Eingangstor rechts und links. Eine Tür führte in den Laden, den wir betraten – ich war doch etwas gehemmt und ängstlich. Eine ältere Dame empfing uns freundlich und unterhielt sich mit meiner Mutter, während ich die Käslaibe aufmerksam bestaunte. Zum Abschied reichte mir die nette Dame eine Gabel mit einem Stück Bergkäse dran, mit den Worten: „Weil du so ein artiger Bub bist.“ Ich sagte höflich danke. Draußen fragte ich meine Mutter: „Was heißt eigentlich artig?“

Übrigens: Mit Familie Schuhmair pflegten wir gute Kontakte. Das Schuhmair-Anwesen wurde 2015 durch Karl-Heinz Schuhmair, den jüngsten Spross der Familie zum Restaurant „Alp Altenbaindt“ umgebaut - mit Blick auf eine Trauerweide, einen Walnussbaum und einen sehr alten Pflug.“

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