Newsticker

Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft
  1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Der Schrecken der Pubertät

Jugend

19.08.2017

Der Schrecken der Pubertät

„Das Pubertier“: Jan Maybacher (Pasquale Aleardi), Carla Maybacher, (Mia Kasalo), Sara Maybacher (Chiara Schoras) in der ZDF-Serie. Der Film läuft am Samstagabend ab 21 Uhr beim Kino-Open-Air im Wertinger Schlossgrafen.

Beruflich erfolgreiche Bürger aus dem Landkreis erzählen von der wohl seltsamsten Phase im Leben eines jeden Menschen. Diese ist immer für Überraschungen gut

Die Pubertät, irgendwann trifft sie jeden – am eigenen Körper oder indirekt an dem des eigenen Kindes. Für die jungen Menschen, die mittendrin in diesem hormonellen Chaos stecken, erscheint die ganze Welt verrückt, Eltern werden als peinliche Wesen gesehen. Nun, und für die erscheinen die eigenen Kinder plötzlich als Plagegeister. Für Familien, die mittendrin stecken, ein echter Härtetest.

Der Bestseller „Das Pubertier“ von Jan Weiler behandelt dieses Thema und die Zeit, wenn für Eltern aus bezaubernden Wesen plötzlich „unberechenbare“ Monster werden. Mit Jan Josef Liefers in der Rolle des geplagten Vaters und Heike Makatsch als Mutter wurde die Story verfilmt, die am Samstagabend ab 21 Uhr auch im Wertinger Freiluftkino läuft.

Kinobetreiberin Prisca Färber erinnert sich noch gut an die Zeit, als sie in dem Alter war, in dem sie ihrer Mutter nicht nur schon im Kino half, sondern auch die ein oder andere Flunkerei beging.

„Zeit für die Pubertät hatte ich auch“, so Färber lachend, „ich hatte zum Beispiel das Verbot, in die damalige Wertinger Disco Amarillo zu gehen. Zu meiner Mutter sagte ich immer, ich gehe ins Häusle, so hieß damals das Jugendzentrum, doch stattdessen ging ich dort hin.“

Ihre Mutter hatte allerdings schon damit gerechnet. Was Rosemarie Färber allerdings nicht ahnte, dass ihre Tochter einen Sportauspuff aus dem Italienurlaub nicht wie behauptet für einen Freund mitgenommen hatte, sondern den nutzte, um ihre eigene Vespa aufzufrisieren.

Ganz offen spricht auch Roland Wegner über seine Jugend in Wertingen: „Die war sicher nicht vorbildlich. Meine Eltern wussten oft nicht, wie sie das mit mir hinkriegen sollen. Schon mit 13 bin ich einfach auf ein Open Air gegangen, hab nie Hausaufgaben gemacht und mich in der Schule immer nur so durch gekämpft“, erzählt der Kämmerer der Gemeinde Gablingen. Auch dass er sich mit 15 ohne Erlaubnis ein Moped kaufte, das die Eltern wieder zum Händler zurückbrachten, erzählt er. „Ich habe mich jedoch auf den Taschengeld-Paragrafen berufen, schließlich habe ich mir mit Forstarbeiten und Zeitungen austragen das Geld dazu selbst verdient.“ Und so holte er sich sein Moped zurück.

Aus heutiger Sicht kann er seine Eltern verstehen, die sich einfach Sorgen machten, immerhin sind auch einige seiner Freunde mit Mopeds verunglückt und starben. „Das ist der Generationenkonflikt, man denkt als junger Mensch immer, man ist schlau, aber später erkennt man, dass Vater und Mutter wohl nicht selten Recht hatten.“

Dennoch sagt er, mit 18 sei er im Straßenverkehr weiter gewesen als andere. Im selben Alter begann er mit der Leichtathletik und lernte über den Sport, dass sich Einsatz lohnt. Es folgte das Abitur mit 26. Heute ist Wegner erfolgreich im Beruf und Bundesvorsitzender der V-Partei, die sich für einen respektvollen Umgang mit Natur und Tieren einsetzt. „Ich glaube meine Eltern sind heute stolz, was aus mir geworden ist“, sagt er.

Auch Musikproduzent Klaus Hanslbauer aus Lauingen (Bild als etwa 18-Jähriger) bereut seine Entscheidungen in der Pubertät nicht: Er brach mit 17 die Schule ab und verließ in der 11. Klasse das Albertus-Gymnasium. „Mir war die Musik einfach wichtiger und ich konnte mit Mathe und Chemie nichts anfangen. Aus heutiger Sicht war das zudem auch ein Glücksfall. Mir hätte das Abi auch gar nichts für meine Branche gebracht“, so Hanslbauer. Dennoch räumt er ein, dass es ein harter Weg war, den man nur mit viel Ausdauer gehen könne. „Meine Mutter war entsetzt, die Lehrer riefen an und wollten mich umstimmen, aber ich war überzeugt, das Richtige zu tun!“, sagt der Lauinger. Hanslbauer, dessen Jugend wie Färbers in den 80ern stattfand, betont jedoch, dass man sich immer bewusst sein muss, dass man an sich glauben muss, wenn man sich als junger Mensch gegen die Welt der Erwachsenen stellt.

Und es könne durchaus auch schief gehen. Es ist eben nicht leicht durch diese Zeit zu gehen, Eltern müssen sich sprichwörtlich warm anziehen, um die Launen und Zicken ihrer Sprösslinge ertragen zu können.

Wie die Kinoeltern damit umgehen, sieht man am Samstagabend im Wertinger Freiluftkino im Streifen „Das Pubertier“. Ab Donnerstag, 7. September, 20.15 Uhr, gibt es „Das Pubertier“ übrigens auch als sechsteilige Serie im ZDF

Filmtheater Das Wertinger Kino zeigt den Kinofilm „Das Pubertier“ am Sonntag, 20.8, zusätzlich in einer Matinee ab 11.15 Uhr, dann im Kino.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren