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Buttenwiesen

06.05.2019

Der Schulplatz wird zum Louis-Lamm-Platz

Der Schulplatz vor der Synagoge in Buttenwiesen wird umbenannt und einer bedeutenden jüdischen Persönlichkeit gewidmet: Louis Lamm verbrachte seine Kindheits- und Jugendjahre in Buttenwiesen. Der Heimathistoriker forschte intensiv zur Geschichte Schwabens.
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Der Schulplatz vor der Synagoge in Buttenwiesen wird umbenannt und einer bedeutenden jüdischen Persönlichkeit gewidmet: Louis Lamm verbrachte seine Kindheits- und Jugendjahre in Buttenwiesen. Der Heimathistoriker forschte intensiv zur Geschichte Schwabens.
Bild: Hertha Stauch

Die Gemeinde Buttenwiesen rückt mit der Umbenennung einen bedeutenden jüdischen Bürger in den Mittelpunkt. Das ist Teil eines größeren Projekts.

Die Gemeinde Buttenwiesen setzt ein Zeichen und wertet die jüdische Vergangenheit des Ortes weiter auf. Nachdem die ehemalige Mikwe, das in Süddeutschland einmalig erhaltene jüdische Badhaus, nun saniert und zu einem kleinen Dokumentationszentrum ausgebaut wurde – die Eröffnung ist im September vorgesehen – wird der Schulplatz vor der Synagoge umbenannt und einem bedeutenden jüdischen Bürger gewidmet. Es ist Louis Lamm, über dessen Leben und Wirken Gemeindearchivar Dr. Johannes Mordstein in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Auskunft gab.

Ein bedeutender jüdischer Mitbürger Buttenwiesens

Louis Lamm lebte von 1872 bis 1943 und zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Buttenwiesener Geschichte. Als Sohn des Buttenwiesener Synagogendieners Max Lamm verbrachte er seine Kindheits- und Jugendjahre in der Gemeinde. In Berlin gründete er 1903 einen Verlag mit Buchhandlung und Antiquariat, der sich zu einem der führenden Verlage für jüdische Literatur in Deutschland entwickelte. Louis Lamm hat sich laut Dr. Mordstein auch große Verdienste um die Heimatgeschichte erworben. In zahlreichen Publikationen erforschte er die Geschichte Schwabens. „Auch über die Buttenwiesener Geschichte schrieb er einige Abhandlungen, die bis heute grundlegende Bedeutung haben“, informierte Mordstein. Während der NS-Zeit emigrierte Lamm nach Amsterdam, wo er weiter als Verleger tätig war. 1943 wurde er von den Nationalsozialisten deportiert und in einem Vernichtungslager im Osten ermordet.

In Buttenwiesen sei bislang keine Straße nach Lamm benannt. Angesichts seiner historischen Bedeutung, seiner Wurzeln in Buttenwiesen, seiner Verdienste und seines Lebensschicksals zähle er zu den Persönlichkeiten, die für eine Ehrung durch eine Straßenbenennung in Frage kommen, erklärte Mordstein vor dem Gemeinderat.

Der Schulplatz wird zum Louis-Lamm-Platz

Zentraler Punkt des jüdischen Geschehens in Buttenwiesen war einstmals die Synagoge. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung wurde sie als Schule genutzt, der Platz davor als „Schulplatz“ benannt. Da die Schule seit 1994 nicht mehr in der Synagoge untergebracht ist, gebe es keinen Bezug mehr auf die vorhandenen Gegebenheiten, meinte Mordstein. Er schlug deshalb vor, den Schulplatz umzubenennen in Louis-Lamm-Platz. Die Gemeinderäte schlossen sich dem Vorschlag Mordsteins einstimmig an.

Louis Lamm verbrachte in Buttenwiesen seine Kindheit

Die ehemalige Synagoge wird derzeit nicht genutzt. Nur die evangelische Gemeinde hat hier einen Raum, und es lagern heimatkundliche Gegenstände im Haus. Die Gemeinde plant, im Rahmen der städtebaulichen Veränderungen in Buttenwiesen auch die Synagoge zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Genaue Vorstellungen gibt es hierzu noch nicht, ein Bürgerzentrum mit einem Kulturraum ist in Verbindung mit einem neben der Synagoge liegenden Gebäude angedacht. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Synagoge befinden sich die Mikwe und der jüdische Friedhof.

Durch diese einmalige Konstellation kommt der Gemeinde Buttenwiesen eine besondere Bedeutung unter den ehemaligen jüdischen Gemeinden in Bayern zu. Die Gemeinde ist sich dessen bewusst und pflegt eine Erinnerungsarbeit, „die als vorbildlich betrachtet wird“, wie Dr. Mordstein erklärte.

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