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Frauenstetten

03.12.2019

Die Zwerge proben ihren Auftritt im Wald

Sieben Zwerge und ein Schneewittchen – die Rollen sind verteilt. Jetzt können die Kinder sich auf ihren Auftritt im Wald beim Frauenstettener Nikolausmarsch am kommenden Samstag vorbereiten.
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Sieben Zwerge und ein Schneewittchen – die Rollen sind verteilt. Jetzt können die Kinder sich auf ihren Auftritt im Wald beim Frauenstettener Nikolausmarsch am kommenden Samstag vorbereiten.
Bild: Birgit Hassan

In Frauenstetten laufen die Vorbereitungen für den 19. Nikolausmarsch am kommenden Samstag. Der Weg führt durch einen märchenhaften Wald. Warum viele Einheimische noch nie selbst mitgelaufen sind.

Wie lange sie schon dabei sind? Die Frage erübrigt sich für einen „echten“ Frauenstettener. „Schon immer“, sagen Florian Hartl (37) und Klaus-Jürgen Aumiller (56). Gemeinsam mit Christian Zahler organisieren sie den Nikolausmarsch in Frauenstetten. Und der ist der aufwendigste und schönste weit und breit, betont Florian Hartl: „Bei uns ist der Weg ein Erlebnis.“ Damit das auch dieses Jahr, beim 19. Mal so bleibt, bereiten zahlreiche Helfer den Wald gemeinsam auf das große Ereignis am kommenden Samstag, 7. Dezember, vor.

Treffpunkt ist der Frauenstettener Tennisplatz, am Waldrand gelegen, oberhalb von Kirche und Friedhof. Hier herrscht eine Woche vorher bereits geschäftiges Treiben. Tannenbäume, Hütten und Feuerstellen werden aufgebaut und geschmückt. Von hier geht der Weg traditionell in den Wald, angeführt von Nikolaus samt Engeln. „Auf den Knecht Ruprecht verzichten wir ganz bewusst“, erzählt Klaus-Jürgen Aumiller. „Der wirft den Kindern ihre Verfehlungen vor, doch wir wollen, dass die Kinder bewusst das Gute im heiligen Nikolaus sehen.“ Über die Legenden des heiligen Nikolaus von Myra weiß Aumiller ebenso Bescheid wie über die Herausforderungen, als Frauenstettener Nikolaus die Kinder und deren Eltern sicher und im Zeittakt durch den Wald zu geleiten. Mehrmals war er bereits selbst in das Kostüm geschlüpft und hatte einen der drei Nikoläuse verkörpert – für jeden Marsch um 17, 17.30 und 18 Uhr einen. „Wenn’s gut läuft, sieht jedes Kind nur einen Nikolaus“, erklärt er und weist im Laufen auf neuralgische Stellen hin.

Fast jeder Frauenstettener war schon einmal beim Nikolausmarsch dabei

So geht es von der Österle-Kapelle wieder ein Stück zurück bis zu einer Abzweigung, die bergab in den tiefen Fichtenwald führt. Ein neonfarbenes F leuchtet an einem Baumstamm direkt an der Weggabelung. „Hier kommt noch ein Licht hin“, erzählt Florian Hartl. Wichtig sei vor allem, dass der Nikolaus und seine Engel die Abzweigungen finden, um ihre Gruppe auf den richtigen Weg zu führen. Ob’s der passende ist, wird schnell klar sein. Nämlich dann, wenn sie Rumpelstilzchen ums Feuer hüpfen sehen. Frank Greiner schleppt gerade zwei frische Baumwipfel herbei, die nebenan bei Holzarbeiten abgefallen sind. Er hat dieses Jahr neu die Verantwortung für diese Lagerstelle übernommen. „Meine Kinder haben das passende Alter“, sagt er und zeigt auf den elfjährigen Philipp, der erstmals in das Gewand des Rumpelstilzchen schlüpfen und singend ums Feuer hüpfen wird. Auf ihn folgen Lena (4) und die acht Monate alte Mila. Mutter Ulrike Greiner ist derweil mit den Mädchen unterwegs zum Platz von Schneewittchen mit ihren sieben Zwergen. Hier steigt Lena dieses Jahr als Zwerg ins Geschehen ein, während Mila sich noch im Tragetuch an die Brust der Mutter schmiegt. „Mit ihr werde ich heuer das erste Mal in meinem Leben den Nikolausmarsch selbst mitlaufen“, erzählt die 41-jährige Ulrike Greiner.

Die Zwerge proben ihren Auftritt im Wald

Seit 1977 gibt es den Nikolausmarsch, ein Jahr später kam Ulrike Greiner zur Welt. Schon als kleines Kind war sie – wie viele Frauenstettener – bereits selbst unter den Mitwirkenden, als Kind des Volkes in der damals noch integrierten Lehmgruppe. „Ich kann mich nur noch erinnern, wie ich heimkam und frierend in die Badewanne gehüpft bin.“

Festes Schuhwerk und dem Wetter angepasste Kleidung sind stets für die Besucher angesagt. „Wenn ich mir was wünschen dürfte, sollte es kalt werden, der Boden gefrieren und Schnee fallen“, sagt Aumiller angesichts der 1000 Menschen, die sie zu dem Marsch erwarten.

An diesem Morgen sind die Wege eher weich, bereits befreit von wilden Ästen und stachligen Brombeerzweigen. Jedes Mal, erzählen die Organisatoren, verändere sich die Wegführung etwas, je nachdem was die Landwirte und Förster in den vergangenen drei Jahren angepflanzt und umgemacht hätten.

Ein Teil des Weges führt am Ortsrand von Frauenstetten entlang. Hier richtet gerade Jagdpächter Jürgen Münnich gemeinsam mit seinem Sohn Marwin einen Platz für die Jagdhornbläser her. Erneut werden die einzelnen Sinne angesprochen. „Alle können Musik hören, Kinder die präparierten Wildtiere anschauen und die Erwachsenen bekommen einen Schnaps“, verspricht Münnich.

An mehreren Stationen bekommen die Kinder etwas geboten

Weiter geht es durch den nach frischem Holz duftenden Wald zur Stadtmauer von Myra. Bei dem Schauspiel auf einer Pferdekoppel wird klar, warum Nikolaus ein gar so guter Mann war. Die einzelnen Rollen der Vorführung sind längst vergeben.

Anders bei Schneewittchen und den sieben Zwergen. Geduldig lässt sich Gerhard Hillenmeyer auf die Wünsche der kleinen Zwergendarsteller ein. Wer darf den Pickel über der Schulter tragen? Wer die Nägel in das Häuschen klopfen? Es dauert eine Weile, bis sich alle in ihrer Rolle wohlfühlen und erstmals losmarschieren. „Hiho, hiho, wir sind alle froh, ...“ – der Spruch bedarf noch etwas Übung – doch am Tisch des Schneewittchens lassen sie sich bereits gekonnt nieder. „Wo können wir unsere Hände waschen wie im Disneyfilm?“, taucht als Frage auf. Gerhard Hillenmeyer verspricht spontan, noch eine Waschschüssel zu besorgen.

Auch Feuerwehrkommandant Andreas Klein verfolgt an diesem Morgen das Geschehen im Wald. „Heute bin ich Zwergenpapa“, deutet er auf die sechsjährige Marie. Vor 30 Jahren, erzählt er schmunzelnd, habe er selbst in dem Kostüm gesteckt. Am kommenden Sonntag wird er mit seinem Team die Parkplatzeinweisung übernehmen und die einzelnen Nikolauszüge begleiten, damit alle Kinder wieder sicher aus dem Wald herauskommen und am Ende ihre Päckchen in Empfang nehmen können – samt Gutschein für einen Punsch. „Unser Nikolausmarsch ist ein Geben und Nehmen“, erklärt Florian Hartl, „wir schenken viele Erlebnisse und haben gleichzeitig Spendendosen dabei.“

Frauenstettens Nikolausmarsch ist eine Aktion der Dorfgemeinschaft Frauenstetten. Alle (Klein-)Kinder in Begleitung Erwachsener sind willkommen. Vorher und nachher gibt es warmes Essen und Getränke am Tennisplatz Frauen-stetten. Von hier aus startet der Marsch am Samstag, 7. Dezember, um 17 Uhr, 17.30 Uhr und 18 Uhr. Festes Schuhwerk ist erforderlich, für Kinderwagen ist der Weg nicht geeignet. Der gesamte Erlös kommt der „Kartei der Not“, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung zugute.

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