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Kultur

02.09.2018

Ein Kino-Sommer wie im Bilderbuch

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Die verregneten Tage zum Ende des Open-Air-Kino-Sommers in Wertingen konnten die Erinnerung an die vielen lauen Filmnächte im Wertinger Schlossgarten nicht trüben. Bei den letzten Filmen blieben die Stühle im Freien leer. Sie wurden im nahe gelegenen Kino gezeigt.
Bild: Bärbel Schoen

Tausende Besucher strömten in den vergangenen Wochen nach Wertingen zum Open-Air-Kino. Sie erlebten so manchen magischen Moment unterm Sternenhimmel.

Für Prisca Färber könnte der diesjährige Kino-Sommer in Wertingen nicht schöner sein. „Das hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt die Kinobetreiberin. Am gestrigen Sonntagabend zog sie eine rundum positive Bilanz: „Es lief super.“ Tausende Besucher waren in den vergangenen vier Wochen in den Schlossgraben geströmt. Bereits zum Start am 30. Juli bevölkerten mehr als 500 Cineasten den idyllischen Schlossgraben. Sie wollten die Premiere des Musical-Films „Mamma Mia“ miterleben. In einer lauen Sommernacht, die mit einem traumhaften Sonnenuntergang begonnen hatte und mit Gute-Laune-Musik von Abba ausgeklungen war. Und so ging es über drei Wochen lang. Von Regen keine Spur. Das Thermometer zeigte oft noch hochsommerliche Temperaturen um die 24 Grad Celsius an, wenn das Flimmern auf der großen Leinwand gegen Mitternacht erlosch. Wärmende Decken waren kaum gefragt, eher erfrischende Cocktails. Prisca Färber bewies für das vierte Open-Air-Kino ein gutes Händchen. Von der französischen Komödie bis zum Action-Film hatte sie beinah alle Film-Genres im Programm. Zu den zugkräftigsten zählten die bayrische Krimi-Komödie „Sauerkrautkoma“ sowie der Abba-Streifen „Mamma Mia“. Beide flimmerten gleich mehrmals über die Leinwand. Als Schauspieler Sebastian Bezzel zur Autogrammstunde nach Wertingen kam, standen Besucher Schlange.

Manche Filme wurde im Kino in der Mühlgasse gezeigt 

Wetterbedingt launisch wurden erst die vergangenen Kino-Nächte. Zuletzt zog es die Besucher ins Filmtheater, das nur wenige Meter vom Schloss entfernt liegt. „Frieren und nass werden muss niemand.“ Prisca Färber hatte vorgesorgt und die Streifen jeweils parallel im Kinosaal in der Mühlgasse gezeigt.

Schade, dass auch die beiden letzten Filmhighlights „Erdenschwer“ und „Grüner wird‘s nicht“ wegen des herbstlichen Wetters verlegt werden mussten. Man wäre gerne mit den Protagonisten abgehoben in Richtung Sternenhimmel. In beiden Streifen geht es schließlich ums Fliegen und Loslassen.

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Der Regisseur Oliver Herbrich war am vergangenen Freitag extra gekommen, um seinen vor 30 Jahren gedrehten Film „Erdenschwer“ zu präsentieren. Er besuchte nicht zum ersten Mal das Zusamstädtchen. „Ich bin schon hunderte Male durchgefahren und habe immer wieder mal Eis gegessen oder ein Glas Wein getrunken.“ Viele Jahre nämlich hatte er in Lutzingen verbracht, wo er ein kleines Anwesen besaß, ein „kleines Austragshäuschen in der Lindenstraße mit nur zwei Zimmern“. Hier ließ er sich für seine Filmprojekte inspirieren, hier konnte er abschalten vom ArbeitsAlltag in München. Als er in einer Zeitschrift vom sogenannten „Ikarus vom Lautertal“ (Franz Seeliger) las, war die Idee für „Erdenschwer“ geboren. Herbrich: „Mich interessierte die Lebensgeschichte des Mannes, der im Dritten Reich in die Psychiatrie gerät und dort die nächsten 50 Jahre lang verbleibt.“ 

Der Traum vom Fliegen 

Dabei hatte der Tod seiner schwangeren Frau den Flugzeugbau-Monteur Franz Seeliger traumatisiert. Dem Film gelingt es, die Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Sein Traum vom Fliegen und seine eiserne Entschlossenheit, einen Flugapparat zu bauen, bringen den damals 75-jährigen Franz Seeliger mit seiner Umwelt in Konflikt und grenzen ihn als „Verrückten“ aus. Herbrich inszeniert die Lebensgeschichte in liebenswert-skurriler Art und mit achtsamer Sprache. Er richtet den Blick in besonderer Weise auf den Phantasten und die Menschen um ihn herum. Nicht der alte Mann, der sich seine Sehnsüchte bewahren konnte, scheint verrückt, sondern die erdenschweren Materialisten. Um Grenzbereiche zwischen Normalität und Wahnsinn geht es Herbrich in seinem schönsten Film, der auch von den Wertinger Besuchern lange beklatscht wird. „So einen guten Film habe ich noch nie gesehen“, gratuliert am Ende Alfred Sigg dem Regisseur aus München.

Wertingen wird sich daran erinnern 

33 Kino-Abende voller Überraschungen und magischer Momente: Wertingen wird sich lange daran zurückerinnern. Genauso wie an den 5. August. Da bescherte Prisca Färber ihrer Mutter zum 80. Geburtstag ein romantisches Feuerwerk, das den Himmel über dem Wertinger Schloss in ein Sternenmeer verwandelte. Tage danach war das Highlight Stadtgespräch.

„Es hat so Spaß gemacht“, sagte gestern die Kino-Betreiberin und seufzte dabei fast ein wenig wehmütig. Ihr fehlt noch ein krönender Abschluss im Schlossgarten. Vielleicht könnte am Mittwoch ein gebührender Schlussakkord gesetzt werden. Färber: „Wenn das Wetter mitmacht.“


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