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13.07.2010

Eine kalte Rauhnacht im warmen Schlosshof

Eine kalte Rauhnacht im warmen Schlosshof
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Eine kalte Rauhnacht im warmen Schlosshof

Höchstädt Kann ein Gegensatz extremer sein? Wohl kaum. Die beiden Krimi-Autoren Michael Kobr und Volker Klüpfel entführen in ihrem neuesten Fall "Rauhnacht" die Hörer in eine klirrend kalte Bergwelt. Beim Auftakt zum ersten Höchstädter Schlossfestival ist es aber am Freitagabend noch gut 25 Grad warm. Es ist eine jener wunderbaren lauen Sommernächte, die man im Höchstädter Schlosshof in einem Jahr nicht oft erlebt. Und so sind etwa 500 Besucher gekommen, die den neuesten Fall des Kommissars Kluftinger erleben wollen.

Aus dem Spiel wird Ernst

Der Organisatorin des Schlossfestivals des Bezirks Schwaben, Mathilde Wehrle, fällt ein Stein vom Herzen: "Ich bin dankbar, dass wir heute keine Rauhnacht haben, sondern einen wunderbaren Sommerabend." 250 Karten hatte Wehrle für die Schlechtwetter-Variante im Rittersaal verkauft. In der lauen Literaturnacht können am Freitag doppelt so viele Kluftinger-Fans dabei sein. Die Anhänger der Allgäu-Krimis kommen voll auf ihre Kosten. Kluftinger fährt mit seinem Intimfeind Dr. Langhammer zu einem Kriminal-Wochenende, wo es spielerisch einen mysteriösen Mordfall zu lösen gilt. Aus dem Spiel wird allerdings blutiger Ernst. Denn auf die gespielte Leiche folgt eine echte. Und das Hotel, in dem Kluftinger und Langhammer in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Silvester weilen, ist zudem eingeschneit.

Die Hörer im Höchstädter Schlosshof sind schnell von der Handlung gefangen. Kobr und Klüpfel geben mit Wortwitz Kluftinger und Langhammer. So heißt es bei der Suche nach einem Aufbewahrungsort für die Leiche: "Wir müssen ihn kaltstellen." Besonders viel Beifall gibt es für den Allgäu-Klamauk, mit dem die beiden Erfolgsautoren große Teile der Literaturnacht bestreiten. So treten sie als Mitarbeiter des Amts auf, das intelligentes Leben außerhalb der Allgäus sucht. Auf einem Gscheitometer werden die Beifallsbekundungen registriert. Es gibt Unterricht im Allgäuerisch. Der kommt gut an, weil sich das Schwäbisch im Donautal gar nicht so stark vom schwäbischen Süden unterscheidet. So ist den meisten klar, dass das "is it he?" nur die Frage bedeuten kann, ob des Glump kaputt isch. Die Schöpfer der Allgäu-Krimis präsentieren sich als glänzende Unterhalter.

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Den Hörern gefällt's. "Die sind umwerfend erfrischend", sagt die Höchstädterin Theresa Ballis. Ingrid Witte ist mit ihren Kolleginnen Lydia Petter und Marieluise Wörner von der Dillinger Kripo zur Kluftinger-Literaturnacht gekommen. Vieles erinnert das Trio wohl an ihren Alltag.

Kurios sind Kluftingers Hemmungen bei der Leichenobduktion. "Ja pfuideifel, der hat keine Unterhose an", ekelt sich Kluftinger alias Kobr. Und Dr. Langhammer (Klüpfel) gesteht, dass er selbst auf Unterhosen verzichtet. Kluftinger ist bestürzt, dass ihn immer nur eine dünne Lage Stoff von seinem ungeliebten Kompagnon getrennt hat.

Jürgen Leinweber hat jeden der bisher fünf Krimis der Allgäuer gelesen. "Stark, wie die beiden das machen", meint der Blindheimer. Am Ende kehren die Besucher, unter ihnen Bürgermeisterin Hildegard Wanner, nach der kalten Rauhnacht emotional wieder in den sommerlichen Schlosshof zurück. "Eine großartige Lesung, eine tolle Atmosphäre", freuen sich die Lauinger Meinrad Ludwig und Anton Grotz. Die Menge feiert Klüpfel und Kobr mit lang anhaltendem Applaus. Die Mitarbeiter des Amts für interkulturellen Austausch befinden, dass noch ein weiterer Ortstermin in Höchstädt nötig sei.

Etwa 100 Lesungen hält das Duo pro Jahr. Das Höchstädter Schlossfestival wird den beiden wohl dennoch im Gedächtnis bleiben. "Das war ein Traum hier", sagt Michael Kobr und beginnt mit Volker Klüpfel die Kluftinger-Romane zu signieren, die Fans der Allgäu-Krimis dankbar nach Hause tragen.

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