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Wertingen

28.07.2010

Empörung über Verbot von Abi-Streichen

Gymnasium Wertingen - alte Tafel
Bild: Wiedenmann Philipp

Mit Empörung haben Schüler und Ehemalige des Gymnasiums Wertingen auf das Verbot der traditionellen Abiturstreiche an der Schule reagiert. Schulleiterin Eva Focht-Schmidt hat nach Vandalismus bei einem Fest Abiturstreiche verboten.

Mit Empörung haben Schüler und ehemalige Schüler des Gymnasiums Wertingen auf das Verbot der traditionellen Abiturstreiche an der Schule reagiert. Wie berichtet, hatte Schulleiterin Eva Focht-Schmidt als Folge des Vandalismus beim Weiß-Blauen Fest der Abiturienten untersagt, Abiturstreiche, wie sie im Abschlussjahrgang des Gymnasiums üblich sind, durchzuführen.

Nach der Berichterstattung über das Verbot erreichte die WZ-Redaktion eine Fülle von Protestschreiben. So meldete sich auch Fabian Mehring, der stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Freien Wähler, ehemaliger Schülersprecher des Gymnasiums Wertingen, zu Wort.

Zweifelsohne seien die Ausschreitungen beim Weiß-Blauen Fest, das im TSV-Heim in Wertingen stattgefunden hatte, "ein Skandal und auf das Schärfste zu verurteilen!", so Mehring. Nichtsdestotrotz gelte es aber zu bedenken, dass der aktuelle Abiturjahrgang in keinster Weise Verursacher dieses traurigen Eklats, sondern als Ausrichter vielmehr der Leid tragende Personenkreis gewesen sei. "Aufgrund der geistigen Aussetzer einiger Ehemaliger soll den Opfern dieser sinnlosen Ausschreitungen nun ein gutes Stück bayerischer Abiturtradition verwehrt bleiben. Dieses Vorgehen halte ich für einen falschen Weg, der auf ungerechte Weise die diesjährigen Abiturienten für etwas abstraft, was sie nicht zu verantworten haben," schreibt Mehring an die WZ.

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Darüber hinaus stört ihn die Aussage der Schulleiterin Focht-Schmidt, dass Schüler mit dem Tag der Zeugnisübergabe klar vom Gymnasium abzugrenzen seien. Mehring: "Das Landgymnasium Wertingen war stets darauf bedacht, sein Alumninetzwerk zu pflegen und sich eine ´Gemeinschaft der Ehemaligen' mit enger Bindung zum Gymnasium zu erhalten. Sollte diese Praxis nun ein Ende finden, muss das bewährte Engagement des Schulvereines ebenso überdacht werden, wie die Spendenbereitschaft ehemaliger Jahrgänge, die etwa aktuell erwägen, sich finanziell an dem Bau einer Beachvolleyballanlage zu beteiligen", erklärt Mehring in seiner Stellungnahme.

Für die Beibehaltung schulischer Traditionen und somit auch des Abistreiches plädiert auch der ehemalige Gymnasiast und jetzige Politik-Student Sebastian Geßler aus Buttenwiesen. "Fakt ist," so Geßler, "das muss den Abiturienten auch klar sein, dass die Veranstaltung des Abistreiches kein Schülerrecht ist, sondern eine jahrelange Tradition. Deswegen kann man nichts verbieten, was eigentlich auf Kulanz der Schulleitung beruht. Dennoch sollte man sich die Frage stellen, ob man Traditionen nicht lieber erhalten sollte, als sie immer nur abzuschaffen". Er könne sich keinen Abiturjahrgang ohne Weiß-Blaues Fest und erst recht nicht ohne Abiturstreich vorstellen. "Denn das sind die Traditionen, die wir hochhalten sollten und über die man mit Menschen aus anderen Abiturjahrgängen später einmal reden kann und nicht immer nur das Thema Lehrer, Schulleiterin, oder Ähnliches diskutieren muss", meint Geßler.

Der ehemalige Schüler des Gymnasiums nimmt auch Stellung zu einer Schülerdemo, die während der Pause gegen das Verbot veranstaltet wurde und die Eva Focht-Schmidt in einem Pressebericht als "ein paar verschreckte Hanseln" bezeichnet hatte. Das innerschulische Klima wird sich nicht dadurch verbessern, dass die Schulleiterin die mitgelaufenen Schüler/Abiturienten, als "ein paar verschreckte Hanseln" bezeichnet. Geßler: "Das lässt den Respekt gegenüber Schülern und Abiturienten vermissen und man übersieht hierbei sehr schnell, dass die Solidarität zwischen den Schülern sehr groß ist. Derartige negative Äußerungen werden noch lange Zeit an die nächsten Jahrgänge weitergegeben. Man sollte sich lieber die Frage stellen, wie die Kommunikation und das Klima zwischen Schulleiterin und Schülern verbessert werden könnte", meint Geßler.

Mittelstufen-Schüler wehren sich

Auch Schüler aus der Mittelstufe, die namentlich nicht genannt werden wollen, haben sich mit einem Schreiben zu Wort gemeldet. Wörtlich steht darin: "Bei dem vorgestern erschienenen Bericht über die verbotenen Abiturstreiche am Gymnasium Wertingen haben wir erbost feststellen müssen, dass unsere Schulleiterin Frau Focht die Proteste quasi verharmlost dargestellt hat. Im Moment ist die ganze Schule gegen Frau Focht aufgebracht. Das liegt nicht zuletzt an der kompromisslosen Art, wie sie mit den Schülern zu diskutieren pflegt. Wir können alle der Aussage aus Schülerkreisen zustimmen. Es standen wirklich sämtliche 1100 Schüler auf den Treppen und in den Gängen und haben protestiert. Wir erachten es als ein Unding, unsere Meinungen derart herunterzumachen".

Nicht zuletzt wurde der WZ-Redaktion per e-mail auch ein Video-Clip zugesandt, auf dem die Schüler-Demo kurz zu sehen ist. "Die Schüler wurden im ersten Stock sofort von einigen Lehrern energisch abgefangen", schreibt die Schülerin, die das Video sandte. Im Nachhinein habe es in vielen Klassen sehr konstruktive Diskussionen gegeben zwischen teils sehr verständnisvollen Lehrern und aufgebrachten Schülern. (wz)

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