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Städteplanung

15.03.2018

Er plädiertfüreineachtsame Architektur

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Proportionen und Perspektiven: Der Wertinger Künstler Manfred Nittbaur mahnt zu Achtsamkeit beim Thema Städteplanung. Ein sensibles Gebiet ist, wie er findet, die Ecke Mühlgasse/Pfarrgasse und die Zone rund um die Kirche, die sich derzeit verändert.
Bild: Hertha Stauch

Der Wertinger Künstler Manfred Nittbaur macht sich Gedanken über die Entwicklungen im Zentrum der Zusamstadt

Das mit der Stadtentwicklung ist so eine Sache. Veränderungen über Jahrzehnte hinweg fallen besonders jenen auf, die mit offenen Augen und einem Gespür für Geschichte, Proportionen, Formen und Perspektiven durch die Stadt gehen. Manfred Nittbaur ist so einer. Der Wertinger Künstler macht sich Gedanken, wenn er den Stadtkern um die Martinskirche umrundet. Denn der frühere Kunstpädagoge am Gymnasium Wertingen hat sich in seiner Studienzeit auch mit dem Thema Architektur befasst und am Beispiel Wertingen eine Arbeit über städtebauliche Probleme verfasst.

Insofern verfolgt er seit Jahren mit, was in den Straßenzügen geschieht. Er gehöre nicht zu den notorischen Nörglern, sagt er, dennoch brenne ihm einiges auf den Nägeln. „Der Mensch wird geprägt von der Landschaft und Architektur, es ist nicht egal, mit was man sich umgibt.“ Schon in den 60er/70er Jahren hat er die Zerstörung von Bausubstanz beobachtet. Der Abbruch des ehemaligen Bräuhauses, heute VR–Bank an der Ecke Josef-Frank/Dillinger Straße, sei ein schmerzlicher Eingriff ins Stadtbild gewesen. „Unsere Bauformen haben sich entwickelt“ – aus klimatischen Gründen, wie steile Dachformen gegen den Schnee, nennt er ein Beispiel und bedauert, dass dies Bild immer mehr verschwindet. Wenn er heute durch Neubaugebiete gehe, dann graue es ihm, sagt Nittbaur: „Toskanahäuser, die eigentlich gar nichts mit der Toskana zu tun haben.“

Nittbaur lenkt ein: Wertingen sei städtebaulich im Kern noch intakt – „aber ich will nicht, dass es hier einmal so aussieht wie in Gersthofen oder Neusäß“, nennt er die Augsburger Vororte als abschreckende Beispiele. Dies seien keine gewachsenen Siedlungen: „Wertingen ist eine alte Stadt, die sich um die Kirche herum entwickelt hat“, mahnt Nittbaur Verantwortung an.

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In seiner Studienarbeit hat Nittbaur die Pläne dokumentiert, die früher in Wertingen zur Stadtentwicklung gemacht wurden. Zum Glück sei nicht alles so gebaut worden, wie gedacht, sondern Bauverwaltung und Stadträte in vielen Dingen doch noch zu einer besseren Lösung gelangt. Nittbaur erinnert an die ersten Pläne zur Neugestaltung des ehemaligen Frauscher-Anwesens – heute Damen-Mode Schneider vor der Zusambrücke. Damals gab es Pläne im „Jodler-Stil“ – eine rustikale Architektur, der oberbayerischen nachgeahmt. Heute rufen solche Skizzen, die nie verwirklicht wurden, eher Heiterkeit hervor. Dennoch denkt Nittbaur, dass auch die jetzigen Planungs-Generationen nicht vor Fehlentwicklungen gefeit sind.

Den Drang nach so genannter moderner Bebauung auch im Ortskern sieht er mit Skepsis. Entschieden werden Bauobjekte im Bauausschuss. Dessen Mitglieder seien sich jedoch häufig nicht der Tragweite dessen bewusst, was sie da beschließen und was dies für Folgen habe. „Ich bin kein Nostalgiker“, sagt Nittbaur. „Aber man sollte achtsamer sein“, mahnt er, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Breite Straßen wie Rennstrecken durch Siedlungsgebiete zu ziehen – Marienfeld – oder die Eingänge zur Stadt mit einem Wildwuchs von Werbeschildern zu pflastern, dies könne verhindert werden.

Als Künstler denkt Nittbaur auch an Details, die der auf reine Funktionalität ausgerichteten Häuserplanung zum Opfer fallen. Nittbaur denkt an schwäbisches Gesims, an Erker, wie den des gefährdeten Schrammelhauses an der Ecke Pfarrgasse/Mühlgasse. Auch Baulücken, die plötzlich entstehen, würden das Stadtbild schmälern: Der neu geschaffene Parkplatz an der Dillinger Straße etwa, der als vollkommen kahle Fläche ein Fragezeichen setzt. Nittbaur hat schon in seiner Zeit als Kunstlehrer einen „Maulkorb“ verpasst bekommen, als er mit seinen Schülern eine Arbeit und Ausstellung über die Bauentwicklung gemacht hat und diese einige „Bausünden“ präsentiert haben. Mit den Jahren hat er sich „nicht verbiegen lassen“, wie er sagt. Und so meint er auch, dass die Gefahr einer Bedrohung durch schlechte Architektur in der Innenstadt oder durch Architektur von der Stange nach wie vor aktuell sei.

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