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Wertingen

21.03.2019

„Fasten ist für den Körper oft zusätzlicher Stress“

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Wer extrem übergewichtig ist oder sich sehr erschöpft fühlt, kann sich oft sich auf Frühlings-Fastenkuren einlassen, sagt Heilpraktiker Christian Knittl.
Bild: dpa (jbü/hgr tig htf)

Der Heilpraktiker Christian Knittl sieht höchstens bei einem Drittel der Menschen Frühlings-Fastenkuren als sinnvoll an. Oftmals sei der Körper durch Ernährungsreduktion allein nicht in der Lage zu entgiften.

Nur für ein Drittel aller Menschen ist Fasten – „ein körperlicher Frühjahrsputz“ – angesagt. Bei allen anderen sieht der Wertinger Heilpraktiker Christian Knittl das Fasten eher als kontraproduktiv: „Für ihren Körper bedeutet eine Fastenkur zusätzlicher Stress.“ Und mit Stress hat der 44-Jährige selbst schon vielfältige Erfahrungen in seinem Leben gesammelt.

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Wertinger Heilpraktiker selbst erschöpft

Als gelernter Industriekaufmann arbeitete Christian Knittl viele Jahre als Projektmanager, war weltweit unterwegs und ging beruflich immer wieder an seine Grenzen. Als er irgendwann merkte, dass es für ihn beruflich noch etwas anderes als seinen Vertriebsjob gibt, bereitete er sich auf die Heilpraktikerprüfung vor und legte diese 2014 ab. Parallel dazu trennte sich der zweifache Vater im gleichen Jahr von seiner Frau und tourte mit der Joe-Hieger-Band - Ein vielseitiges Ensemble - durch die Lande. „Am Ende des Jahres war ich durch“, sagt er heute rückblickend. Das folgende Jahr verschrieb er sich selbst notgedrungen viel Ruhe.

„Wir sind eine erschöpfte Gesellschaft“, sieht der 44-Jährige. „Komm auf geht’s, das geht schon“ – solche Sätze seien ihm in seiner eigenen Erschöpfungsphase immer wieder begegnet. Geholfen hätten sie ihm in dieser Situation allerdings keineswegs. Dafür nahm er die Hilfe von verschiedenen Therapeuten an und probierte unterschiedliche Therapieformen aus. Dabei erkannte er für sich: „Mittelchen alleine helfen nicht und lediglich das Erkunden, was los ist, ebenso wenig.“ So setzte sich bei ihm immer mehr der Gedanke fest, dass sich unterschiedliche Ansätze bei einer Therapie ergänzen müssen. „Die Medizin ist wie ein großer Werkzeugkasten, der über der Welt ausgeleert wurde“, sagt Christian Knittl. „Wir müssen zusammenarbeiten, denn alles hat seine Grenzen.“ Daher hat er selbst sich mit zwei Kolleginnen zusammengetan und eine gemeinsame Praxis in Augsburg eröffnet.

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Gemeinsam behandeln sie derzeit beispielsweise eine Patientin, die 160 Kilogramm auf die Waage bringt. Klar seien durch das Gewicht das Herz und andere Organe beeinträchtigt. Doch von einer Frühjahrs-Fastenkur rät Knittl ihr in der momentanen Situation ab. „Radikales Fasten ist für Leute, die die Kraft und Zeit dafür haben“, so Knittl. Menschen beispielsweise, die im Winter zuviel der schmackhaften Kekse gegessen und dadurch ein paar Pfunde zugelegt haben – „ein normales Auf und Ab ohne Krankheitswert“. Diese spürten mit einer gewissen Achtsamkeit gegenüber sich sich selbst: „Jetzt ist Frühjahrsputz angesagt, und zwar auf Körperebene.“ Nach dem kalten Winter, in dem wir uns lieber in unseren Häusern eingemummelt hätten und unser Organismus eher wärmende Pakete auf die Rippen und Organe gepackt habe, bekämen wir mit der warmen Frühlingssonne einen Impuls, mal wieder richtig durchzulüften und aufzuräumen. „Dieser Impuls setzt sich in unserem gesamten Organismus fort“, sagt Knittl, „vom Drang die Wohnung aufzuräumen bis zur Entgiftung unseres Körpers.“ So scheide unser Organismus den Stoffwechselmüll aus, der sich in stoffwechselträgen Wintermonaten angesammelt habe.

Körper auf Erholungsurlaub

Durch das Fasten im Frühjahr schicken wir unseren Verdauungsapparat laut Knittl quasi auf Erholungsurlaub. „Anhand der Müdigkeit, die sich nach einer üppigen Mahlzeit in uns breit macht, kann man nachvollziehen wie viel Energie die Verdauungsleistung unserem Organismus abfordert“, gibt er zu bedenken. „Diese Energie steht unserem Organismus beim Fasten nun komplett für Entgiftungsprozesse zur Verfügung.“ Durch das Entgiften könnten entzündliche Prozesse reduziert und unser gesamter Stoffwechsel verbessert werden, was sich in mehr Frische und Energie für den Tag äußere.

Die alljährliche Frühjahrsgrippewelle liege laut Knittl auch ein Stück weit darin begründet, dass die Entgiftung nach dem Winter nicht ausreichend funktioniert habe: „Zum Beispiel weil wir in unserer hektischen Zeit nicht den Raum dafür hatten oder weil unserem Körper die Kraft oder Vitalstoffe für Entgiftungsprozesse fehlten.“ Durchfall, Niesen, Schneuzen, Schwitzen seien dann mitunter auch Entgiftungsreaktionen des Körpers auf die etwas heftigere Art.

Mit wenigen Worten fasst Christian Knittl zusammen: „Fasten ist eine wunderbare Sache für aktive Menschen.“ (mit pm)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Birgit Alexandra Hassan:

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