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Freiheit in Corona-Zeiten

Kommentar Von Birgit Alexandra Hassan
08.06.2020

In Wertingen gibt‘s Kino und bald auch wieder ein offenes Freibad. Beides allerdings mit strengen Auflagen. Da stellt sich die Frage nach der persönlichen Freiheit.

Endlich wieder Open-Air-Kino. Juhuu, tanzen und ins Fitness-Studio. Die Freibäder öffnen ihre Pforten …

Wer glaubt, damit sei alles beim Alten, der irrt gewaltig. Autos sollen mit Mindestabständen von 1,5 Metern geparkt, Toilettengänge möglichst vermieden werden, Ticketkauf und Bezahlung laufen online. Vorschriften und Regeln gibt es zuhauf in diesen Tagen – sinnvolle ebenso wie fragwürdige. Während die einen allwöchentlich auf die Straße gehen und bei Demonstrationen öffentlich dazu aufrufen, die Vorschriften den aktuellen Realitäten anzupassen, ignorieren andere einfach die angesagten Regeln. Einige fürchten Krankheit und Tod, andere Geldbußen und Denunzierungen.

Bei allen Unterschieden gibt es zumindest eine Parallelität: Die Menschen fühlen sich teilweise ohnmächtig. Ohnmächtig gegenüber Krankheit und Tod, gegenüber anderen Menschen und der Ignoranz.

Müssen wir derzeit tatsächlich unser Leben ganz aus der Hand geben? Haben wir jegliche Macht über uns selbst verloren?

Die Frage des Todes steht in letzter Konsequenz außerhalb unserer Macht. Großen Einfluss dagegen haben wir darauf, wie wir leben, nachfragen und entscheiden.

Beim Wertinger Open-Air-Kino haben sich bisher viele gegen einen Besuch entschieden. Ob es am Wetter, Film oder der notwendigen frühzeitigen Online-Ticket-Besorgung lag, ist schwer auszumachen. Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier jedenfalls hat die Ticket-Vorgabe als fragwürdig erachtet und beim Landratsamt nachgefragt. So können potenzielle Kinobesucher ab sofort ihr Ticket kurzfristig vor Ort kaufen. Beim Freibad plant er es ebenfalls einen Ticketverkauf vor Ort. Weniger computeraffine Menschen werden es ihm danken. Buttenwiesens Bürgermeister Kaltner dagegen hat die Sanierung des Funktionsgebäudes einer Freibadöffnung vorgezogen.

Alles Entscheidungen und kleine Beispiele für die Macht und Freiheit von Bürgermeistern und Kommunen. Ebenso bleibt uns ganz persönlich die Freiheit, Ja und Nein zu sagen. Beispielsweise dazu, welche Einschränkungen wir wo akzeptieren, wo wir bewusst auf etwas verzichten und wo wir nach Alternativen Ausschau halten.

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