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Bauausschuss

20.07.2018

Für die Kinder wird das Wertinger Bauamt kreativ

Hier soll von Wand zu Wand ein Fluchttunnel für die Kinder entstehen. Damit gelangen sie auf der linken Seite in ein Klassenzimmer, von dem aus ein weiterer Fluchtweg erreichbar ist.
Bild: Benjamin Reif

In der Grundschule sollen Kindergartenkinder einziehen. Für den Brandschutz folgt deshalb eine ungewöhnliche Maßnahme.

Die Zusamstadt hat sozusagen ein erfreuliches Problem. Sie erlebt einen Baby-Boom, wie es zuvor wohl noch keinen gegeben hat. In den vergangenen sechs Monaten kam sehr viel Nachwuchs in die Stadt – 48 Geburten im ersten Halbjahr. Das stellt die Stadt derzeit jedoch vor die dringende Aufgabe, genügend Kindergartenplätze bereit zu stellen. Auch Zuzüge und Migration haben die Situation dringlicher gemacht, wie Geschäftsleiter Dieter Nägele sagt.

Um der Aufgabe gerecht zu werden, wurde die Stadtverwaltung kreativ: In der Grundschule wird eine Außenstelle des Kinderhauses Sonnenschein eingerichtet. In zwei Zimmern im ersten und zweiten Obergeschoss des Anbaus der Grundschule sollen ab dem 1. September 40 Kinder betreut werden.

Das geht allerdings nicht ohne eine wichtige Baumaßnahme, wie in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Mittwoch klar wurde. Einmal mehr ist es der Brandschutz, der die Dinge komplizierter gestaltet. Denn der Raum im zweiten Obergeschoss, der künftig vom Kindergarten genutzt werden soll, verfügt zwar über zwei Rettungswege, Treppenhaus und Fenster. Für Kindergartenkinder zählt allerdings letzterer laut Gesetz nicht.

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Also muss ein anderer Rettungsweg her, und zwar schnell. Denn am 1. September soll der Betrieb losgehen. Das Wertinger Bauamt zeigte sich deshalb kreativ. Stadtbaumeister Anton Fink präsentierte den Stadträten einen Plan, wie die Kinder Zugang zu einem zusätzlichen Rettungsweg bekommen sollen. Mit einer Art Tunnel, der von einem Klassenzimmer in ein anderes auf der gegenüber liegenden Seite des Ganges führen soll. Von dem dann erreichten Raum haben die Kindergartenkinder dann über angrenzende Klassenzimmer Zugang zu einem anderen Treppenhaus und damit einem zweiten Rettungsweg. Dafür müssen an beiden Räumen die Mauern durchbrochen werden.

Ein Tunnel muss das Konstrukt sein, da es die Kinder im Brandfall von Feuer und Rauch abschirmen soll. Er soll 2,5 Meter Hoch, 1,20 Meter breit und 4,30 Meter lang werden. Um die Sicherheit zu erhöhen, soll außerdem eine Gegensprechanlage im Tunnel installiert werden. Außerdem wird an der Außenwand ein neues Fenster eingebaut werden.

Die Stadtverwaltung zeigt sich sicher, dass das Projekt trotz straffem Zeitplan pünktlich fertig wird. Sofort nachdem die Grundschulkinder in die Ferien entschwunden sind, sollen die Arbeiten beginnen. Eine Baufirma sei trotz der schwierigen Lage am Arbeitsmarkt gefunden worden, sagt Stadtbaumeister Anton Fink. Stadtrat Franz Bürger (CSU) warf die Frage in den Raum, ob die knapp 32000 Euro, welche die Baumaßnahme wohl kosten wird, im laufenden Jahr zur Verfügung gestellt werden können. Bürgermeister Willy Lehmeier versicherte: „Wir sind finanziell auf der sicheren Seite.“

Parteiübergreifend waren die Ausschussmitglieder voll des Lobes über den Plan, welcher einstimmig angenommen wurde und jetzt an das Landratsamt geht, welches über ihn entscheiden wird. Cilli Wiedemann (CSU) sprach der Verwaltung im „Namen der Mütter“ ihren Dank aus. Auch Peter Hurler von den Grünen sprach von einer „guten Maßnahme“ – doch ob das Landratsamt diese so einfach abnicken wird, ist in seinen Augen nicht sicher. „Vielleicht ist das Zimmer nach einer solchen Maßnahme nur noch eingeschränkt nutzbar“, sagte Hurler und meinte damit weitere Auflagen, die das Landratsamt fordern könnte. Bürgermeister Lehmeier entgegnete, dass das Zimmer nicht mehr genutzt werde wie bisher – etwa werde im Raum kein Lehrerpult mehr stehen, welches den Rettungsweg blockieren könne.

Unstrittig wurde besprochen, dass die Unterbringung in der Grundschule nur eine Übergangslösung sein könne. Die Stadt will einen weiteren Kindergarten bauen – zumindest im Bauausschuss schien das auf breiten Konsens zu stoßen. Vor 2021 wird dieser laut Geschäftsführer Dieter Nägele aber kaum fertig sein.

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