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Wertingen/Buttenwiesen

18.03.2020

Gestrandet in der Ferne

Situation am Flughafen in Manila am Montag: „Die Leute erweitern sogar von Masken auf Plastik-Regenmäntel inklusive Gesichtsschutz und teilweise Handschuhe.“
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Situation am Flughafen in Manila am Montag: „Die Leute erweitern sogar von Masken auf Plastik-Regenmäntel inklusive Gesichtsschutz und teilweise Handschuhe.“
Bild: Stalla

Plus Aufgrund der Pandemie ist der Flugverkehr weltweit stark eingeschränkt worden. Wir haben mit Bürgern der Region gesprochen, die nun Probleme haben, zurück nach Deutschland zu kommen.

Die ersten Tage waren wunderschön, Nadine Stalla aus Unterthürheim und ihr Verlobter Patrick Riha flogen am 5. März in ihren längst gebuchten Urlaub mit Inselhopping auf die Philippinen. „Über Corona wurde da zwar schon gesprochen, aber die Lage war in Deutschland eben noch nicht so dramatisch. So entschieden wir uns für den Abflug“, sagt Stalla. Kommenden Sonntag sollte jetzt der planmäßige Rückflug sein, doch die weltweiten Entwicklungen überstürzten sich. Es wurde fraglich, ob ihre Anschlussflüge überhaupt angetreten werden könnten. Schließlich wurde ihr Rückflug sogar komplett gecancelt. Da befand sich das Paar am vergangenen Wochenende noch auf der Insel Palawan. Es wurde eng: „Da der Shutdown auf den Philippinen befürchtet werden musste, bei dem alle Inlandsflüge gestrichen werden, mussten wir schauen, dass wir in die Hauptstadt gelangen.“

Viele Flüge zurück nach Deutschland fallen aus

Am Montag ergatterten sie tatsächlich gerade noch vor Einstellung des philippinischen Flugverkehrs einen Shuttleflug in die Nähe von Manila, um von dort zum Flughafen zu gelangen. „Einen möglichen Flug von Manila über Singapur, Athen nach München durften wir jedoch nicht antreten, da wir innerhalb der vergangenen 14 Tage aus Deutschland aus- und auf den Philippinen eingereist waren.“ Nadine Stalla und ihrem Verlobten wäre nämlich die Einreise in Singapur, obwohl nur zum Zwecke des Umsteigens, verweigert worden. „Die Situation ist total unwirklich, wir konnten das alles nicht glauben, es ist unfassbar, beängstigend. Nichts ist sicher, wir bekommen keine Infos, vieles nur zufällig mit.“

Die Menschen seien zwar hilfsbereit, auch in ihrem kurzfristigen Hotel in Manila, wo sie mit dem ausverkauften Mundschutz beschenkt wurden, um überhaupt in Restaurants und Geschäfte eintreten zu dürfen. Allerdings mussten die beiden am Dienstag auschecken, da das Haus am gestrigen Mittwoch schloss und alle Ausländer das Land verlassen müssen. „Wir hoffen jetzt, dass wir einen Flug am Mittwochabend über Abu Dhabi, den wir durch Zufall am Flughafen angeboten bekamen, antreten können“, erzählte die 30-Jährige der Wertinger Zeitung am Telefon, die natürlich mit ihrer Mutter und Schwester in Unterthürheim regelmäßig Kontakt hält. Bei Redaktionsschluss stand leider noch nicht fest, ob der Abflug geklappt hat.

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Ein Wertinger kann nicht aus Saudi-Arabien zurückkommen

Auf gar keinen Fall nach Hause fliegen kann Christian Buberl. Der 55-Jährige arbeitet seit fünf Jahren für eine holländische Firma in Saudi-Arabien, und dort ist der komplette Flugverkehr eingestellt. „Als wir letzte Woche telefonierten, war die Situation noch die, dass niemand ins Land einreisen darf. Daher entschlossen wir uns, dass mein Mann erst einmal an seiner Arbeitsstätte bleibt und den geplanten turnusmäßigen Heimbesuch ab 30. März erst einmal nicht antritt“, erzählt Gabriele Buberl. Seit 25 Jahren ist das Wertinger Paar verheiratet, bereits seit 2009 führen sie eine Fernbeziehung, da der Metallbautechniker zunächst in Katar, dann in Dubai und nun in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, arbeitet. Im Wüstenstaat werden derzeit viele Bahnhöfe gebaut und Christian Buberl ist beim Bau der Bahnhofsgebäude im Einsatz.

„Ich bin das ja gewohnt, dass mein Mann nur alle paar Monate nach Hause kommt – dann allerdings für mehrere Wochen“, erzählt die zweifache Mutter. Der Entschluss, aufgrund der Lage den Besuch zu verschieben, war daher ganz klar, schließlich hätte ihr Mann ja dann nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren können. Doch die jetzige Situation sei eben eine komplett andere, denn jetzt kann ihr Mann gar nicht mehr ausreisen. „Wir wollten außerdem eine Woche nach Prag, das hatte ich mir zum 60. gewünscht.“ Jetzt aber sitzt ihr Mann im Land zwischen Persischem Golf und Rotem Meer fest, wo derzeit auch alles geschlossen ist.

Die Söhne haben ihren Vater zuletzt in den Weihnachtsferien gesehen

Die Söhne Julian (25) und Raphael (23) haben ihren Vater zum letzten Mal in den Weihnachtsferien gesehen, als er bis zum 6. Januar in Wertingen war. Gabriele und Christian Buberl warten nun ab, wie es weitergeht, telefonieren täglich. „Mein Mann wird von der Deutschen Botschaft täglich per Mail mit Informationen versorgt.“ Und wer weiß, eventuell werden trotz des Flugverbotes auch von dort, wie von Außenminister Heiko Maas ja schon für andere Länder angekündigt, die deutschen Bürger ausgeflogen.

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