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Cyberattacke

28.01.2019

Griffen russische Hacker das Wertinger Radiomuseum an?

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Kriminelle haben im Sommer den Internetspeicher des Wertinger Radiomuseums gekapert. Was sie damit bezwecken wollten, ist dem ehrenamtlichen Internetbeauftragten Franz Käsinger nicht klar. Er vermutet, dass seine Webseite nicht der Fokus der Attacke war – sensible Daten seien dort nicht zu holen gewesen.
Bild: Oliver Berg dpa 

Halb kurios, halb beängstigend: Der Internetauftritt des Wertinger Museums wurde anscheinend zum Ziel für ausländische Kriminelle.

Es war ein Tag voller unschöner Überraschungen, den der Pfaffenhofener Franz Käsinger im Sommer erlebte, nachdem er sich an seinem Computer angemeldet hatte. Zum Europäischen Tag der Datensicherheit erzählt er von dieser Episode, die halb kurios und halb beängstigend erscheint. Denn offenbar geriet das Wertinger Radiomuseum ins Visier von russischen Hackern.

Käsinger organisiert den Internetauftritt des Radiomuseums ehrenamtlich, wie auch für die Pfaffenhofener Fischer und die Oldtimerfreunde. Er bezeichnet sich nicht als Profi in Fragen der Cybersicherheit, hat aber ein gewisses Basiswissen. „Aber sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 63-Jährige. „Das war schon abenteuerlich.“

Ausländische Kriminelle hatten die Webseite des Radiomuseums gekapert

Käsinger hatte an diesem Morgen eine Email in seinem Postfach. Diese stammte von dem großen Anbieter „One.com“ mit Sitz im dänischen Kopenhagen. Diese Firma stellt gegen Miete den Speicherplatz für die Webseite des Radiomuseums bereit. In dieser Mail schrieb der Anbieter, dass der Speicherplatz für die Nutzung überschritten worden sei. Rund 60 Gigabyte an Daten seien auf dem Server eingelaufen. Käsinger traute seinen Augen kaum, als er die Zahl las: Die gesamte Webseite verbraucht seiner Aussage zufolge nur rund 1,2 Gigabyte. „Da stimmt was nicht“, war sein erster Gedanke. Er versuchte sofort, auf die Webseite zuzugreifen. Doch das war fast nicht möglich, die Webseite konnte nicht aufgerufen werden, alles ging extrem langsam.

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Der Buttenwiesener wechselte in das Menü der Seitensteuerung. Dort erwarteten ihn Zahlen, die mit dem normalerweise beschaulichen Verkehr auf der Webseite wenig zu tun hatten: Rund 8000 Aufrufe am Tag prasselten auf die Webseite ein. In den Verwaltungsdaten stand, dass die meisten Aufrufe aus Russland kamen. Alles, was sich an gespeicherten Daten bei dem Anbieter befand, konnte Käsinger nicht mehr selbst öffnen.

Jetzt bekam Käsinger ein mulmiges Gefühl. Er versuchte sofort, den Anbieter One.com zu kontaktieren. Doch das war nicht so leicht, wie er sich erhofft hatte. „Da kann man leider nicht einfach anrufen“, sagt der Pfaffenhofener. Telefonisch ist das weltweit tätige Unternehmen schlicht nicht zu erreichen. Er möge sich bitte an den Support wenden, per Email, hieß es auf der Seite des Anbieters. Das tat Käsinger, und erhielt dann nach einigem hin und her eine Antwort von „Guilia“ von One.com, die ihm in gebrochenem Deutsch erklärte, dass die Techniker der Firma „schädliche Inhalte“ auf dem vom Radiomuseum gemieteten Speicherplatz entdeckt hätten.

Alle Daten sollten gelöscht werden, doch auch das gestaltete sich schwierig

Jetzt stand für Käsinger fest: Alles musste auf der Webseite gelöscht werden, und zwar schnell. Doch auch das war schwerer als gedacht. Denn die Angestellten von One.com zeigten sich misstrauisch, ob die Anfrage von Käsinger legitim war. Die Webseite lief nicht auf seinen Namen, im Impressum ist dort der Wertinger Otto Killensberger aufgeführt. Also musste dieser eine Vollmacht unterschrieben und an die Firma schicken, damit schließlich alle Daten auf dem gemieteten Speicherplatz gelöscht werden konnten. Von Käsingers Entdeckung bis zur Löschung waren mehr als vier Tage vergangen. Doch im Nachhinein ist Käsinger froh, dass das Unternehmen sich die Zeit nahm, die Anfrage zur Löschung genau zu prüfen. „Sonst könnte ja jeder kommen und irgendwelche Sachen löschen lassen“, sagt der Pfaffenhofener.

Franz Käsinger fragt sich bis heute, was die ungebeten Gäste im Cyberspace eigentlich wollten. Sensible Daten waren seiner Aussage nach ohnehin nicht auf der Seite gespeichert, sondern nur öffentlich Einsehbares. „Wahrscheinlich ging es den Hackern nur um den Speicherplatz, um irgend etwas damit zu tun“, vermutet er.

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