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Corona-Lockerung

21.04.2020

Kurz vor acht warten die ersten Kunden

Geschäftsführerin Gabriele Bschorr (links) von Garten Reiter in Wertingen berät das Ehepaar Brigitte und Steffen Maly-Notta aus Allmannshofen bei der Pflanzenauswahl.
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Geschäftsführerin Gabriele Bschorr (links) von Garten Reiter in Wertingen berät das Ehepaar Brigitte und Steffen Maly-Notta aus Allmannshofen bei der Pflanzenauswahl.
Bild: Bärbel Schoen

Nach vier Wochen Stillstand öffneten am Montag wieder Gärtnereien, Baumschulen und Baumärkte. Blumenerde ist ähnlich gefragt wie Toilettenpapier. Warum manche erst mit etwas Verzögerung öffnen

Staus rund um die Baumärkte und Gartencenter, lange Schlangen an den Kassen: Beides sollte verhindert werden, und beides blieb am Montag aus. Renate Böck hält in ziemlicher Einsamkeit Ausschau nach Pflanzen. Sie ist extra aus Welden nach Wertingen gekommen, um sich mit Kräutern und Stauden einzudecken, die den Winter nicht überlebt haben. Sie trägt einen selbst genähten Mundschutz, der mit Teefilterpapier gefüttert ist. „Ich gehöre ja mit über 70 zur Risikogruppe“, erklärt sie.

Gabriele Bschorr, eine der Geschäftsführerinnen der Baumschule Reiter in Wertingen, erlebt den ersten Tag nach vier Wochen Zwangspause mit gemischten Gefühlen. Einerseits macht es sie glücklich, dass kurz vor acht bereits die ersten Kunden vor der Eingangstür warten, anderseits gibt es strenge Vorschriften. „Die Menschen wollen sich in dieser schwierigen Zeit an ihrem Garten erfreuen und sehnen sich nach bunten Blumen, Stauden und Beerensträuchern“, sagt sie. Mit Gartenerde hätten sich viele schon über den Lieferservice eingedeckt, sodass diese an manchen Tagen sogar aus war wie das Toilettenpapier in den Supermärkten. Der Beratungsbedarf in der Baumschule sei mittlerweile riesengroß. Der Kalender füllt sich jetzt immer schneller mit Terminen. Gabriele Bschorr muss gemeinsam mit ihren Geschwistern dafür Sorge tragen, dass die Hygienevorschriften strikt eingehalten werden. „Die sind ganz streng“, erklärt sie. Das Tragen von Mundschutz für sie und die Mitarbeiter ist zum Beispiel generell Pflicht. Die Parkplätze vor und hinter der Baumschule sind während des ersten geöffneten Tages stets gut belegt. Trotzdem verlaufen sich die Kunden auf dem 10000 Quadratmeter großen Gelände. „Zum Glück“, sagt Gabriele Bschorr mit großer Erleichterung. Die Vorschrift, ein Kunde pro 20 Quadratmeter, könne damit eingehalten werden.

Der plötzliche Shutdown vor vier Wochen hat die Abläufe in der Baumschule völlig verändert. Im Büro habe man das am deutlichsten gespürt. Die telefonischen Bestellungen hätten zugenommen, und der Onlineshop wurde ebenfalls stark frequentiert, berichtet Bschorr. Auf dem Gelände stehen zahlreiche Schilder: „Wir können Waren kurzfristig beziehen. Die Versorgung ist langfristig gesichert“, steht da zum Beispiel. Oder „Bitte bezahlen Sie möglichst ohne Bargeld“ und „Bitte nur mit einer Person pro Haushalt betreten“. Der Boden ist mit rot-weiß gestreiften Bändern versehen, die den Abstand von 1,5 Metern markieren.

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An duftenden Nelken, Violen und Blaukissen zieht das Ehepaar Brigitte und Steffen Maly-Notta aus Allmannshofen vorbei. „Wir dachten, dass mehr los ist.“ Ihr Einkaufswagen ist bestückt mit allerlei Pflanzen – ein Kiwistrauch, Lavendel und Beetrosen. Wenn die Eisheiligen im Mai vorüber sind, wollen sie wiederkommen und sich mit Gemüsepflanzen eindecken.

Die zieht zum Beispiel Karl Hurler, Gärtnermeister und früherer Stadtrat aus Wertingen. In seinen stillgelegten Gewächshäusern sät und zieht der 71-jährige Rentner wieder Salate, Tomaten, Gurken, Paprika und Kräuter. „Ich kann’s nicht lassen“, erzählt er am Telefon und lacht. Vor allem Stammkunden schätzen seine Pflanzen. Die Auswahl sei allerdings nicht groß. „Das, was da ist, verkaufe ich“ – auch er jetzt mit den geforderten Auflagen wie Mundschutz, Abstandsregelung und Desinfektionsmittel.

Die Gärtnerei und Floristik „Passiflora“ in Buttenwiesen hatte am Montag noch geschlossen. Corinna Kratzer erklärt, warum: „Wir sind mit den Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter und unsere Kunden nicht rechtzeitig fertig geworden.“ Die vergangenen vier Wochen seien schwer gewesen und bedeuteten eine Extrem-Situation mit Existenzängsten. „Wir tragen die Verantwortung für zehn Mitarbeiter.“ Jede Woche stand die bange Frage im Raum, wie es weitergehen wird, während der Laden voller Blumen stand. Mithilfe von treuen Kunden, die den Lieferservice nutzten, konnte die Lage einigermaßen überbrückt werden. „Wir hoffen, dass die Kunden ab Dienstag wieder kommen.“ Ein buntes Blumenmeer aus Geranien und Petunien und der Duft nach frischen Kräutern könnte die Sehnsucht nach etwas Normalität stillen helfen.

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