11.06.2018

Letzte Wünsche wagen

Mit einem solchen „Wünschemobil“ können ab Dezember auch in der Region schwerstkranke Menschen auf Reise gehen und sich damit letzte Wünsche erfüllen. Das Fahrzeug ist speziell medizinisch ausgestattet und verfügt über spezielle Stossdämpfer. Es hat eine Rundum-Verglasung und bietet einen Panoramablick.
Bild: ASB-Pressedienst

Arbeiter-Samariter-Bund Schwerstkranke Menschen können noch kurz vor dem Lebensende persönlich bedeutungsvolle Orte besuchen. Der „Wünschewagen“ des ASB macht es möglich

Wertingen Mit einem „Wünschewagen“ gehen jetzt auch in der Region letzte Wünsche in Erfüllung. Wenn das Lebensende naht und der nahe Tod zur traurigen Gewissheit wird, werden letzte Herzenswünsche an den letzten Rest vom Leben laut. Viele Menschen haben kurz vor ihrem Lebensende noch Wünsche offen.

Sie haben das drängende Bedürfnis, noch einmal Orte von persönlicher Bedeutung zu besuchen. „Wenn ich doch nur könnte, dann würde ich so gerne noch einmal das Meer, die Ostsee sehen“ oder „ ich würde so gerne noch einmal auf die Zugspitze fahren.“ Diese und ähnliche Wünsche hören ehrenamtliche Mitarbeiter des mobilen, sozialen Hilfsdienstes des Arbeiter Samariterbundes in Wertingen von alten oder schwerstkranken Menschen.

Manche der Betroffenen wünschen sich kurz vor dem Lebensende, noch einmal ein bestimmtes Fußballstadion zu besuchen. Noch einmal ein Spiel der Lieblingsmannschaft in live erleben, sei ein oft genannter Wunsch, berichten die Helfer. Oft sind es neben großen Wünschen auch eher einfache Wünsche, die Menschen mit einer nur noch geringen Lebenserwartung umtreiben. „Ich will noch einmal nach Hause“, oder „ich will bei der Hochzeit meiner Enkelin dabei sein“, sind ebenfalls oft geäußerte Wünsche, berichtet Joachim Keil, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes Regionalverband Dillingen- Donau-Ries, aus der Praxis.

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„Bisher konnten wir in unserer Region Wünsche dieser Art wegen mangelnder technischer Voraussetzungen, nicht erfüllen“, sagt er. Doch ab Dezember wird es im Raum Wertingen, Dillingen und Donau-Ries ein speziell auf solche Wünsche abgestimmtes und ausgestattetes Fahrzeug geben. Aktuell bereitet in Wertingen und Dillingen ein Projektteam aus den Bereichen Pflege und Palliativversorgung gemeinsam mit den ASB-Verbänden Allgäu, Augsburg und Neu-Ulm den Einsatz eines solchen besonders auf spezielle Bedürfnisse abgestimmtes Fahrzeuges, einen „Wünschewagen,“ im Raum Allgäu/Schwaben vor. Das Fahrzeug wird in der nahen Zukunft in Kaufbeuren stationiert sein und nach Bedarf in den verschiedenen Regionen zum Einsatz kommen.

Mit spezieller Ausstattung, wie besondere Stoßdämpfer und einer mit Luftfederung ausgestatteten, gemütlichen Liege soll die Fahrt mit dem „Wünschemobil“ höchsten individuellen gesundheitlichen Ansprüchen von schwerstkranken Menschen genügen.

Ein harmonisches Konzept aus Licht und Farben soll die Fahrt für geschwächte und kranke Menschen, mit nur noch einer geringen Lebenserwartung, möglich machen. Eine Rundum-Verglasung des Fahrzeugs bietet dem Fahrgast einen Panoramablick auf die Umgebung und gewährt ihm viele Eindrücke.

„Der Fahrgast, mit seinen individuellen Bedürfnissen, steht während der gesamten Fahrt im Mittelpunkt,“ betont Joachim Keil. Die Größe des Wagens macht die gemeinsame Fahrt mit einem persönlichen Begleiter aus dem Familien- oder Freundeskreis möglich. Zwei ehrenamtliche Helfer sind ebenfalls mit an Bord.

Die verantwortungsvolle, ethisch und psychologisch anspruchsvolle Begleitung und Betreuung von schwerstkranken Menschen stellt hohe fachliche Anforderungen. „Wir suchen dafür dringend ehrenamtliche Helfer, die bereit sind, sich voll auf die Bedürfnisse der Fahrgäste einzustellen,“ sagt Projektleiterin Marion Schmelcher. Gesucht werden ehrenamtliche Helfer mit fachlichem Hintergrund aus den Bereichen Gesundheit, Pflege, Psychologie und dem Rettungsdienst. „Die Erfüllung letzter Wünsche ist mir selbst eine Herzensangelegenheit“, betont der Geschäftsführer. Als ehemaliger Rettungsassistent will er selbst einen ehrenamtlichen Beitrag leisten.

Bewährt hat sich das bundesweite Projekt Wünschewagen schon seit Jahren. Im Bundesgebiet setzt der Arbeiter Samariter Bund bereits 16 speziell für solche Sonderfahrten ausgestattete Fahrzeuge ein. Auch in Bayern, in München, ist bereits ein solches Fahrzeug im Einsatz. In Franken ist ein weiteres Fahrzeug in Planung.

Das Projekt finanziert sich ausschließlich durch Spenden, Sponsorenmitteln und über die Mitgliedsbeiträge. Keil hebt hervor: „Wir sind auch auf schwerstkranke Kinder eingestellt, damit der Wünschewagen auch in unserer Region ein Erfolg wird, suchen wir dringend Ehrenamtliche Helfer und Sponsoren.“

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