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Landkreis Dillingen

23.12.2020

Mit diesen Tipps gehen Sie ohne Streit durch die Weihnachtstage

In der Weihnachtszeit ist oft mehr „Negativ-Potenzial“ drin als in einer normalen Woche im Jahr. Deshalb rät Julia Unger vom Familienbüro in Wertingen, dass bei aufkommendem Stress jeder die Möglichkeit für eine kleine Auszeit haben soll.

Plus Stress und Streit an den Weihnachtsfeiertagen? Das muss nicht sein. Julia Unger vom Familienbüro Wertingen gibt Tipps, wie man eine friedliche Zeit erlebt.

In diesem Jahr sind Familienfeiern durch die Kontaktbeschränkungen an Weihnachten auf die engsten Verwandten reduziert. Und auch danach gibt es kaum Möglichkeiten, sich eventuellen Konflikten andernorts zu entziehen. Doch barg womöglich die Tatsache, dass am 16. Dezember mit dem Lockdown alle Geschäfte geschlossen wurden, nicht gerade eine Chance, vor den letzten beiden Wochen im Jahr zu entschleunigen und alles heuer etwas ruhiger angehen zu lassen? Wie sind die Erkenntnisse im Familienbüro in Wertingen? Ist das Jahresende heuer entspannter in puncto Familienhilfe oder gerade wegen der Situation noch dringlicher? Und welche Tipps gibt es für dennoch friedvolle Tage zwischen den Jahren? Wir haben bei Julia Unger nachgefragt.

Warum Weihnachten heuer entspannter ist

Frau Unger, haben Sie das Gefühl, dass es heuer weniger stressig ist, da seit einer Woche der Run auf die Geschäfte und die damit verbundene Panik samt Konfliktpotenzial wegfällt?

Das kann man pauschal nicht so sagen, es gibt beides und das Dazwischen. Es gibt Familien, in denen es extrem schwierig wird, da diese nur noch aufeinander sitzen, und man sich nicht mehr aus dem Weg gehen kann, da wird einiges aufbrechen. Die Opfer in Familien mit Gewalt haben überhaupt keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Es gibt aber auch Familien, wo man merkt, dass gerade die Tatsache, dass man eben auf die Kernfamilie zurückgeworfen ist, das Ganze viel mehr beruhigt. Dass nicht die ganze Großfamilie kommt, man vorher nicht noch zig Sachen erledigen muss, das entspannt einige dann doch heuer merklich. Ich höre das ab und an von Klientenfamilien, dass der Wegfall von Druck in diesem Jahr, nicht alles wie üblich abhalten zu müssen, bei einigen sehr positiv wirkt. Zudem hilft die Tatsache, dass es nicht selbst entschieden, sondern vorgegeben ist, dass Weihnachten 2020 in begrenzter Teilnehmerzahl ablaufen wird.

Julia Unger

Aber nochmals zum Thema Gewalt, das uns ja in diesem Corona-Jahr schon merklich beschäftigte, da es für die Opfer wenig bis gar keine Rückzugsmöglichkeiten gab und gibt?

Es ist schon so, dass die Weihnachtszeit mit ganz viel Gefühl, Vorstellungen und Erwartung verbunden ist. Da ist prinzipiell schon mehr Negativ-Potenzial drin als in einer normalen Woche im Jahr. Zudem hat Weihnachten oft Wettbewerbscharakter: Wo ist es schöner, toller, besser?

Für eine halbe Luft schnappen, hilft

Gibt es dennoch Tipps, diese Zeit zu überstehen, aufkommenden Stress zu vermeiden?

Ganz wichtig ist, dass jeder Zeit für sich hat. Gerade in Familien mit kleinen Kindern ist das schwierig, aber notwendig. Es wäre gut, wenn es möglich wäre, dass der Einzelne mal wenigstens für eine halbe Stunde Luft schnappen könnte.

In wahrsten Sinne des Wortes! Oder auch tatsächlich zu Hause, selbst wenn die Räumlichkeiten beengt sind?

Genau, auch zehn Minuten Ruhe für eine Tasse Kaffee oder Tee, ein Bad oder ähnliches helfen da schon. Raus aus der Verantwortung ist das Stichwort.

Eben Auszeiten schaffen, in denen jedes Familienmitglied rund um die Bescherung und Weihnachtsmenü sowie Silvestervorbereitungen, wenn auch überschaubar heuer, seinen Interessen und Bedürfnissen nachgehen und sich auch mal zurückziehen kann. Apropos Silvester, es wird/soll keine Partys geben – das ist gerade für junge Menschen bitter. Wie kann hier dennoch der Jahreswechsel ohne Stress und Streit gelingen? Wie können Eltern Jugendlichen, Pubertierenden helfen, das zu akzeptieren?

Ich glaube, was ich erlebt habe, dass es schwierig wird, die Jungen komplett vom Feiern abzuhalten. Wir als Eltern können vermitteln, dass es sich um ein Jahr, maximal um zwei Jahre handelt, wo es nun mal so ablaufen muss, gemessen an der Summe der Jahre, die noch kommen wird, also erträglich. Man sollte überlegen, wie man das neue Jahr im Familien- statt im gewohnten Kreis begehen kann. Es ist zudem eine Chance zu überdenken, was man wirklich braucht und will.

Gibt es eine Alternative zur Feier unter dem Christbaum?

In diesen Zeiten auch in puncto Medienkonsum, da hat dieses spezielle Jahr ja auch zu noch mehr Nutzung geführt? Aber Zoom und Watch-Partys könnten doch eine Alternativlösung sein?

Ja, die Jugend nutzt diese Mittel schon sehr kreativ, in diesem Fall sinnvoll. Das Thema Mediennutzung prinzipiell in diesem Jahr wird uns allerdings noch auf die Füße fallen. Das ist uns in vielen Fällen sehr entglitten.

Wenn Ängste und Sorgen zu groß werden, kann es hilfreich und entlastend sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch in Corona-Zeiten gibt es an Weihnachten telefonische Beratungs- und Seelsorgeangebote (Telefonseelsorge, Nummer gegen Kummer etc.). Im Schaufenster des Familienbüros in Wertingen sind die Telefonnummern ausgehängt. Dies sind unter anderem die „Nummer gegen Kummer“, Telefon 116111 (montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr), das Elterntelefon 08001110550 (montags bis freitags 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr, Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ Telefonnummer 08000116016 oder die Telefonseelsorge unter den Nummern 0800/1110111, 0800/1110222 oder unter 116 123.

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