Landleben

06.06.2017

Mut zum wilden Garten

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Durch ihren „Hortus Aquaveganum“ (siehe Schild unten) in Binswangen, der eine enorme Artenvielfalt ermöglicht, führt die Politikerin Heidi Terpoorten.

In Binswangen gibt es einen „Hortus Aquaveganum“. Durch den führte kürzlich die Politikerin Heidi Terpoorten und erklärte, warum zwischen Schotter und Steinhaufen alles blüht

Was um Gottes Willen ist ein Hortus Aquaveganum? Kommt nach den veganen Koch- und Backbüchern jetzt auch der vegane Garten?

Mein Mann und ich bewirtschaften den Garten tatsächlich biovegan. Wir verwenden keine tierischen Produkte wie Hornspäne, Mist oder Blutmehl zum Düngen. Nachdem wir vor fünf Jahren auf biovegane Ernährung umgestellt haben, ist das nur die logische Konsequenz. Bei der Namensfindung half uns das Netzwerk Hortus Insectorum (Garten der Insekten), dem wir angeschlossen sind. Bei uns spielt Wasser eine große Rolle. Daher der Teilname Aqua.

Was macht Ihren Hortus aus?

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Es geht um das ökologische Gleichgewicht, das einen natürlichen Kreislauf in Gang setzt. Der Weg dorthin funktioniert über den „Drei-Zonen-Garten“, den Markus Gastl in Franken entwickelte. Die Pufferzone umgibt den Garten und grenzt ihn nach außen durch Hecken, Bäume und Sträucher ab. Totholz- und Steinhaufen schaffen weiteren Lebensraum für viele Tiere. In der Hotspot-Zone herrscht eine grandiose Artenvielfalt. Auf abgemagerten Böden gedeihen Blumenwiesen, und die Steingartenanlage zeichnet sich durch eine besonders hohe Artenzahl von Tieren und Pflanzen aus. Die Ertragszone mit Gemüse- und Kräuterbeeten sowie Beerensträuchern ist der dritte Teil. Die Zonen sind miteinander vernetzt und sorgen für Balance. Deshalb gibt es kaum Schädlingsbefall.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich beschäftige mich schon länger damit. Die vegane Ernährung ist ein viel diskutiertes Thema, doch wie die Landwirtschaft diese Ansprüche erfüllen könnte, darüber wird bisher leider noch zu wenig gesprochen. Hoffnung machen mir die Forschungen auf dem Gebiet des biozyklisch-veganen Landbaus.

Wie reagieren denn die Nachbarn auf Ihren wilden Garten?

Er muss natürlich erklärt werden. Die sogenannte Unordnung hat ja ihren Sinn. Außerdem war ein Profi mit am Werk, ein Naturgärtner. Wir haben ein Fest veranstaltet und alle Nachbarn eingeladen. Damit wurden Probleme im Vorfeld ausgeräumt. Übrigens wächst bei uns kein Löwenzahn, der in die Nachbargärten fliegen könnte.

In einem Naturgarten kein Löwenzahn. Kaum zu glauben!

Wir haben alles abgemagert. Löwenzahn liebt fetten Boden. Deshalb ist er verschwunden.

Bei Ihnen findet man keine Rasenfläche, nur Schotter und Steinhaufen. Trotzdem grünt und blüht es überall.

Im magersten Teil befindet sich statt Humus Marmorstein-Abbruch, der als Drainage dient. Obendrauf liegt Frankenschotter. Unglaublich, was sich hier alles ansiedelt und wie es hier summt und brummt. Pflanzen wie Nachtviole, Natternkopf, Karde, Steinkraut, Mohn, Sedum und Nelkengewächse gedeihen besonders gut. Entsprechend kommen Vögel, Schmetterlinge, Insekten, Wildbienen und Käfer. Auch in der freien Natur finden sich die reichhaltigsten und buntesten Pflanzengesellschaften auf mageren Böden wie Sandgruben und Steinbrüchen. Das hat ökologische Gründe. Eigentlich ganz einfach. Die Natur ist unser Vorbild.

Und im Teich ...?

... sind die ersten Untermieter eingezogen: Frösche, Rückenschwimmer, Wasserskorpione, Bergmolche. Ich entdecke beim Schwimmen immer neue Tiere. Der Teich hat Biotopcharakter. Er ist ein wunderbarer Ort zum Entspannen.

Wie ertragreich sind die Ernten in einem naturnahen Garten?

Wir experimentieren noch viel. Die Pflanzsäcke haben sich bewährt. Fünf Kilogramm Ertrag an Kartoffeln aus sieben Saatkartoffeln war beachtlich. In diesem Jahr versuchen wir es mit einem Kartoffelturm aus Stroh und Erde. Erdbeeren gedeihen in hängenden Kübeln, kopfüber gepflanzt, ganz gut. Die Tomatenzucht kann sich ebenfalls sehen lassen. Gedüngt wird mit effektiven Mikroorganismen, die man kaufen kann oder selbst herstellen kann. Das Hochbeet aus Bäckerkisten lassen wir dagegen bleiben. Zu viele Schnecken!

Sie werden derzeit vom Bund Naturschutz zur Blühbotschafterin ausgebildet. Was bezwecken Sie damit?

80 Prozent unserer heimischen Wild- und Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Gleichzeitig stehen mehr als 50 Prozent unserer Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Bestäuber auf der Roten Liste. Als Blüh-Botschafterin kann ich diesem Trend entgegenwirken. Ich möchte mich vor allem dafür einsetzen, dass im öffentlichen Raum mehr blühende Lebensräume für die gefährdeten Tiere geschaffen werden. Ich hoffe, dass sich viele Menschen anschließen, denn blühende Lebensräume in Gärten, Siedlungen und der Landschaft nützen dem Menschen ebenso wie der Natur. Interview: Bärbel Schoen

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