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Herbst

15.09.2020

Nicht nur die Apfelpresse in Osterbuch läuft auf Hochtouren

In den Mostereien im Landkreis ist zurzeit einiges los, weil die Obsternte heuer so reichlich war. „Nicht gerade einfach macht es Corona, wir wussten lange nicht, ob wir unsere Saftpresse öffnen dürfen.“
Bild: Irina Ehlert

Plus Die Obsternte übertrifft die vom vergangenen Jahr um einiges. Äpfel, Birnen, Quitten und Trauben warten darauf, zu Saft verarbeitet zu werden. Wie die Vereine in Osterbuch und Unterliezheim mit den vielen Nachfragen umgehen.

Im kleinen und beschaulichen Unterliezheim im schönen Kesseltal stehen vor der Mosterei derzeit regelmäßig Körbe, Kübel und Säcke befüllt mit frisch gepflücktem, leckerem und gut riechendem Obst. Es soll zu frischen Säften oder zu Most verarbeitet werden. Doch der Terminkalender der fleißigen und ehrenamtlichen Rentner in der Mosterei in Unterliezheim stößt an seine Grenzen: Die Ernte weist im Vergleich zum vergangenen Jahr das Zehnfache an Menge auf. Das Telefon steht nicht still. Und auch im kleinen Mosthäuschen im Laugnaer Ortsteil Osterbuch sorgt der diesjährige Apfelsegen für sehr viel Arbeit.

Nachdem Familie Keding nach 25 Jahren fleißiger Arbeit die Saftpresse aufgegeben hat, hatte man händeringend nach einem Nachfolger gesucht. „Jetzt sind wir heilfroh, dass wir die Familie Patrik für unser Mosthaus gewinnen konnten“, berichtet die Vorsitzende Birgit Mauermair. Familie Patrik kümmert sich zuverlässig um die Termine, die Pressung und die Mosthausreinigung, welche jedes Mal nach Inbetriebnahme der Presse erledigt werden muss. „Nicht gerade einfach macht es Corona, wir wussten lange nicht, ob wir unsere Saftpresse öffnen dürfen“, so die Vorsitzende. Mit einem passenden Hygienekonzept konnte es schließlich losgehen.

Alles läuft nach Terminvereinbarung

Alles läuft im Moment nach Terminvereinbarung, dadurch entstehen keine Menschenansammlungen. Maximal eine Person darf ihr Obst abgeben und eigenen Saft wieder mitnehmen. „Es zeichnet sich ein sehr ertragreiches Jahr für die Hobbygärtner ab“, so Mauermair.

Nicht nur die Apfelpresse in Osterbuch läuft auf Hochtouren

Gepresst werden leckere Äpfel, Birnen und Quitten im Mosthaus. Nur Mitglieder dürfen hier ihre frischen Säfte pressen lassen. „Wir haben dennoch Kunden bis von Ried bei Mering“, so Mauermair. Die neuwertige Bandpresse mit Waschelevator erleichtert die Arbeit in der Mosterei mittlerweile sehr. „Damit können wir den Saft in Plastikbeutel mit drei, fünf oder zehn Liter abfüllen und ebenso in Flaschen“, so Mauermair.

Viele Hobbygärtner wollen ihre stolze Ernte an Äpfeln, Birnen und Weintrauben in Unterliezheim abgeben – wobei Trauben nur in Verbindung mit Äpfeln gepresst werden. Die Kunden kommen vom nahen Umkreis, aber auch von Binswangen, Reistingen, Unterthürheim und noch von weiter her.

Mehrere Generationen arbeiten mit

Der Verein hat 110 Mitglieder, darunter teils mehrere Generationen einer Familie. Vorsitzender Manfred Herian ist seit 30 Jahren Mitglied. „Wir haben mit einer kleinen Minibackpresse mit 100 bis 150 Litern für Vereinsmitglieder angefangen und sind ganz langsam über die Jahre gewachsen“, erzählt er. Heutzutage nehmen sie bis zu zwei Tonnen an Obst pro Kunde an. „Die kleinste Menge sollte zwei bis drei Zentner haben, sonst packt die Presse nicht an“, erklärt der 61-Jährige.

Die Mitglieder, die an der Presse im Einsatz sind, hauptsächlich Rentner zwischen 60 bis 80 Jahren, können nur noch Stammkunden annehmen. Neukunden müssen sie größtenteils abweisen. Der angelieferten Menge an Obst werden sie derzeit kaum noch Herr. Die stärkste Ernte ist bei den Äpfeln zu verzeichnen. In der 40 Quadratmeter großen Mosterei, aufgegliedert in drei Räume, kann nicht mehr alles abgearbeitet werden.

Der harte Kern sind Rentner

Die Vereinsmitglieder arbeiten ein- bis zweimal die Woche, hauptsächlich Freitagnachmittag und Samstag nach Terminvereinbarung. Der harte Kern, fünf bis sieben Männer und Frauen, setzt sich hauptsächlich aus Rentnern zusammen. Bei den Jugendlichen sei es heutzutage schwierig, ein Mitglied für die Mosterei zu gewinnen. Grund sind laut Herian die Arbeitszeiten. Viele arbeiten im Schichtbetrieb, könnten am Freitagnachmittag nicht eingreifen. Und die Rentner können sich altersbedingt auch keine zwölf Stunden mehr an die Presse stellen.

Mit der Corona-Pandemie und den Sicherheitsvorschriften hat dies wenig zu tun. „Corona kann unseren Ablauf durch die Maßnahmen wie eine Maske tragen und Sicherheitsabstand von 1,5 Metern halten zwar etwas verzögern, ist aber nicht Schuld, dass wir die ergebnisreiche Ernte nicht mehr schultern können“, sagt Vorsitzender Herian. Während der Pandemie stellten die Kunden nach telefonischer Terminvereinbarung ihre Gefäße mit Zettel kontaktlos an den vereinbarten Ort vor die Mosterei.

Unterliezheim verweist auf Osterbuch

Dem Obst- und Gartenbauverein Unterliezheim gingen dieses Jahr zwar große Mengen verloren, abgewiesene Kunden zeigten sich trotz allem aber sehr verständnisvoll. Teils haben die Unterliezheimer sie auf andere Pressen wie Osterbuch, Haunsheim, Blindheim und Lauterbach verwiesen, die laut Herian vermutlich allerdings ebenfalls am Limit arbeiten.

Stolz blicken die Unterliezheimer bei aller Arbeit auf ihre neu errungene Bandpresse. Herian freut sich: „Wir im Verein haben sie selbst erwirtschaftet und konnten sie als ehemaliges Vorführgerät günstig ergattern.“ Auf die Frage, warum man 30 Jahre lang so engagiert für den Verein lebt, antwortet Herian kurz und prägnant: „Weil es einfach Spaß macht.“

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