1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Röhren werden heute nicht mehr hergestellt

Welttag des Radios

13.02.2015

Röhren werden heute nicht mehr hergestellt

Copy%20of%20IMG_0056.tif
3 Bilder
Das „Lorenz Heimstudio“ (Radio und Drahtspulen-Tontechnik) kostete im Jahr 1952 so viel wie ein großes Baugrundstück: 1750 Mark.

Im Wertinger Radiomuseum warten 600 Radiogeräte auf neugierige Besucher

„Zum Bestand des Wertinger Radiomuseums zählen heute 600 Radiogeräte!“ Museumsorganisator Otto Killensberger freut sich: „Über 300 Geräte können wir heute auch zeigen – und die meisten funktionieren noch!“ Im Obergeschoss der früheren Wertinger Berufsschule gegenüber der Grundschule horten die Museumsleute nicht nur Radios, sondern auch Grammophone, Gramolas, Radiodetektoren, Röhrenradios, Volksempfänger, Musikschränke, Plattenspieler und drei Musikboxen. Die Exponate reichen bis in die 60er Jahre hinein. „Aber damit ist Schluss, denn die Flut der Kofferradios, Radios oder neuerdings auch Internetradios aus der jüngsten Vergangenheit würde uns überrollen“, erkärt Killensberger.

Die Stadt Wertingen hat keine historisch gewachsene Beziehung zur Radiotechnik. Dennoch entwickelt sich die Sammlung explosionsartig: Der Geratshofer Heinz Hippele überließ dem Heimatmuseum 70 Exponate, kurz darauf gaben die Erben des Sammlers Hans Wald aus Meitingen 170 Geräte nach Wertingen. Nachdem das Heimatmuseum zunächst nur zwei Radio-Zimmer als Filiale eröffnete, musste schon 2012 das aus allen Nähten quellende Radiomuseum in der Stadtmitte offiziell eröffnet werden.

Die Museumsmacher können sich seitdem vor Spenden kaum mehr retten. Zum Beispiel Wolfgang Mayer aus Augsburg gab ihnen ihr bislang ältestes Stück, ein „Radio Telefunken T9“ von 1928. Erwin Fischer aus Langenreichen steuerte zwei Musikboxen bei. Darunter ist eine amerikanische „Seeburg“ aus den vierziger Jahren, die noch 20 originale Schellack-Platten lädt und abspielt: Bill Haleys „Rock Around The Clock“ klingt authentischer als von jedem modernen CD-Player.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aus allen Räumen klingt Musik. Der 62-jährige Otto Killensberger selbst kann kein Radio reparieren, aber er hat zwei 67-jährige Herbertshofener Rentner mit ins Radioteam geholt, die vom Fach sind: Willi Kempter und Heinrich Wojtzyk. Beide sind gelernte Radio- und Fernsehtechniker, Kempter zudem noch Ingenieur der Nachrichtentechnik. „Den Aufwand bei Reparaturen darf man nicht rechnen, das ist Liebhaberei“, versichert Kempter. Er gestand, dass er bei besonderen Geräten wie dem „Braun SK5“ – dem bekannten „Schneewittchensarg“ mit dem Design der Ulmer Hochschule für Gestaltung – auch schon mal vier Tage an der Reparatur gearbeitet habe.

Aber nicht immer erfordern alte Geräte einen derartigen Aufwand. Der schwedische „AGA, Typ 2013“ aus dem Jahr 1951 war eine Spende des Wertingers Stefan Kolb. Kempter nahm das Gerät mit nach Hause, denn in Herbertshofen hat er eine gut eingerichtete Werkstatt. Er berichtet: „Kontaktschwierigkeiten des 63 Jahre alten Geräts waren bald behoben. Eine neue Röhre war nötig – und schon nach zwei Stunden lief der Kasten zufriedenstellend.“

Heinrich Wojtzyk teilte mit, dass die nötigen Rundfunkröhren heute nicht mehr hergestellt werden: „Aber die Lager sind noch voll, und übers Internet und über Ebay und die dortigen Radioflohmärkte kann der Bastler alles erhalten, was zur Reparatur nötig ist.“ Röhren und Ersatzteile bauen die beiden auch aus alten Radios aus, die sie als Ersatzteillager nützen. Wojtzyk ist zudem international vernetzt in der „Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens“ (GFGF). „In diesem Radioverein gibt es Fachleute, die ich fragen kann.“ Dennoch: Alles können die beiden Radiotechniker nicht bewältigen: „Wir sind für die Technik zuständig, aber wir suchen noch einen Restaurator, der die Holzgehäuse sanieren kann...“

Das Radiomuseum hat ein nur geringes Budget. Die Museumsführer sind durchwegs Ehrenamtliche. Killensberger zählt auch auf das Engagement von Heinz Maxzin (Augsburg), Robert Riedel (Altenmünster), Bernd Schmid (Bocksberg), Günther Heinrich (Herbertshofen), Siegfried Beck (Augsburg) und Richard Heimer (Wertingen). Das Team bietet an jedem dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr Führungen im Radiomuseum an. Dazu gehören (jeweils um 15 Uhr) Vorträge zur Rundfunk- und Telefonhistorie.

Hunderte von Besuchern jeden Alters konnte Killensberger in der bald dreijährigen Geschichte des Museums verzeichnen. Das Schullandheim Bliensbach und „Donautal aktiv“ nehmen das Museum sogar regelmäßig in ihre Programme auf. "Kommentar

für Gruppen (Familien- oder Vereinsfeiern) auch außerhalb der regelmäßigen Öffnungszeit bei der Stadtverwaltung, Martha Binswanger, Telefon 08272/84-196 anmelden.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an digital@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Mikwe_ca.1950-60er222(1).tif
Restaurierung

Das jüdische Erbe Buttenwiesens ist einzigartig

ad__web+mobil@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Zugang zu allen Inhalten, mtl. kündbar, 4 Jahre Abopreis-Garantie.
So attraktiv waren Heimatnachrichten noch nie!

Zum Web & Mobil Starterpaket