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Buttenwiesen

30.08.2014

Schwein Gregor durchlitt große Not

Im Dillinger Amtsgericht fand ein Verfahren wegen Tierquälerei von Schweinen statt. Symbolbild
Bild:  Friso Gensch (dpa)

Der Verein Rüsselheim e.V. will Schweinen helfen und kauft sie aus Mastbetrieben frei. Doch nun ist die 51-jährige Vereinsvorsitzende wegen Tierquälerei an Schweinen angeklagt.

Der Verein Rüsselheim e.V., der rund 65 Mitglieder zählt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schweine aus Mastbetrieben freizukaufen und auf kleineren Hofeinheiten unterzubringen, wo sie für den Rest ihres Daseins nach Art von Gnadenhöfen eine schönere Existenz haben sollen.

Der Verein hat seinen Sitz im Landkreis Augsburg. Auch in Buttenwiesen war ein Landwirt, dessen Betrieb heute stillgelegt ist, vereinbarungsgemäß bereit, vom Verein gekaufte Tiere in seinen Stallungen neben den eigenen Schweinen verweilen und unterhalten zu lassen. Nun steht die 51-jährige Vereinsvorsitzende in Dillingen vor Gericht. Ihr wirft die Staatsanwaltschaft vor, einzelnen Tieren durch Unterlassung rechtzeitiger ärztlicher Maßnahmen unnötige Qualen bereitet und damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben.

Die Angeklagte bestreitet diesen Tatvorwurf rundweg und hat gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. Deswegen muss sie sich jetzt vor Gericht verantworten, wo sie zu Beginn des Prozesses feststellte: „Ich rette doch Tiere nicht, um ihnen hinterher etwas anzutun“. „Dass Sie eine Rohheit im Herzen haben, unterstelle ich Ihnen nicht. Es wird Ihnen aber eine falsche Pflege vorgeworfen“, so die Vorsitzende Richterin Ursula Janosi an die Adresse der beschuldigten Frau.

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Tier konnte nicht selbst fressen und trinken

Die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sollen an mehreren Standorten der Schweine erfolgt sein, hieß es in der Anklage, die von Staatsanwältin Keilbach formuliert wurde. In einem Stall in Buttenwiesen war unter anderem das Schwein „Gregor“ mehrere Monate untergebracht. Das Tier, das offensichtlich durch Krankheit nicht selbst fressen und trinken konnte und geschwollene Füße hatte, sei nicht separiert gewesen, habe mangelnde Einstreu gehabt und sei sehr spät ärztlich behandelt worden.

Die Schweine „Charlie“ und „Claire“ hätten Brüche oder gar Rückenmarksverletzungen aufgewiesen. Sie wurden zwar später eingeschläfert, hätten aber über einen Zeitraum von mehreren Tagen erhebliche Leiden ertragen müssen, so die Beschuldigungen gegen die 51-jährige Vorsitzende des Vereins Rüsselheim. Ein weiteres Tier sei ebenfalls über längere Zeit leidend gewesen. „Über dieses trampelte ein schweres Mutterschwein hinweg“, berichtete eine Zeugin, die sogar Gründungsmitglied des Vereins Rüsselheim ist und damals die Frage an die heutige Angeklagte gestellt hatte, ob das Schwein nicht besser „erlöst“ werden sollte.

Langer Transport, Stress und Verletzungen

Als Schweine von Buttenwiesen nach erfolgter Hofstilllegung bis nach Sachsen-Anhalt verlegt wurden, wo sie einen neuen Pflegeplatz finden sollten, überstanden sie den Transport zwar gut, doch erlittener Stress und der Umgang mit anderen Tieren führte bei ihnen zu erheblichen Verletzungen wie gerissenen Bändern und Brüchen. Auch hier habe die Angeklagte, die anwesend war, spät gehandelt und zunächst trotz tierärztlichen Anratens eine Euthanasie abgelehnt, so eine weitere Zeugin beim Verfahren. Immer wieder wurde beim Prozess die Frage aufgeworfen, ob es bei den Schweinen in jedem Fall um Tiere ging, bei denen der Verein Eigentümer war. Teilweise hatten hier Zuständigkeiten gewechselt, wie eine weitere Zeugin berichtete, die ein Tier, für das sie sich als Patin engagierte, später wieder mit Bedauern, wie sie sagte, an den Verein zurückgab. Zuständigkeiten seien nicht eindeutig geklärt gewesen.

Ein Zeuge, der ebenfalls Gründungsmitglied des Vereins Rüsselheim ist, warf der Angeklagten vor, sie habe schwere Fehler gemacht, sei sogar „inkompetent und beratungsresistent sowie überheblich“. Der Mann beschrieb die Arbeit der Beschuldigten als „Dilettantismus pur“. Beim Verfahren hatte sich das Gericht als Sachverständigen den Amtsarzt Christopher Schimmer vom Landratsamt Augsburg an die Seite geholt. Er verfügt teilweise Einsicht durch Tierarztrechnungen in die ergriffenen medizinischen Maßnahmen. In einigen Fällen hatten die Tiere durch zu späte Behandlung oder nicht rechtzeitiger Euthanasie nicht unerheblich leiden müssen, bestätigte der Amtsarzt. Auch ein Transport schwer verletzter Schweine in die Klinik sei vom tierschutzrechtlichen Standpunkt aus „zumindest zweifelhaft“ gewesen, so der Sachverständige.

Termin: Die Beweisaufnahme wird am Dienstag, 2. September, 14.30 Uhr im Dillinger Amtsgericht fortgesetzt.

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