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Liederabend

28.01.2020

Sonntagsmusiken aus der Romantik leben auf

Gelungener und viel beklatschter Liederabend im Wertinger Kunstkanal mit (von links) Sopranistin Carola Bach, Pianistin Eva Marsagischwili und Mezzosopranistin Ursula Maria Echl.
Foto: Hertha Stauch

Zwei Sängerinnen und eine Pianistin bereiten im Wertinger Kunstkanal dem Publikum einen besonderen Abend mit Erkenntnissen

Sogenannte Sonntagsmusiken waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts groß in Mode. Das Bürgertum übernahm viele Gepflogenheiten des Adels. Man konnte sich jetzt auch in bürgerlichem Hause Instrumente leisten und pflegte die Musik unter Freunden und bei Konzerten in den Salons. Die Komponisten dieser Zeit bedienten diesen Umstand mit der Vertonung unzähliger Gedichte und Texte. Für alle Gelegenheiten und zu jedem Anlass wurden Lieder kreiert. Viele haben die Jahrhunderte überdauert, viele Kompositionen werden aber erst in den vergangenen Jahren wieder aus den Schubladen geholt, besonders jene der Frauen.

Die Sängerinnen Ursula Maria Echl (Mezzosopran), Carola Bach (Sopran) und die Pianistin Eva Marsagischwili haben diese Tradition der Romantik in Wertingen wieder zum Leben erweckt. So gibt es am vergangenen Samstagabend ein kleines, aber feines Hauskonzert im Kunstkanal. „Freunde im Atelier“ heißt die Veranstaltungsreihe, zu der Echl und die bildende Künstlerin Barbara Mahler immer wieder einmal einladen – ein Geheimtipp in Wertingen, dessen Besucherkreis sich immer an den ausgewählten und reizvoll ausgedachten und organisierten Abenden erfreut.

Diesmal also romantische Lieder – schon der Titel „Wenn ich in deine Augen seh’ …“ lässt erahnen, dass die Gefühlswelt an diesem Abend reichlich angesprochen wird. Nein, hier handelt es sich nicht um einen trällernden Schlager der 1950er. Fanny Hensel (1805 bis 1847), Schwester des berühmten Felix Mendelssohn Bartholdy, hat dieses Lied kreiert. Aus ihm spricht nicht nur die große Begabung der Musikerin, sondern auch die Untertänigkeit, die Frauen dieser Epoche wie selbstverständlich war, und die häusliche Rolle, die ihnen in der Gesellschaft damals ausschließlich vorbehalten war. Fanny – so die jüngsten Frauenforschungen –, die mehr als 450 musikalische Werke geschrieben hat, durfte nicht, wie ihr Bruder, eine Musikerkarriere beginnen. Ihr waren nur die häuslichen Konzerte vorbehalten. Umso schöner ist es, dass sich heute die Musikwissenschaft mit den Talenten der Frauen vergangener Jahrhunderte beschäftigt und das Werk von Fanny Mendelssohn in Wertingen im Konzert zur Geltung kam.

Carola Bach, Sängerin am Staatstheater Augsburg, die Wertinger Klavier- und Gesangslehrerin Ursula Maria Echl und die Pianistin Eva Marsagischwili verstanden es trefflich, den Funken gefühlvoll vom 19. ins 21. Jahrhundert überspringen zu lassen.

Eine angenehme Überraschung war dabei für viele unter den rund 50 Konzertbesuchern Anton Grigorjewitsch Rubinstein (1829 bis 1894), dessen Liedkompositionen die Künstlerinnen ihre Aufmerksamkeit schenkten. Rubinstein, Gründer des Sankt Petersburger Konservatoriums, hat viele Duette mit Opernqualität geschrieben, informierte Ursula Maria Echl. Mit „Engel der Seele“ oder „Warum das Vöglein verstummt“ bekamen sie einen Eindruck seiner lyrisch-dramatischen Kompositionen. Dass auch Antonín Dvořák (1841 bis 1904), bekannt für seine Sinfonien, Kammermusik und Orchestermusik, viele wunderbare Lieder geschrieben hat, war dem Publikum eine ebenso neue wie genussvolle Erfahrung.

Sonntagsmusiken – die Wertinger und die Freunde des Kunstkanals dankten für die Duette und die auserlesene Klavierbegleitung mit viel Applaus und in dem Wissen, dass weitere Abende dieser oder anderer Art folgen dürften.

Am 30. März heißt es im Kunstkanal „Quo Vadis Austria“ und am 2. Mai „Tanz trifft auf Malerei“. Am 3. Juli musiziert das Zigan-Trio im Kunstkanal.

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