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Wertingen

30.09.2018

Spontane und offene Gesprächen auf dem Wertinger Marktplatz

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Alle Gesprächsprotokolle hängen an der Wäscheleine auf dem Platz neben der Martinskirche. Sebastian Lohwasser zeigt seine Notizen über den Austausch mit einer Passantin über die Integration von Menschen mit Behinderung. Er und seine Klassenkamerad(inn)en der Wertinger Montessori-Fachoberschule hatten die Menschen zu spontanen und offenen Gesprächen eingeladen.
Bild: Ulrike Walburg

Wertinger Fachoberschüler beteiligen sich an bundesweiter Aktion zur „offenen Gesellschaft“. Viele Passanten nehmen sich Zeit für ein Gespräch auf dem Wertinger Marktplatz. Was die Menschen bewegt.

„Was ist Ihnen in Deutschland wichtig?“ Mit dieser Frage konfrontierten Jugendliche am Freitag auf dem Wertinger Marktplatz Passanten ebenso wie mit der Frage: „Was würden Sie gerne in Deutschland verändern?“ Die Schüler der Montessori-Fachoberschule beteiligten sich mit der Aktion „ Die offene Gesellschaft“ an den „ fairen Wochen“ in Wertingen.

Mehr als 50 junge Frauen und Männer strömen so durch die Straßen der Wertinger Innenstadt und sprechen ohne Scheu Passanten auf deren Meinung an. Sie interessieren sich dafür, was die unterschiedlichen Menschen denken. Sie fragen somit nach, hören offen zu und zeigen Respekt – besonders bei gegensätzlichen Meinungen. So erfahren die jungen Menschen, wie Menschen sich ihr Land vorstellen und was sie kritisch sehen, gerne verändern würden. Sie erkennen, wie jüngere Leute denken und bekommen mit, was ältere Menschen auf der Basis von großer Lebenserfahrung zu sagen haben. Der Schüler Leander Glaß empfindet ein Miteinander als wichtig, um Zukunft gestalten zu können. So fügt er bei seinen Fragestellungen ganz bewusst immer wieder an: „aus Ihrer Sicht.“

Schüler spricht mit Wertinger Passantin über Inklusion

Die Jugendlichen suchen und finden anregende Gespräche. Der Schüler Sebastian Lohwasser kommt im Gespräch mit einer Passantin schnell zu einem gemeinsamen Thema. Beide kennen aus nächster Nähe gesellschaftliche Umstände, die Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung im Alltag behindern. Sie sehen Verbesserungsbedarf. Die Passantin sieht neben vielen positiven Auswirkungen der Arbeit in Behindertenwerkstätten auch die Gefahr, dass sich diese Arbeit zu einem gesellschaftlichen „Abstellgleis“ entwickeln könnte. Deshalb fordert sie eine bessere Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Der Schüler greift auf seine positive Erfahrung während seiner Schulzeit in der Montessorischule zurück. Viele Jahre besuchte er gemeinsam mit einer Schülerin mit Down-Syndom eine Klasse. „Das war für uns alle gut“, sagt er und plädiert für die Inklusion in der Regelschule.

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In den offenen Gesprächen sehen die Jugendlichen einen Beitrag für gelebte Demokratie. Die Wertinger Aktion ist Teil einer Kette von bundesweiten Aktionen, und vom Bundesministerium für Familie, Soziales, Frauen und Jugend gefördert. Dabei geht es um die Wahrung demokratischer Werte – um die Meinungsfreiheit und das gesellschaftspolitische Engagement in demokratischem Respekt und gegenseitige Achtung gehören ebenso dazu. Bei der Wertinger Bevölkerung kommt die Aktion gut an und es zeigt sich, dass man im Schwabenstädtchen gesprächsbereit ist. Obwohl viele Leute mit Einkaufstaschen unterwegs sind, nehmen sich fast alle Zeit für ein spontanes Gespräch. Manche unterhalten sich im Stehen. Andere nehmen die Einladung an, sich an die herbstlich geschmückten Tische im Garten der Martinskirche zu setzen und während des Gesprächs zu Knabbereien zu greifen, die der Weltladen bereitgestellt hat.

Auf bunte Blätter notiert und in Wertingen aufgehängt

Alle angesprochenen Themen werden auf bunte Blätter notiert und an eine Wäscheleine geheftet. Vorbeigehende Passanten bleiben stehen und lesen mit Interesse, was Menschen aus der Bevölkerung schätzen und was sie für verbesserungswürdig erachten. „Freie Meinungsäußerung“, „Emanzipation“ und „Weniger Fremdenhass“ steht hier ebenso auf Zetteln geschrieben wie Anregungen für das Gesundheitssystem und die Rentenregelung. Die Menschen wünschen sich zudem „bessere öffentliche Verkehrsmittel“, den „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, die „Stärkung des Handwerks“, „Religionsfreiheit“ und eine „unabhängige Presse“.

Auch einige junge Männer aus Syrien kommen zufällig vorbei. Sie betonen, wie sehr sie es schätzen, hier ihre Meinung frei äußern zu können. Susanne Rösch begeistert die Aktion: „Ich finde es ganz toll, wenn junge Menschen sich für die Gesellschaft stark machen und sich für Politik interessieren.“ Die Wertingerin findet es reizvoll, hier mit der Jugend zu diskutieren. Sie betont: „Ich bekomme dadurch selbst Anregungen, da die Jugendlichen noch so weltoffen und voller Ideen sind.“

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