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Dillingen

03.07.2017

Stadt, Land, Fluss mit „D“: Dillingen, Deutschland, Donau

Einer Exkursionsdelegation erklärte Buttenwiesens und Wertingens Gemeindearchivar Johannes Mordstein, der ins jüdische Leben im Zusamtal einführte, die Pläne für die wiederbelebte Binswanger Synagoge (links).
Bild: Günter Stauch

150 Interessierte nahmen an den Exkursionen während des Bayerischen Heimattages teil. Bei den Vorträgen gab es teils harsche Kritik.

Unter dem Motto „Stadt, Land, Fluss“ haben zum zweiten Teil des 39. Bayerischen Heimattages am Samstagnachmittag drei hochkarätige Referenten zu diesen drei Bereichen teilweise sehr kritisch Stellung genommen und vor einer weiteren Gefährdung durch Naturzerstörung und falsche Urbanisierung gewarnt. Alle machten dabei auch deutlich, dass es in vielen Bereichen bereits hoffnungsvolle Ansätze zu einer teilweisen Umkehr geben würde. Nachmittags schwärmten die rund 150 Teilnehmer ins Freie, um sich die landschaftlichen wie kulturellen Schönheiten der Region anzusehen.

Davon mächtig geschwärmt hatte am Vormittag bei seiner Begrüßung der Gäste aus ganz Bayern Dillingens Landrat Leo Schrell. In Anspielung auf das Veranstaltungs-Signet bekannte sich der Landrat dazu, dass er früher gerne „Stadt, Land, Fluss“ gespielt hatte: „Bei dem Buchstaben D fiel mir aber immer nur Deutschland, Donau und Dillingen ein“, meinte er mit einem Augenzwinkern, um dann wieder in den ernsten Modus umzuschalten und davor zu warnen, die Sicherung dieser sensiblen drei Bereiche nicht Leuten mit Halbwissen aus dem Internet zu überlassen. Daher hatten die Organisatoren der Veranstaltung mit der reizvollen Mischung aus Historikern, Naturschützern und Heimatpflegern angesehene Experten aufgeboten.

Weil es sich bei dem gewählten Motto um „alles andere als Spiel“ handelte und in Stadt, Land und Fluss ein hoher Nutzungsdruck vorherrsche, hatte der Vorsitzende des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Johann Böhm, drei Gesprächspartner mit besonderer Kenntnis der schwierigen Materie angekündigt. So etwa Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte an der renommierten Ludwig-Maximilians-Universität in München. Während bereits der Landrat auf den Feldherrn Napoleon hingewiesen hatte, der vor 200 Jahren die Donau als „Königin der Flüsse“ bezeichnet habe, ging auch der Professor auf die geschichtliche Bedeutung des Wassers ein. Kein Wunder bei rund 100 000 Kilometer Flüsse und Bäche allein im Freistaat: „Es gibt hier kein Dorf ohne Bach oder See, kaum eine Kindheit ohne Erlebnisse am Wasser, kaum ein Archiv ohne Dokumente über das Nass“, betonte Kramer, dessen erste Begegnung mit dem schönen blauen Fluss als Schüler in Dillingen erfolgt war. Der Geschichtskenner verwies zudem auf die wirtschaftlichen, kulturellen wie strategischen Einflüsse des Wassers in Bayern, das den Alltag des Menschen bis heute mitbestimmen würde.

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Und: Die Flurbereinigung in den 1970er-Jahren sei wohl der größte Eingriff in die Ökologie der Zeit gewesen. Damit gab der Historiker auch das Stichwort an die nachfolgende Rednerin vom Bund Naturschutz. Die Artenschutzreferentin und Lehrbeauftragte Christine Margraf geißelte den Umgang mit der Natur: „Woher nehmen wir uns das Recht etwa für Flusskorrekturen und sagen, wir wüssten da etwas in unserem Sinne korrigieren?“ Sie kritisierte Begradigungen genauso wie die Vielzahl an Staustufen. Land und Fluss seien untrennbar und müssten über lebendige Auen verfügen: „Die können nur am Wasser existieren und nicht woanders.“ Für sie forderte die Naturschützerin mehr Raum und Platz. Ihre Bilanz fiel düster aus: „In Bayern sind nur 15 Prozent der Gewässer in einem guten Zustand.“

Aufs Land und in die Stadt begab sich in einem viel beachteten Vortrag die Journalistin und Autorin Angela Bachmair, die dem Publikum vermittelte, was dort so alles schief ging oder geht. Dabei wählte die Denkmalschutzexpertin klare Worte: „In diesem Land greift man zu schnell zur Abrissbirne“ und „die schlimmsten Flächenfresser sind die so beliebten Einfamilienhäuser.“ Mit krassen Aufnahmen führte sie die begeisterten Zuhörer ins „Gruselkabinett Ortssanierung“ ein und wunderte sich über den Trend im Dorf, städtisch sein zu wollen: „Die Häuser, die brachial verbreiterten Hauptstraßen, da schließe ich beim Durchqueren lieber die Augen.“ Von dieser wie auch das Wetter am Samstag durchwachsenen Bilanz der Vortragenden lenkte ein überaus positiver Programmpunkt am Schluss des Heimattags ein wenig ab. Da wurde Dieter Schinhammer geehrt. "Seite 30

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