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Wertingen

17.11.2019

Viele Plädoyers für den Frieden - im Zusamtal und weltweit

Der Festakt zum Volkstrauertag fand am Sonntag mit Kranzniederlegungen am Ehrenmal seinen Abschluss. Im Vorfeld hatten Bürgermeister Willy Lehmeier in der evangelischen und Stadtrat Alfred Schneid in der katholischen Kirche an den Hintergrund des Gedenktags erinnert.
Bild: Brigitte Bunk

Kommunalpolitiker sprechen bei den Gedenkfeiern in den einzelnen Pfarrkirchen klare Worte. An die Erinnerungen der Opfer vergangener Kriege knüpften sie den Aufruf heute hinzuschauen.

Die Toten nicht zu vergessen, sie stattdessen zu ehren und ihrer zu gedenken, gehört nach den Worten von Leo Schrell zu den christlichen Werten. Dies werde uns im Monat November alljährlich durch die Gedenktage Allerheiligen, Allerseelen, den Totensonntag und den Volkstrauertag vor Augen geführt. Letzterer wurde am Sonntag auch in vielen Kirchengemeinden in der Region Wertingen begangen.

Landrat Schrell spricht in Buttenwiesen

Landrat Leo Schrell sprach dazu in seiner Heimatgemeinde, in der Pfarrkirche Pfaffenhofen. Seit 1926 gelte dieser Tag als Zeichen der Erinnerung an die Toten und Gefallenen und der Solidarität mit den Hinterbliebenen, die persönliche Verluste infolge von Kriegen und Vertreibung aus der Heimat zu beklagen hatten. In der Zeit des Nationalsozialismus sei der Volkstrauertag als „Heldenverehrung“ propagandisch missbraucht worden, so Schrell. Seit 1952 findet an dem Tag eine zentrale Gedenkstunde im Deutschen Bundestag statt. Angelehnt daran werden in allen Bundesländern, Städten und Gemeinden Gedenkfeiern mit Kranzniederlegungen zu Ehren der Opfer durchgeführt. „Krieg und Gewalt, Terror und Missachtung der Menschenrechte gefährden das Gemeinwesen und zerstören das friedliche Zusammenleben von Menschen, die bisher trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe gut miteinander ausgekommen sind“, so Schrell. „Auch Vorurteile, Intoleranz, Rechthaberei und Aggressivität gegenüber anderen kann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Kleinkriegen führen, die jede Menschlichkeit außer Kraft setzen.“ Der Volkstrauertag fordere deshalb auch dazu auf, unsere Lebenswirklichkeit kritisch zu prüfen, was Menschen anderen Menschen antun können, wohin Vorurteile und Verachtung, Gewalt und Hass, Gleichgültigkeit und Extremismus führen können. So zitierte Landrat Schrell am Ende seiner Rede den Nobelpreisträger Albert Einstein: „Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau dieser Welt einsetzen würden.“

Eindringliche Worte in Wertingen

Auch in Wertingen wurden in den Kirchen eindringliche Worte gesprochen, bevor man gemeinsam am Kriegerdenkmal Gedenkkränze niederlegte. Bürgermeister Willy Lehmeier betonte in der evangelischen Kirche, dass wir am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Völker und Nationen gedenken. „Gerade heute, wo rechte Kräfte wie die AfD die dunklen Seiten der Deutschen Geschichte nur allzu gerne relativieren wollen, ist es wichtig, sich zu erinnern!“ Dass wir heute in der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit so weit gekommen sind, sei nicht etwa eine Schande, sondern etwas, worauf wir stolz sein können. „Nach und nach fanden unzählige Geschichten ans Licht und ins kollektive Bewusstsein – Geschichten schier unfassbarer Tragödien, aber auch Geschichten des stillen und offenen Widerstands“, so Lehmeier. Am Beispiel Polen machte der Bürgermeister deutlich, wie das schmerzhafte Eingeständnis der eigenen Schuld und Verantwortung – sei es individuell oder als deutsche Nation – zur Versöhnung führen konnte.

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In der katholischen Stadtpfarrkirche legte stellvertretender Landrat und Stadtrat Alfred Schneid das Augenmerk auch auf die Verwundeten, von denen viele ein Leben lang körperlich und psychisch leiden. „Die Leiden der Vertriebenen. Das Leid der Opfer der Gewaltherrschaft – und von terroristischen Gewalttaten.“ Und Schneid rief auf zu beachten: „Das Leid ist aktuell, wie wir im schrecklichen Geschehen in Syrien, Libyen und Irak, in der Ostukraine, in Afghanistan, im Mittelmeer und in vielen anderen Konflikten in der Welt sehen.“ Die Kranzniederlegung gelte somit zugleich als Mahnung, sich stets für Frieden einzusetzen – „auch für den Frieden in unserer eigenen Gemeinschaft hier in Wertingen“.

Besinnung in Laugna

Der Volkstrauertag sei ein Tag des stillen Gedenkens, sagte Laugnas Bürgermeister Johann Gebele, und zugleich ein Tag der Besinnung, wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren und was wir für den Frieden, die Freiheit und Gerechtigkeit bei uns und auf der ganzen Welt tun können. Gebele zitierte den ehemaligen US-Präsidenten Eisenhower: „Jede Kanone, die gebaut wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel gelassen wird, jede abgefeuerte Rakete bedeutet letztlich einen Diebstahl an denen, die hungern und nichts zu essen bekommen, denen die frieren und keine Kleidung haben.“ Insofern dürften wir bei Krieg und Konflikten in anderen Ländern nicht wegschauen, als ginge es uns nichts an. Gebele: „Das ist zuallererst ein Gebot der Menschlichkeit. Es ist auch ein Gebot vorausschauender Vernunft.“ (dem/mit pm und fk)

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