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Wertingen

15.10.2017

Wenn Spülmittel explodiert

Ob ihre Papierbrücke wohl ein Kilogramm Gewicht trägt, fragen sich die Achtklässler Christoph Hähnel (links) und Fabian Belli.
Bild: Sandra Bauer

Am Tag der Naturwissenschaften am Gymnasium Wertingen staunten die Schüler nicht schlecht.

„Cool“, jubeln die Achtklässler Christoph Hähnel und Fabian Belli an der Experimentierstation zum Leichtbau, „wir hätten nicht gedacht, dass unsere Brücke das aushält.“ Zwei 500 Gramm-Gewichte stehen auf ihrer Konstruktion aus Papier. „Sie soll so leicht wie möglich sein, aber so viel wie möglich tragen“, erläutert Jonas Karl, dem besonders gut gefällt, dass die Schüler beim Experimentieren so viele Freiheiten haben. Stolz erzählt er: „Meine Brücke hält 57 Kilogramm aus“, denn einer seiner Klassenkameraden hat sich – erfolgreich, wenn auch nur kurz – darauf gestellt; allerdings ist sie weder schön noch leicht. Die „all-time-beste Brücke“ hatte übrigens 6,6 Gramm, trug 500 Gramm und wurde von einem Schüler aus einer Mittelschule gebaut, erzählt Felix Borowsky von der Bildungsinitiative Junge Forscherinnen und Forscher (IJF), der zusammen mit vier Kollegen von der Universität Würzburg zum „Tag der Naturwissenschaften“ ans Wertinger Gymnasium gekommen ist.

Schüler aus allen vier Klassen der 8. Jahrgangsstufe experimentieren nach den jeweiligen Einführungsvorträgen zu verschiedenen naturwissenschaftlich-technischen Themen. Auf dem Stundenplan stehen neben dem Brückenbau: Mikroskopieren, Elektrolyse, Bioenergie, Nanotechnologie und Grätzelzellen. 15 Teilnehmer der 11. Jahrgangsstufe absolvieren ein speziell für sie ausgearbeitetes Programm zur Nanotechnologie, mit der sie sich im Rahmen ihres W-Seminars in den kommenden eineinhalb Schuljahren vertieft beschäftigen werden.

„Besser kann man aktuelle Inhalte modernster Hochtechnologie nicht ins Klassenzimmer bringen“, freut sich ihre begeisterte Seminarleiterin, die Physik-Fachbetreuerin Elisabeth Fehrenbach, die den Tag organisiert hat. Das Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds gefördert sowie von Wirtschaftunternehmen und Forschungseinrichtungen unterstützt. Es eröffnet dem Nachwuchs neue Bildungschancen, stärkt das Technikinteresse und wirkt so mittel- bis langfristig dem Fachkräftemangel in Industrieberufen entgegen.

„Wir haben es zwar nicht so richtig hinbekommen, aber es war sehr lustig“, meint Julia Dirr lachend. Spaß haben sie und ihre Freundinnen auf jeden Fall beim Brückenbau. Und darauf kommt es an in diesem Aktionstag, der den Schülern Spaß an MINT-Themen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) vermitteln soll. Dabei wird durch den gendersensitiven Bildungsansatz auch ganz konkret darauf geachtet, die Mädchen mitzunehmen. Mit Erfolg: Réka Malomsoki ist immer noch begeistert „von der coolen Explosion mit Spülmittel, Wasser und Natriumcarbonat“. Weitere vier Mädels sind damit beschäftigt, einen Stromkreis zu bauen und zu untersuchen, welches Material besonders gut leitet. Wieder andere experimentieren mit Münzen und Bügeleisen und stellen Faserverbundstoffe her.

Auch im nächsten Raum ist eine Menge los: Immer wieder zischt eine Luftballonrakete durchs Zimmer. Mitten im Tumult sitzen hoch konzentrierte Schüler an dem Experiment, das gleich mehrere Anleiter als „Highlight“ bezeichnen: Mit einem Teelicht wird Ruß produziert, der dann „super-hydrophob“ wird, sodass Wassertropfen von ihm abperlen – der sogenannte Lotus-Effekt. Die Versuche aus dem Bereich der Bionik, was man laut Shawn Kennedy vom IJF mit „aus der Natur abgeguckt“ übersetzen könnte, faszinieren nicht nur Biologie- und Chemielehrerin Waltraud Löffelmann: „Es ist erstaunlich, wie gut man mit so einem winzigen Ding Spannung herkriegt“, berichtet sie über die Grätzelzelle, eher bekannt als Solarzelle.

Ihr Fachkollege Harald Glaser empfiehlt vor allem den „sehr aufwendigen“ Vortrag „Mikroskopieren– Das Unsichtbare macht sich sichtbar“, in dem den Schülern mit tollen Bildern erklärt wird, wie ein Wissenschaftler Nanopartikel nachweisen kann. Erst sieht man die ganze Hand, dann die Falten, dann die Poren und schließlich die DNA sowie die Doppelhelix. Die wichtigsten Ergebnisse kann man übrigens mit nach Hause nehmen, wie Ingrid Abenthum-Glaser lobend erwähnt: „Die Schüler erhalten hochwertiges Hochglanz-Material, das sie bearbeiten und dann auch behalten dürfen.“

„Sehr zukunftsorientiert“ findet ein Schüler die Station Autobau, an der er nun schon seit einiger Zeit am Laptop sitzt. Er hat Gewicht und Verbrauch in den Mittelpunkt seiner Überlegungen gestellt und ist mit seinem Ergebnis sehr zufrieden, schließlich seien Alternativen zum benzinbetriebenen Motor derzeit sehr gefragt. Sehr zukunftsorientiert könnte man aber auch den ganzen Tag bezeichnen, denn durch solche Maßnahmen wie das IJF-Projekt „Nachwuchsförderung 4.0 - Qualifizieren für die Zukunft“ hat mit Sicherheit der eine oder andere der beteiligten Acht- oder Elftklässler die Initialzündung in einen der MINT-Berufe erhalten.

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