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Laugna

02.12.2019

Wer baut weltweit den besten Vorgarten?

Ganz exaktes Arbeiten war angesagt bei den Weltmeisterschaften der Berufe im russischen Kasan. Julian Maier aus Laugna (links) und Niklas Stadelmayr aus Tapfheim vertraten dort in diesem Jahr Deutschland.
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Ganz exaktes Arbeiten war angesagt bei den Weltmeisterschaften der Berufe im russischen Kasan. Julian Maier aus Laugna (links) und Niklas Stadelmayr aus Tapfheim vertraten dort in diesem Jahr Deutschland.

Plus Bei den Weltmeisterschaften der Berufe geht es um Schnelligkeit und ganz exaktes Arbeiten. In Russland vertrat der 22-jährige Julian Maier aus Laugna mit seinem Kollegen Deutschland. Am Montag sind sie im Bundeskanzleramt.

Am heutigen Montag fliegt der 22-jährige Julian Maier aus Laugna nach Berlin. Gemeinsam mit seinem Kollegen Niklas Stadelmayr. Um 16 Uhr erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel die beiden jungen Männer und mit ihnen alle deutschen Teilnehmer der diesjährigen „WorldSkills“, der Weltmeisterschaft der Berufe. Zum einen freut sich Julian Maier riesig darauf, das ganze Team nochmals zu treffen. Zum anderen weiß er, dass es das letzte Treffen sein wird. Mit dem Empfang endet für den Laugnaer Landschaftsgärtner und Stundenten eine aufregende Phase seiner beruflichen Laufbahn.

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Erst geht es nach Kanada

Spätestens in der zehnten Klasse hatte der Wertinger Gymnasiast gewusst, was er einmal werden will: Berufsschullehrer. Welcher Fachbereich sollte sich nach dem Abitur zeigen. So absolvierte er mehrere Praktika, als Landschaftsgärtner und Elektriker. Bei ersterem blieb er hängen, unterschrieb einen Ausbildungsvertrag bei der Landschaftsgärtnerei Bullinger im Donauwörther Stadtteil Schäfstall und machte sich erst mal auf den Weg nach Kanada. „Work and Travel“ – arbeiten und Reisen, so durchquerte er mit Stationen auf Bauernhöfen das nordamerikanische Land.

Anschließend ging die Ausbildung los. „Mit Pflanzen habe ich nicht so viel am Hut“, gesteht der 22-Jährige ehrlich. Doch findet er es „super abwechslungsreich“, eine Baustelle in einen ansprechenden Garten umzugestalten. Aushub, Betonarbeiten, Mauern setzen, Hänge befestigen. „Irgendwann sieht’s ganz gut aus und man sieht, wo’s hingehen soll.“ Die klaren Vorgaben eines Planes einzuhalten und dabei auftretende Hindernisse und entstehende Wünsche der Kunden zu berücksichtigen – das gefällt Julian Maier: „Am Ende muss alles statisch und optisch passen.“

Wer baut weltweit den besten Vorgarten?

Laugnaer findet einen Gleichgesinnten

In seinem Kollegen Niklas Stadelmayr (21) aus Tapfheim findet der Laugnaer während seiner Ausbildung einen Gleichgesinnten. Gemeinsam nehmen sie im April 2018 an den bayerischen Meisterschaften der Berufe auf der Landesgartenschau in Würzburg teil – und gewinnen. So vertreten sie Bayern bei den deutschen Meisterschaften auf der Galabaumesse in Nürnberg – siegen ebenfalls und qualifizieren sich damit für die „WorldSkills“, die Weltmeisterschaft im August 2019 im russischen Kasan, mit ihnen 23 andere Landschaftsgärtner aus aller Welt.

Waren es bisher 16 Quadratmeter Fläche, die sie in 15 Stunden an zwei Tagen zu bearbeiten haben, vergrößerte sich nun die Arbeitsfläche auf 49 Quadratmeter. Einen „Vorgarten“ müssen Maier und Stadelmayr in Kasan innerhalb von 21 Stunden an vier Tagen bei der Weltmeisterschaft anlegen. Stahlstufen, ein Wasserbecken als Teich, ein Holzsteg darüber, dazu Pflaster, Pflanzenbeete und eine Vertikalbegrünung. Bereits Monate vorher treffen sich die beiden regelmäßig mit dem deutschen Trainer Johannes Gaugel. Sie trainieren im eigens angelegten „Sandkasten“ in der heimischen Gärtnerei nach alten Plänen der vorangegangenen Wettkämpfe. Drei Tage vor Abflug bereiten sie sich mit dem gesamten deutschen Team in Frankfurt nochmals mental vor. Das Thema: „Wie arbeiten wir als Team zusammen, wie gehen wir mit Stress um?“

Einlauf ins Stadion vor 45000 Menschen

Dann geht es los. Unvergesslich prägt sich für den 22-Jährigen der Einlauf ins Stadion ein, mit 45000 Menschen komplett voll, mit deutscher Fahne und einem gigantischen Feuerwerk. Ähnlich verläuft am Ende die Siegerehrung.

Für den Sieg hat es bei den beiden deutschen Landschaftsgärtnern nicht ganz gereicht. Gold holte sich das deutsche Team mit zwei Fliesenlegern aus Baden-Württemberg und einem Zimmerer aus Rheinland-Pfalz. Dazu gab es für das 39-köpfige deutsche Team dreimal Bronze und 19 Exzellenzmedaillen – für alle, die sieben Achtel der Gesamtpunktzahl erreicht hatten. Das gelang auch den beiden Schwaben. Ein Winkel hatte bei ihnen am Ende nicht gepasst, eine Stahlkante war bei der Beeteinfassung um einen halben Zentimeter zu weit versetzt gewesen. „Doch wir waren nur 1,6 Punkte hinter dem Dritten“, erzählt Julian Maier stolz, „auf Platz neun“.

Zurück in der Heimat nahm er sein Studium in Freising wieder auf. Einen kurzen Moment hatte er nach seiner Ausbildung überlegt, ob er erst mal weiter als Landschaftsgärtner arbeiten solle. Doch im Hinterkopf bleibt sein Berufswunsch präsent.

Als Praktikant in der Berufsschule Höchstädt

Mittlerweile hat er fünf Wochen als Praktikant an der Berufsschule Höchstädt beobachtet und unterrichtet. Und es hat ihm Spaß gemacht. „Ich kann gut mit Menschen umgehen, bin seit langem Skilehrer“, erzählt er. Junge Leute, die einen Beruf lernen wollen, gefallen dem 22-Jährigen: „Denen sitzen nicht mehr die Eltern im Nacken.“

Für sie will er ein passender Lehrer werden. Einer, der in dem Fach, das er unterrichtet, bereits gearbeitet hat. „Der Ahnung hat von dem, was er spricht und nicht nur die Theorie kennt.“ Das hat Julian Maier. Dazu wird er seinen Schülern einmal von aufregenden Tagen in Russland und – vielleicht auch in Berlin – erzählen können.

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