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Wertingen

21.01.2019

Wer entscheidet, wenn ich es nicht mehr kann?

Eine Vorsorgevollmacht hilft im Ernstfall: In ihr kann bestimmt werden, wer die eigenen Geschäfte regeln soll, wenn man selber nicht mehr dazu in der Lage ist.
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Eine Vorsorgevollmacht hilft im Ernstfall: In ihr kann bestimmt werden, wer die eigenen Geschäfte regeln soll, wenn man selber nicht mehr dazu in der Lage ist.
Bild: Franziska Koark/dpa

Die Leiterin der Dillinger Betreuungsbehörde, Isabella Schwägerl, referiert in Wertingen über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Die Säle sind voll. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen sollte und was konkret zu tun ist.

Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung – unter diesen drei Schlagworten füllt Isabella Schwägerl bei ihren Vorträgen im ganzen Landkreis Dillingen die Säle. Ein Thema, das alle Menschen angeht, sobald sie 18 Jahre sind. Am Dienstag, 22. Januar, wird die Leiterin der Betreuungsbehörde auf Einladung der Hospizgruppe Wertingen-Höchstädt ab 19 Uhr im Festsaal des Wertinger Schlosses referieren. Wir sprachen mit ihr im Vorfeld der Veranstaltung.

Frau Schwägerl, Ihre Vorträge drehen sich um drei Begriffe, von denen die meisten von uns bereits gehört haben. Die konkrete Auseinandersetzung damit fehlt jedoch oft. Provokativ gefragt: Wie sinnvoll ist es, einen ihrer Vorträge zu besuchen?

Isabella Schwägerl: Sich mit den Themen auseinanderzusetzen ist auf jeden Fall sinnvoll. Bei meinen Vorträgen erkläre ich das Wesentliche und beantworte Fragen.

Bitte machen Sie das in Kurzform auch für uns. Vorsorgevollmacht – was hat es damit auf sich?

Schwägerl: Bei der Vorsorgevollmacht erteile ich einer Person meines Vertrauens die Vollmacht, für mich alle rechtserheblichen Entscheidungen zu treffen, wenn ich nicht mehr in der Lage dazu sein sollte.

Wer kann diese Person sein?

Schwägerl: Im Prinzip jeder Mensch, dem ich vertraue, mich zu vertreten.

Amtsgericht Dillingen bestellt Betreuer

Was passiert, wenn ich keine Vollmacht ausgestellt habe?

Schwägerl: In dem Fall wird das Amtsgericht einen Betreuer für Sie bestellen, sollten Sie selbst beispielsweise aufgrund von Krankheit, eines Unfalles oder einer Behinderung nicht mehr in der Lage sein, selbst zu entscheiden.

Ist das jemand Fremder oder kann das auch ein Ehepartner, Verwandter oder anderer Nahestehender sein?

Schwägerl: In der Regel ist es ein nahestehender Verwandter. Wenn ein Betroffener sich noch äußern kann, wird er auch nach seinen Wünschen gefragt.

Worin liegt dann der Unterschied zur Vorsorgevollmacht?

Schwägerl: Für die Entscheidung braucht es ein fachärztliches Gutachten, eine Stellungnahme der Betreuungsbehörde und einen Besuch des Richters. So ein Verfahren kann locker sechs Wochen dauern. Im Gegensatz dazu kann eine Vertrauensperson, die über eine Vorsorgevollmacht eingesetzt wurde, sofort einspringen.

Der dritte Begriff, über den Sie referieren, ist die Patientenverfügung. Wie funktioniert diese?

Schwägerl: Damit nehme ich persönlich konkret Einfluss darauf, wie Entscheidungen zu treffen sind, wenn keine Besserung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten ist. Beispielsweise kann in einer Patientenverfügung festgehalten werden, dass in konkret benannten Situationen lebenserhaltende Maßnahmen grundsätzlich verneint werden, beispielsweise Dialyse, künstliche Ernährung, der Anschluss an Apparate. In diesem Fall haben weder ein Bevollmächtigter noch ein Betreuer das Recht, andere Entscheidungen zu treffen. Im Gegenteil, sie haben sogar die Aufgabe, die Wünsche des Patienten durchzusetzen. Am sinnvollsten ist es daher, eine Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht zu kombinieren.

Und umgekehrt?

Schwägerl: Nicht unbedingt. Wer eine Vertrauensperson benennen kann, für den ist auf jeden Fall eine Vorsorgevollmacht sinnvoll. Mit einer Patientenverfügung und den darin festgelegten Entscheidungen muss man sich allerdings wirklich wohlfühlen. Viele haben Angst vor solchen Festlegungen. Ratsam ist das nur, wenn jemand genaue Vorstellungen hat, was seine Lebensqualität angeht. Ich rate ab, wenn jemand eine Patientenverfügung nur macht, weil das alle Welt macht.

Vordrucke gibt's auch beim Vortrag in Wertingen

Wenn ich mich für eine Vorsorgevollmacht oder/und Patientenverfügung entscheide, was ist zu tun?

Schwägerl: Entsprechende Vordrucke gebe ich bei meinen Vorträgen und individueller Beratung aus. Es gibt sie aber auch im Internet, zum Beispiel vom Bundesjustizministerium oder bayerischen Justizministerium. Für einige Rechtsgeschäfte ist mindestens eine Beglaubigung der Unterschrift des Vollmachtgebers auf der Vollmacht erforderlich. Daneben gibt es auch Rechtsgeschäfte, die eine notarielle Beurkundung notwendig machen.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Schwägerl: Die Beglaubigung einer Unterschrift kostet bei uns zehn Euro. Notarkosten sind individuell zu erfragen.

Frau Schwägerl, Sie leiten seit vielen Jahren die Betreuungsstelle des Dillinger Landratsamtes. Was führte Sie dorthin?

Schwägerl: Ich bin Diplom-Verwaltungswirtin und könnte damit beispielsweise auch im Bauamt sitzen. Mein Weg zur Betreuungsstelle hat sich zufällig ergeben. In der Zwischenzeit will ich nichts anderes machen. Die Stelle passt zu mir. Sie ermöglicht mir sehr viel Kontakt zu Menschen, die Hilfe brauchen. Ich hänge viel Herzblut in meine Arbeit. Denn ich erkenne, dass ich hier was bewirken und steuern kann.

Schwägerl leitet Betreuungsstelle in Dillingen seit 1992

Seit wann leiten Sie die Behörde?

Schwägerl: Ich habe sie sozusagen aufgebaut. Die Betreuungsbehörde gibt es seit 1992. Damals war ich allein, in der Zwischenzeit sind wir fünf Personen, wobei manche in Teilzeit arbeiten.

Zurück zu Ihren Vorträgen. Darin klären Sie zum einen auf. Zum anderen scheinen Sie auch aufzufordern, aktiv zu werden.

Schwägerl: Das ergibt sich, weil Leute erkennen: Wenn ich privatrechtlich mitbestimmen will, bleibt mir nichts anderes übrig als zu handeln.

Termine für die Beglaubigung der Unterschrift können vereinbart werden unter Telefon 09071/51-260. Hier gibt es auch Antwort auf einzelne Fragen.

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