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Hilfseinsatz

02.07.2017

Wertinger Bäcker backt Brot in Rumänien

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3 Bilder
Anton Wagner und – voller Stolz über das Ergebnis – eine Bewohnerin des Behindertenhauses in Rumänien.
Bild: Wagner/privat

Warum Anton Wagner von heute auf morgen in den Balkanstaat gereist ist und was er alles im Gepäck hatte. Und warum Werner Behringer einen Kartoffelroder sucht.

Anton Wagner ist einer, der sich gerne in seinen Jeep setzt, davonbraust und sich in anderen Ländern umsieht. Er ist kein Luxusreisender, vielmehr ein interessierter, aufmerksamer Beobachter, der das wirkliche Leben kennenlernen will. Und als Bäckermeister ist er es gewohnt, auch mal zuzupacken, wenn Not am Mann ist.

Deshalb reiste er vor Kurzem in einer Blitzaktion nach Rumänien. Hinten auf dem Anhänger: Ein Kühlschrank, eine Spülmaschine, Schaufeln, Hacken, Skier, Schlitten, Mehl, Hefe und – das Prunkstück – eine Teigknetmaschine, die Wagner noch gebraucht aus alten DDR-Beständen erworben hatte. Das Ziel war der Ort Homarode, in dem es ein von der rumänischen Caritas betreutes Behindertenwohnheim gibt mit viel Selbstversorgung – Schweinen, Hühnern, Gemüseanbau und mehr. Im Blick von Wagner stand aber der alte Brotbackofen auf dem Wohnheimgelände, der seit langer Zeit nicht mehr genutzt wurde.

Das wusste der Bäckermeister, Unternehmer aus Zusamaltheim, von Werner Behringer. Der Wertinger unterhält seit Jahren Kontakte zur rumänischen Caritas, fährt immer wieder mit selbst organisierten Hilfstransporten dort hin, um die Not leidende Bevölkerung und und die Sozialeinrichtungen der Caritas zu unterstützen. Als Anton Wagner in der Behindertenstätte ankam, war ihm die gute Kunde schon vorausgeeilt und der Backofen flott gemacht. In der Küche des Hauses, in dem Wagner und sein Team auch in den Gasträumen übernachten durften, wurde dann eine Backstube eröffnet. Der Bäckermeister, der selbst einen Onkel in Siebenbürgen hat und in seiner Jugend schon mal in Rumänien war, zeigte den Küchendamen des Wohnheims und den Bewohnern nicht nur, wie man Sauerteig zubereitet, sondern auch, wie man Hefezöpfe flicht. So geschult, wurde der Freiluft-Ofen angeschürt. Das Ergebnis war ein durchschlagender Erfolg: dicke Wagner-Brotlaibe und saftiger Hefezopf mit in Rum eingelegten Weinbeeren.

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Anton Wagner erzählt beeindruckt von den Menschen mit Handicap, die bei ihm das Backen lernten und ihm in wenigen Tagen ans Herz gewachsen waren. Wagner hat viele Eindrücke mit nach Hause gebracht. Das schöne, aber völlig unterentwickelte rumänische Landleben, die Armut, das Elend in den Städten, die Situation Hilfsbedürftiger, die es bei der Caritas viel besser haben als zu Hause. Aber auch das Gegenteil – großer Reichtum und auffallend viele protzige Autos. Wagner hat auch Hinweistafeln gesehen von EU-Projekten, die nie begonnen und nie fertiggestellt wurden, und er fragt sich, wo hier die EU-Gelder geblieben sind – „In den Porsches und Geländewagen, die hier überall fahren?“. Dieselbe Frage stellen sich Werner Behringer und seine Frau Waltraud seit Jahren.

Denn seit Jahren unterstützt das Ehepaar die Caritas mit Hilfsgütern und die beiden beobachten, dass sich die Situation im Land nur durch die kirchlichen Einrichtungen verbessert, die Reichen immer reicher und die Armen ärmer werden. „Der Staat dort taugt nichts“, sagt Bäcker Wagner, wie es ist.

Werner Behringer lässt deshalb in seiner Unterstützung nicht nach. Bei seinem jüngsten Besuch im Mai hat er den Bewohnern einer Senioren-Tagesstätte neben anderen Hilfsgütern auch die große Zeitungsente Paula Print mitgebracht. Die kleine Ente kannten die Bewohner schon, die große war schnell der Star unter den Kuscheltieren im Seniorenhaus. Kuscheltiere brauchen die alten Leute, um sich zu beschäftigen. Behringer will das nächste Mal aber ein besonderes Geschenk mitbringen. Er sucht einen Kartoffelroder für die Landwirtschaft des Behindertenheimes. Dort gibt es einen kleinen Traktor, aber noch kein Gerät, mit dem die Kartoffeln geerntet werden können. „Alles wird per Hand gemacht“, sagt Behringer. Er würde sich freuen, wenn er bei seiner nächsten Tour im September die Rumänen mit einem solchen landwirtschaftlichen Gerät überraschen könnte. "Kommentar

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