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Bürgerversammlung

07.11.2019

Wie groß soll Wertingen werden?

Wie soll soll sich Wertingen weiter entwickeln, wohin führt ein weiteres Wachstum? Das war eine Frage von vielen, die in der Bürgerversammlung diskutiert wurden.
Bild: Andreas Dengler

Der Platz ist rar. Warum Bürgermeister Willy Lehmeier meint, dass es in der Zusamstadt „noch kuscheliger“ wird. Und warum eventuell eine Wohnwagensteuer notwendig ist

„Wie groß soll Wertingen werden?“ Bürgermeister Willy Lehmeier stellte in der Bürgerversammlung am Dienstagabend diese Frage in den Raum. Grund dafür war die Frage eines Zuhörers, dem die Entwicklung von Wertingen offensichtlich nicht schnell genug vorangeht. „Was tut die Stadt, um den Zuzug zu vergrößern?“ lautete seine Frage, die auch der Ansiedlung von Gewerbesteuerzahlern galt. Der Bürgermeister stellte fest, dass das Gewerbesteueraufkommen derzeit wächst. Die Prognose für 2019 lautet 10,7 Millionen Euro, im Jahr 2018 waren es 7,8 Millionen Euro. Lehmeier plädierte für eine maßvolle Entwicklung: „Wir haben alle Hände voll zu tun, dass wir für Firmen, die angesiedelt sind, günstige Bedingungen herstellen.“ Standortdefizite könne die Stadt nicht aufholen. Wertingen liege nun mal nicht an der Autobahn und verfüge über keinen Bahnanschluss. „Für das, was erzielt wird, sind wir dankbar“, sagte Lehmeier, „wir schlagen uns achtbar.“

Was Wertingen so stark mache, sei das „Nicht-abhängig-Sein“ von großen Industrien. Die Zusamstadt verfüge über 350 Gewerbebetriebe – mittelgroße und kleine Firmen, die nicht unmittelbar von Europa abhängig seien. Lehmeier stimmte Stadtrat Johann Popp zu, der in der Diskussion zu bedenken gab, dass die Stadt einen Teil der Gewerbesteuereinnahmen an den Landkreis abführen müsse. Wie Lehmeier erklärte, fließt diese Gewerbesteuerumlage indirekt wieder nach Wertingen zurück, da die Stadt über viele Kreiseinrichtungen verfüge, die vom Landkreis finanziert werden: Kreishallenbad, Kfz-Außenstelle, Realschule, Gymnasium.

Mit dem Wachstum der Stadt befasste sich eine weitere Frage – wo denn im Zuge der Nachverdichtung in den Wohngebieten die Stellplätze herkommen sollten? Der Fragesteller pochte darauf, die Stellplatzverordnung zu überarbeiten. Bürgermeister Lehmeier bremste auch hier allzu hohe Erwartungen: „Wir haben viel zu viele Fahrzeuge, wo setzen wir die Grenzen“, mahnte Lehmeier an, dass nicht für jedes Auto ein Platz geschaffen werden könne. Der Flächenverbrauch in Bayern schreite voran, Nachverdichtung sei unumgänglich: „Es wird noch kuscheliger werden in Wertingen.“ Die Abstandsflächen beim Hausbau würden fallen, es werde künftig auch enger auf den Straßen zugehen, schaute Lehmeier voraus.

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Weitere Fragen, die in der Bürgerversammlung diskutiert wurden:

Die Stadt habe sich beim Kauf des Pohltec-Gebäudes vor einiger Zeit „ein Stück weit verkalkuliert“, räumte Bürgermeister Lehmeier ein. In das Gebäude soll einmal der städtische Bauhof verlegt werden. Die Euphorie über den Erwerb des Pohltec-Grundstücks war so groß, dass erst später klar wurde, dass das Gebäude Mängel aufweist und einiges an Finanzen notwendig ist, diese zu beheben. Lehmeier bat um Geduld: „Wir brauchen hier einen längeren Atem.“ Er schlage vor, Investitionsrücklagen zu bilden für Projekte, die angegangen werden müssen.

Verschiedene Projekte, wie zum Beispiel der Neubau einer Aussegnungshalle müssen zurückgestellt werden. Es sei nicht möglich, alles in einem Zug zu realisieren, machte der Bürgermeister klar. Auch die angestrebte Barrierefreiheit wurde bisher nur „unbefriedigend umgesetzt“, stellte Lehmeier fest. Dabei gebe es große Hindernisse. So sei bei einer geplanten Rampe für das alte Amtsgerichtsgebäude das Denkmalamt dazwischen gekommen. Es habe hier allein 150000 Euro an Planungskosten gegeben. Es werde nichts vergessen, sagte Lehmeier, „aber wir tun uns schwer, allem gerecht zu werden.“ Die Stadt habe einen Investitionsstau: „So viel Geld gibt es auf der ganzen Welt nicht, dass wir allem gerecht werden können.“

Es soll in Wertingen einen Münchner geben, der hier seinen Wohnwagen in einer Nebenstraße ständig kostenlos abstellt. Ein Fragesteller fühlt sich jedenfalls von diesem permanent gestört. Lehmeier meinte scherzhaft, die Stadtverwaltung werde diesen Fall überprüfen und gegebenenfalls eine Wohnwagensteuer einführen. "Kommentar Seite 27

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