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06.07.2010

"Wir sind keine Detektive"

"Wir sind keine Detektive"

Wertingen In jüngster Zeit wurde das Wertinger Gymnasium im Zusammenhang mit Vandalismus genannt. Beim privaten Blau-Weiß-Fest der Abiturienten im angemieteten TSV-Heim war es zu Zerstörungen gekommen. Hier hatten alkoholisierte Gäste der diesjährigen Abiturientengeneration 120 Maßkrüge zertrümmert und Toilettentüren eingetreten. Das unsinnige Treiben hat aber nichts mit dem Gymnasium zu tun. Es handelte sich um keine schulische Veranstaltung. Dennoch: Die Täter sollen frühere Gymnasiasten gewesen sein.

Auch im Gymnasium selbst werden anscheinend immer wieder Toiletteneinrichtungen beschädigt. Am vergangenen Samstag berichtete die WZ über die Schülerzeitung "Echo", die eben diesen Vandalismus in einer preisgekrönten Reportage zum Thema gemacht hatte. Wir sprachen mit Eva Focht, der Leiterin des Gymnasiums:

Die Schule kann sicher nichts für die unreifen Handlungen von einigen jungen Leuten, aber in der Region wird ein Zusammenhang hergestellt. Selbst der Vandalismus im TSV-Heim wird hartnäckig mit dem Gymnasium in Beziehung gesetzt, obwohl die Täter ja schon lange keine Schüler mehr waren.

Focht: "In der Tat haben wir nichts damit zu tun, wenn einzelne Leute sich nicht zu benehmen wissen. In der Schulzeit versuchen wir so zu erziehen, dass es nicht zu solchen Handlungen kommen muss. Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass solche Dinge von der Polizei aufgeklärt werden. Auch an der Schule kommt leider Vandalismus vor. Die Täter können eigene Schüler sein, es können aber auch fremde Personen sein, die auf unser Gelände und in unser Gebäude kommen. Vandalismus ist ein gesellschaftliches Phänomen und kein Einzelphänomen einer Schule."

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Mitunter kann man im Zusamtal eine Art Schadenfreude erkennen nach dem Motto: Jetzt sind es nicht Lehrlinge oder Schulabbrecher, die hier gewaltig über die Stränge schlagen, sondern es ist auch mal die sogenannte Bildungselite.

Focht: "Ich finde es schade, wenn es zu solchen Gefühlen kommt. Vandalismus ist ein Problem bei allen Gesellschaftsschichten. Schadenfreude fände ich da sehr bedauerlich!"

Vandalismus gibt es auch im Gymnasium, wie man der Reportage der Schülerzeitung entnehmen konnte. Dieses Treiben von unbekannten Tätern beschädigt öffentliches Eigentum. Und vor allem untergräbt es die Disziplin an der Schule. Was kann die Schule tun? Lehrer sind keine Detektive. Wird die Polizei ab einer gewissen Schadenshöhe eingeschaltet?

Focht: "Richtig, Lehrer sind keine Detektive. Wir arbeiten als Pädagogen. Ich wünschte mir, dass den jungen Leuten bereits im Elternhaus die Zivilcourage anerzogen wird, dass sie sich klar gegen solche Dinge wenden. Und die Schule selbst: Wenn Zerstörungen festgestellt werden, schalten wir die Polizei ein!"

Bei der Blau-Weiß-Feier der Abiturienten fehlte eben diese Zivilcourage anscheinend. Niemand unterband das Treiben, niemand alarmierte die Polizei.

Focht: "Mir ist nicht bekannt, wer hinter diesem Vandalismus steckte. Schade ist, dass die Veranstalter die Zerstörungen nicht unterbanden."

Vandalismus in der Schulstube gab es schon immer. Aber heute sind anscheinend nicht nur harmlose Streiche gefragt, sondern regelrechte Zerstörungswut. Ist das ein Trend? Werden da Frustrationen ausgelebt?

Focht: "Ich stelle aus eigener Erfahrung keinen zunehmenden Trend fest. Wenn man aber die Medien verfolgt, dann sieht es so aus als gäbe es einen zunehmenden Trend."

Auch Gymnasiasten im Pubertätsalter erleben ihre Sturm- und Drangzeiten. Wie können Pädagogen helfen? Das Treiben ist ja nur in den seltensten Fällen so rabiat wie beim Abiturientenfest oder in den Toilettenanlagen der Schule.

Focht: "Als Pädagoge muss man diese altersspezifischen Probleme der Schüler ernst nehmen. Man wird heute auch Schulsozialarbeit einsetzen."

Der TSV will, laut Charlotte Simon, das TSV-Heim nicht mehr für Feiern der Abiturienten vermieten. Das tangiert das Gymnasium eigentlich nicht. Dennoch: Könnte diese Privatfeier der Schüler auf schulischem Boden stattfinden?

Focht: "Am Wertinger Gymnasium sicher nicht. Falls es keine schulische Veranstaltung ist - und dieses Weiß-Blaue Fest ist eine Privatfeier - gibt es da keine Möglichkeit." (ews)

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